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freizeit Leben, Liebe & Sex
02/02/2020

Cheerleader in Wien: "Wir! Sind! Die! Vikings!"

Heute Nacht haben sie ihren großen Auftritt: die Cheerleader beim Super Bowl. Der Sport boomt auch in Wien. Zu Besuch bei den Vikings Allstars.

von Bernhard Praschl

"Rah rah rah! Tiger Tiger Tiger! Sis sis sis! Boom Boom Boom! Ahhhh!“ Was, wie bitte?

So lautete der allererste Schlachtruf eines Cheerleaders. Er war laut. Und er war männlich. Denn ursprünglich war das Anfeuern einer Sportmannschaft keine Frage von glitzernden Pompons und schicken Trikots. Es war ein reiner Männerjob.

Bei den AFC Dacia Vienna Vikings gibt es auch männliche  Cheerleader – im Coed (Mixed)  Team. Aber wir sind hier bei „the real thing“, den Girls mit Grazie, wie zum Beispiel Jessica.

Die Wienerin ist seit Jahren Teil der Truppe mit dem speziellen Look. Was sie daran so begeistert? „Athletik, Turnen, die Akrobatik sowie  der Teamspirit.“ Klingt gut. Und nach vollem Programm.

Flyer im Anflug

Drei Mal in der Woche wird geprobt. In den riesigen Turnsälen des Ballsportgymnasiums in der Erdbergstraße in Wien. Auch am Wochenende checken die 24 Mädels mit den Trainerinnen Jannine und Natalie in den langen Gängen des grauen Zweckbaues ein. Andere Teenies haben da wohl eher  Shopping und Clubbing im Kopf. Jessica & Co. aber fahren auf etwas anderes ab.

„Wir! Sind! Die! Vikings!“, schallt es kämpferisch von der Pyramide, jener Figur, mit der sich Cheerleader am spektakulärsten in Szene setzen. Jessica steht mit beiden Beinen fest auf den Schultern ihrer Kolleginnen. Auch wenn  die Mädchen dauerlächeln, spürt man: Das ist ein knochenharter Job.

Daran ändert auch die mitreißende  Musik aus den Lautsprecherboxen nichts. Über Jessi haben noch weitere Mädels in der Pyramide Aufstellungen genommen: die Flyer, allesamt ziemliche Leichtgewichte. Für sie ist perfekte Körperspannung ein absolutes Muss. Denn sie werden noch gut zwei Meter in die Höhe katapultiert. Verständlich, dass Flyer nach diesem halsbrecherischen Stunt auch sicher landen wollen.

Mehr als eine Show

Wir haben ein Motto“, erklärt uns Jessi später. „Kein Flyer berührt den Boden.“ Und  wirklich, während dieser Trainingseinheit  setzen alle sicher auf der Matte auf. – „One, two and  three and ...“ Aus der anderen Ecke schallen schon die nächsten Befehle. Eine „Tumbling“-Reihe wird gebildet. „One, two and three and ...“

Rolle, Rad, Flickflack und  Salto geben sich vor unseren Augen die Hand. Haben wir uns hier in ein Training zu einer Bodenturnmeisterschaft verirrt? „Ja,  manchmal schaut es ganz danach aus“, bestätigt Jessi. Und betont: „Wir sind ja auch Sportlerinnen.“

Stimmt. Nur wer sich nicht auskennt, sitzt dem Klischee auf,  dass Cheerleader bloß mit bunten Puschln ausstaffierter  Aufputz für  harte Football-Burschen mit breiten Schulterpolstern sind.

Finnen sind führend

„Das sind Show-Cheerleader“, so Jessi. Sie hingegen sieht sich als Leistungssportlerin. Und das ist sie auch. Als mehrfache  österreichische Staatsmeister geben sich die AFC Dacia Vienna Viking Allstars selbst in der Heimat des Cheerleadens keine Blöße. Bei den Internationalen Cheerleader-Meisterschaften in Florida haben die Österreicherinnen schon mehrere gute Plätze im Mittelfeld erreicht. Zu Recht. Denn die Truppe der Vienna Viking Allstars orientiert sich nicht etwa  an den Cheerleadern der Kansas City Chiefs oder der San Francisco 49ers, also den Teams der NFL Football-Mannschaften, die an diesem Sonntag um den Super Bowl  fighten, sondern an den echten  Champions. Und die kommen in dieser Disziplin  schon seit zwei Jahren – Überraschung! – aus Finnland.

Letzten April schafften die Mädchen aus dem hohen europäischen Norden das Unglaubliche: In Orlando, Florida wurden sie beim Kampf  David gegen Goliath  wiederholt Siegerinnen  bei der World Cheerleading Championship. Auf den Plätzen landeten die USA und mit Norwegen ein weiteres Team aus Skandinavien.

+ US-Präsident Ronald Reagan war Cheerleader, bevor er als Schauspieler entdeckt wurde. Andere  Stars mit Cheerleader-Vergangenheit: Madonna,  Jamie Lee Curtis und Steve Martin.
+ Bis zu 800 Millionen Zuseher: Das Spektakel um den Super Bowl ist ein absoluter Quotenbringer. In den Top 10 der TV-Übertragungen mit den meisten Zuschauern aller Zeiten in den USA finden sich neun  Super-Bowl-Spiele.
+ Manche Pizza-Lieferdienste in den USA machen ein Drittel ihres Jahresumsatzes am Tag des Super Bowl.  
„Pizza Hut“ stellt  dafür 11.000  Aushilfskräfte ein.
+ Das Football-Finale hat es in sich, auch für die Zuseher: Nach dem Super Bowl melden sich sechs Prozent mehr US-Bürger krank als an normalen  Montagen.
+ 50 Jahre mussten die Kansas City Chiefs auf den Einzug ins Finale warten. Am 2.2. ist es soweit, da fighten  
sie mit den San Francisco 49ers in Miami um die 54. Super Bowl.

Teamspirit gefragt

Wenn man sich anstrengt, kann man hier auch als kleine Nation ganz groß aufzeigen“, erklärt uns Jessica die Motivation der Vienna Viking Cheerleader, sich hier freiwillig in der Halle herumwirbeln zu lassen.   

Mit bunten Pompons und Tamtam allein kommt man jedenfalls auch in der beigen Turnhalle des Ballsportgymnasiums nicht wirklich weiter. Sondern mit den ganz normalen sportlichen Tugenden Disziplin, Ehrgeiz und Willensstärke. Von alldem  zeigen die durchtrainierten Mädchen der Vienna Vikings genug. Und sie beweisen vor allem eines: Teamspirit.

In einem Team befinden sich 24 Mädchen. Alle haben nur ein Ziel: Als Vienna Vikings eine gute Performance abzugeben – für die Zuschauer. Und zwar alle zusammen. Von den Bases, die die Basis einer Pyramide bilden, über die Middlelayer und den Flyern bis zu den Spottern, die für die Sicherheit der Flyer verantworlich sind.

Ein Highlight der kommenden Siason sind die Vienna Classics  im Konferenzzentrum Kaiserwasser in Wien-Donaustadt. Victoria Zachhuber, Vorstandsmitglied der AFC Dacia Vienna Vikings: „Wir erwarten uns ein tolles Event mit internationaler Beteiligung."

Halle dringend gesucht

Als Vikings Ladys sind sie seit 17 Jahren in Folge ungeschlagen. Mehr geht gar nicht. Oder etwa doch? Denn eines  fehlt dringend. Coach Jeanine: „Wenn wir für unsere 300 Athletinnen eine eigene Halle hätten, würden wir uns  viel leichter tun.“

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