Paravent Focus der Firma Moore

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freizeit Leben, Liebe & Sex
06/11/2021

Boom der Paravents und neue Lösungen, um sich abzugrenzen

Die Raumtrenner sind im neuen Homeoffice-Alltag plötzlich begehrte Möbelstücke – und offene Loft-Atmosphäre bald Schnee von gestern, prognostiziert eine Zukunftsforscherin.

von Christina Michlits

Design-Legende Karl Lagerfeld hatte ein Faible für Paravents und auch seine Vorgängerin Coco Chanel sammelte die flexiblen Trennwände: „Ich liebe chinesische Paravents und fiel vor Freude fast in Ohnmacht, als ich in einem Chinaladen zum ersten Mal einen Coromandel sah“, erklärte sie ihrer Biografin.

Der aus China stammende „Windschirm“ wurde in Pariser Literatursalons im 17. Jahrhundert zum Trend, der eine intime Umgebung schuf. Wirklich aus der Mode ist der Paravent nie gekommen, in den letzten Jahrzehnten fristete er aber ein wenig beachtetes Schattendasein.

Sich abgrenzen

Seit das Homeoffice nun für viele zum Alltag wurde, ist der Faltschirm allerdings zum Wohnmöbel der Stunde avanciert. Denn so ansprechend offene Wohnräume aussehen und wirken mögen, als Büro mit Privatsphäre sind sie nur bedingt geeignet.

„Nicht jeder hat eine Wohnung mit 100 und eigenem Büro. Im schlechtesten Fall muss man am Esstisch arbeiten“, erklärt Simon Ladner vom Planungs- und Ausstattungsbüro Area das Problem. Dadurch wird die Trennung von Job und Privatleben im Homeoffice um vieles schwerer.

Neue Lösungen

Dieses Phänomen beschäftigt auch Zukunftsforscherin Oona Horx-Strathern, die gegenüber dem KURIER schon einmal erklärte: „Unsere Wohnbereiche je nach Funktion zu differenzieren, kann dabei helfen, Grenzen zu setzen. Je mehr Zeit wir zu Hause verbringen, desto mehr lernen wir unsere Wohnräume wieder in eindeutige Bereiche mit klaren, eigenständigen Funktionen zu unterteilen.“

Auch auf kleinem Raum braucht es Abgrenzungsmöglichkeiten – um Hintergrundgeräusche bei beruflichen Telefonaten zu minimieren und nicht von der Hausarbeit, die einem ins Auge springt, unterbrochen zu werden.

Das wissen auch Designfirmen, die an neuen Lösungen arbeiten. Auf den aktuellsten Möbelmessen waren bereits vermehrt schicke Schallabsorbierer und tragbare Wände zu sehen.

Neben den Paravent-Designklassikern wie jene von Alvar Aalto, hat Vitra die neue Dancing Wall am Markt. Sie fungiert als Raumtrenner, hat Rollen, um schnell bewegt zu werden, und austauschbare Wandsysteme wie matte Glasflächen, auf denen auch geschrieben werden kann. Denn: „Kunden fragen nach Hintergrund-Wänden für Videokonferenzen. Nicht jeder will sein privates Wohnzimmer herzeigen und sein Heimbüro professioneller machen“, so Ladner. Die neuen Paravents schützen also auch die eigene Privatsphäre in Zeiten von virtuellen Sitzungsmarathons.

Umgekehrt können dann auch Ordner und Laptop nach getaner Arbeit hinter einer Wand verschwinden, um in der Freizeit nicht zu oft an die berufliche To-do-Liste erinnert zu werden.

Grundrisse umdenken

Horx-Strathern geht noch weiter und glaubt durch die neuen Gegebenheiten an ein generelles Umdenken in der Architektur: „Wo jetzt noch ein offener Wohnraum dominiert, wird es bald mehr Ecken, Büro-Winkel oder Schiebetüren geben, um sich beim Arbeiten abgrenzen zu können.“

Trotz der neuen Problemstellungen führte die Pandemie laut einer Umfrage zumindest bei österreichischen Haus- und Wohnungsbesitzern zu mehr Wohlbefinden. Wohl auch, weil man sich den eigenen vier Wänden mehr gewidmet hat. Wenn man das Leben draußen schon nicht kontrollieren kann, dann wenigstens daheim.

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