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freizeit Leben, Liebe & Sex
02/16/2021

Fasching 2021: Kostüme und Masken als Ladenhüter

Gruselig: Menschen, die mit dem Fasching Geschäfte machen, haben auch schon einmal mehr gelacht.

von Uwe Mauch

„Noch so ein Fasching, dann wird es echt gruselig“, meint Mario Brzak beim „Faschingsprinz“ in der Wiener Taborstraße. „Dann können wir uns die Masken selbst aufsetzen.“ Nachsatz mit einem zart-bitteren Lächeln: „Das wird dann vielleicht eh besser sein.“

Brzaks Branche zählt definitiv nicht zu den Gewinnern der Corona-Krise. Zwar konnte das Faschingsgeschäft 2020 noch knapp vor dem ersten Lockdown ins Ziel gerettet werden, doch seither kämpfen Verkäufer und Vermieter mit einer Zeit, in der das kollektive Lachen, Feiern und Beschwingtsein außer Kraft gesetzt werden musste.

„Den Trump kann ich mir heute alleine anschauen“, ist auch Susanne Schmid alles andere als zum Lachen zumute. Die Inhaberin des Wiener Traditionsbetriebs Ed. Witte in der Linken Wienzeile (dieser Betrieb wurde im Jahr 1862 gegründet) freut sich immerhin, dass quasi in letzter Minute in Kindergärten und Schulen doch noch Fasching gefeiert werden darf.

„99,9 Prozent Kinder“ registriert man auch beim „Faschingsprinz“. Einzige erwachsene Kunden sind heuer Betreuer in Kindergärten und Lehrer. Und auch die greifen – wohl aus pädagogischen Gründen – nicht zur Gummimaske von Donald Trump.

Anders als Trump bleibt einem „Rudi Anschober“ oder „Charly Nehammer“ das Los des Ladenhüters im Fasching 2021 erspart. Weil es diese Masken-Sujets schlicht und ergreifend nicht gibt, so Susanne Schmid. Sie klärt auf: „Diese Masken kommen heute von wo weiß wer her, daher werden nur noch die internationalen Politikergrößen produziert.“

Masken zur allgemeinen Erheiterung werden es aber auch in Zukunft schwer haben, rechnet Mario Brzak. Sie sollen als Schutz dienen, erklären die Kunden. Freiwillig will sie hingegen kaum jemand mehr aufsetzen.

Schlechter als im Krieg

„So einen Fasching habe ich noch nie erlebt“, sagt Susanne Schmid, die seit 50 Jahren in der Branche tätig ist – so wie ihre Eltern. „Die erzählen, dass sogar im Krieg mehr gefeiert wurde als heute.“

Wie verkleiden sich Kinder eigentlich heuer? „Der Polizist und der Feuerwehrmann gehen sehr gut“, sagt Schmid. Neben den Klassikern wie Cowboy, Indianer, Pirat oder Spiderman. „Und lustigerweise alle Tiere“, fügt Kollege Brzak hinzu. „Vom Eichkatzerl bis zum Einhorn.“

In der Mariahilfer Straße in Wien wurde jüngst ein Coronavirus-Kostüm-Träger gesichtet, wohl eher ein Scherzbold denn ein Maskenverweigerer-Demonstrant. Ganz offensichtlich trug er eine Spezialanfertigung. Denn beim „Ed. Witte“ und beim „Faschingsprinz“ führt man ein solches Kostüm nicht. „Es wurde uns bisher jedenfalls nicht angeboten“, erklärt Susanne Schmid. Sie wisse nicht sicher, ob sie so ein violettes Ungetüm als Dekoration in ihr Regal überhaupt eingeschlichtet hätte.

Noch so ein Jahr ohne Fasching, Bälle, Halloween und andere Lustbarkeiten mag sie sich nicht vorstellen: „Wer mag dann noch unser Nachfolger werden?“

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