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05/03/2021

Corona bringt die Chormusik gehörig aus dem Takt

Das hat eine Umfrage im deutschsprachigen Raum ergeben: Rückläufige Mitgliederzahlen, finanzielle Sorgen und fehlender Nachwuchs sind die Probleme.

Binnen kurzer Zeit haben sich mehr 4.300 Chöre in Deutschland, Österreich und der Schweiz an einer  Online-Befragung beteiligt. Erste Ergebnisse sind nun in der neuen musikzeitung (nmz) veröffentlicht worden:  „Die Zahl der aktiven Sängerinnen und Sänger bei den befragten Chören ist während der Pandemie deutlich rückläufig. Nur weniger als ein Drittel konnte die ursprüngliche Mitgliederzahl beibehalten. Besonders ausgeprägt ist der Verlust bei den mehr 580 befragten Nachwuchschören. Von diesen existiert de facto fast jeder achte Kinder- und Jugendchor nicht mehr“, berichtet  Kathrin Schlemmer, die an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) die Professur für Musikwissenschaft inne hat.

Fast 60 Prozent aller befragten Ensembles erwarten, dass sie auch in der Zeit nach der Pandemie nicht mehr in früherer Besetzungsstärke weiterarbeiten werden. 15 Prozent fürchten sogar einen deutlichen Rückgang des Interesses von Sängerinnen und Sängern durch die lange Zwangspause.

Mehraufwand

Trotz zahlreicher kreativer Ansätze für die coronakonforme Chorarbeit – z.B. durch digitale Proben, Singen im Freien oder in größeren Räumen – werde nur ein kleiner Teil der Ensembles erreicht. Gleichzeitig seien die Proben mit einem enormen Mehraufwand für die Verantwortlichen verbunden. Die Auswertung der Fragebögen ergab außerdem, dass mit reduzierter Mitgliederzahl und stark reduzierten Proben- und Auftrittsmöglichkeiten die Qualität der Ensembles spürbar nachlasse. Die Frage nach der aktuellen musikalischen Verfassung werde für mehr als die Hälfte der Chöre im negativen Bereich beantwortet, ebenso die Frage nach der aktuellen mentalen Verfassung. Lediglich der aktuelle Zusammenhalt innerhalb der Chöre ergibt eine weniger negative Sicht, die Hälfte der Chöre sehe den Zusammenhalt noch im positiven Bereich.

Besondere Sorge bereitet  Schlemmer, dass der Zusammenhalt vor allem bei den Nachwuchschören stark gelitten habe. „Diese unterliegen durch Schule oder Ausbildung ohnehin schon einer größeren Fluktuation als Chöre mit erwachsenen Mitgliedern. In Kinder- und Jugendchören muss folglich ständig Nachwuchs gefunden werden. Sie sind gegenüber Unterbrechungen besonders anfällig.“

Die finanzielle Situation beurteilt jeder dritte befragte Chor als eher oder sogar sehr unsicher, da gängige Einnahmen wie etwa Erlöse aus Konzerten fehlen. Weitere gut 20 Prozent der Chöre erwarten finanzielle Probleme in 2021 oder 2022. In der Konsequenz können viele Chöre beispielsweise ihre oft freiberuflichen  Leiter nicht mehr (voll) finanzieren.

Förderbedarf

Ziel der ChoCo-Studie ist nicht nur eine Bestandsaufnahme der aktuellen Lage, sondern auch das Aufzeigen von Förderbedarfen, um weiteren Schaden von der Chorszene abzuwenden: „Die teilnehmenden Chöre wünschen Hilfe bei der Finanzierung von Schnelltests, gefolgt von der Unterstützung bei den Honoraren für die Dirigentinnen und Dirigenten, Zuschüsse für Notenmaterial sowie eine Ausfallversicherung bei Konzerten in der aktuell unsicheren Pandemielage, um den Chorbetrieb sicher wieder aufnehmen zu können.“

Insgesamt betrachtet sind aus Sicht des Projektteams die Ergebnisse besonders beunruhigend, da sie noch vor der dritten Welle im März ermittelt wurden. Zu diesem Zeitpunkt rechneten viele Chore vermutlich noch damit, bald wieder proben zu können. Mangels Öffnungsperspektive habe sich, wie das Projektteam betont, die Situation für die Chöre nochmals verschlechtert: „Von vielen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens wird sich die Erholung bei den Chören unterscheiden, eine baldige Wiederherstellung des normalen Chorlebens ist zeitnah nicht zu erwarten.“

Details

Über die nun veröffentlichten ersten Ergebnisse hinaus wird das Autorenteam in der kommenden Zeit die Erhebung noch detaillierter auswerten – etwa im Hinblick auf regionale Unterschiede oder die Art der Chöre. Zudem hatten die Befragten neben einem standardisierten Fragebogen auch Gelegenheit, die Situation mit eigenen Worten zu schildern. Diese qualitativen Daten werden nun noch weiter untersucht.

 

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