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freizeit Leben, Liebe & Sex
10/11/2020

Auf den Hund gekommen: Darum sind Vierbeiner so beliebt wie nie

Zuletzt entdeckten nicht nur Stars wie Paris Hilton ihr Herz für Hunde: Die Vierbeiner sind beliebt wie nie – und gehören für viele zum modernen Lifestyle-Leben. Designer springen auf den Trend auf, Experten warnen davor, Hunde als Accessoires zu sehen.

von Elisabeth Mittendorfer, Bernhard Praschl

Nein, Mr. Hoops, dem kuscheligen Terrier darf man wirklich nicht zu lange in die Augen schauen. Man will ihn gleich mitnehmen. Auf der Stelle. So dachten vermutlich viele derjenigen, die in den vergangenen Wochen und Monaten gerne im Tierheim Vösendorf auf den Hund gekommen wären. „Im Frühjahr hatten auch wir Notbetrieb“, sagt Oliver Bayer vom Tierschutz Austria und ergänzt: „Sobald wir wieder offen hatten, waren schon am ersten Tag Termine für die nächsten zwei Wochen ausgebucht.“

Der Hund ist schon lange als „bester Freund des Menschen“ bekannt und vertraut. Seit Corona aber ist die Nachfrage nach dem treu ergebenen Begleiter sprunghaft angestiegen. Von „bis zu 30 Anfragen pro Tag“ erzählt Bayer, wobei er bei den Interessenten keine Präferenzen bezüglich Rasse oder Alter ausmachen kann.

Doch auch schon vor Corona ist die Zahl der Vierbeiner hierzulande stetig gewachsen. Ebenso das Angebot an Accessoires für den modernen Hund, das von Schlafmütze bis hin zur Designer-Hundehütte reicht.

Wohltuender Begleiter

Von einem regelrechten „Welpen-Boom“ in jüngster Zeit berichtet Hundeexpertin Conny Sporrer, die die erste und einzige DOGS-Hundeschule nach Hundeprofi Martin Rütter in Wien führt. „Alle Welpen-Gruppen waren mehr als ausgebucht. Wir hatten nicht den Eindruck, dass das alles Impulskäufe sind. Ich habe eher das Gefühl, dass in solchen Zeiten andere Werte gelten und sich viele wieder mehr mit dem Zuhause oder der Familie beschäftigen.“ Zahlreiche Studien haben außerdem erwiesen, dass sich Hunde positiv auf das Wohlbefinden auswirken und Einsamkeit lindern können.

Promis dürften das schon längst erkannt haben, denn sie posieren seit geraumer Zeit mit ihren Fellnasen in den sozialen Medien. Nicht selten setzen sie damit Zuchtrassen betreffend Trends in Gang, bei denen ein Hund dann plötzlich auch mehrere tausend Euro kosten kann. So wie Paris Hilton, die als It-Girl mit ihrem Chihuahua Tinkerbell jahrelang einen fixen Platz in den Gesellschaftsspalten hatte.

Tinkerbell verstarb vor fünf Jahren, aber auch mit ihrem Nachfolger – einem Mix aus Zwergpudel und Husky – erweist sich Paris Hilton wieder als absolute Trendsetterin.

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Derzeit besonders begehrt sind laut Hundeexpertin Sporrer nämlich Pudelmischlinge, wie zum Beispiel der Golden Doodle (mit Golden Retriever), Labradoodle (mit Labrador) oder der Cockerpoo (mit Cocker Spaniel). Auch Wasserhunde, wie Bo, ehemaliger First Dog der Familie Obama, einer ist, seien stark im Kommen.

Die Orientierung an Trends habe laut Sporrer durchaus auch negative Seiten, „weil dann viele Züchter oder vermeintliche Züchter auf Ideen kommen, daraus Geld zu machen. Dann wird nicht mehr auf Wohl und Wesen der Hunde geachtet.“

Ein Problem sei heute, dass viele Hunderassen entweder irrsinnig groß oder winzig klein gezüchtet werden: mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Tiere. Beispiele für solche Extremzüchtungen sind riesige Doggen, die nur noch eine Lebenserwartung von vier Jahren haben oder sogenannte Tea Cup-Chihuahuas, die – wie der Name verrät –, in eine Teetasse passen. „Alles was in eine extreme Richtung geht, ist – wie immer im Leben – einfach nicht gesund“, sagt Sporrer. „Wenn ein Hund nur so groß ist wie die Pfote eines anderen Hundes, wie soll das dann in der Hundezone funktionieren? Hier ist ein Mittelmaß wichtig.“

Knuffige Accessoires

Die Beobachtung, dass Hunde in den vergangenen Jahren verstärkt zum Lifestyle-Objekt oder Accessoire geworden sind, teilt Sporrer: „Ich habe das Gefühl, dass es manchmal so weit geht, dass man sich den Jagdhund nimmt, weil der gut zum Land Rover passt. Ich hätte dagegen aber nichts, wenn man sich vorher damit beschäftigt, welche Anforderungen und Bedürfnisse diese Hunde haben.“

Auch die Obfrau des Österreichischen Beagle-Clubs sieht den derzeitigen Trend zum Hund mit gemischten Gefühlen. Alexandra Lehner-Piesinger aus Steyr: „Ich verstehe schon, dass man jetzt das Bedürfnis hat, mehr Zeit mit einem vierbeinigen Freund zu verbringen; weil einem durch Corona mehr Freizeit zur Verfügung steht. Allerdings haben wir Züchter auch große Bedenken.“ Schon früher kam es immer wieder vor, dass Menschen um Hunde vorstellig wurden, ohne sich groß Gedanken zu machen. Man erinnere sich nur an den Hype um Dalmatiner, den Mitte der 1990er-Jahre ein Spielfilm ausgelöst hat.

Es gibt kein anderes Tier, das einen Artfremden als noch wichtiger empfindet als einen Artgenossen.

Conny Sporrer

Conny Sporrer ruft in Erinnerung, wofür Hunde ursprünglich gedacht waren. Über Jahrhunderte wurden sie für spezielle Aufgaben gezüchtet – um zu jagen, zu wachen oder das Vieh auf der Weide zu hüten. Fähigkeiten, die nach wie vor in ihnen schlummern, aber nicht immer ausgelebt werden können. „Hunde sind heute leider oft ein Haufen ,Arbeitsloser’, die dann die gleichen Defizite zeigen, wie manche Menschen, die unbeschäftigt sind. Sie lassen sich Blödsinn einfallen. Das führt häufig dazu, dass Hunde anfangen, Jogger zu jagen oder Aggressionsverhalten zeigen.“

Mensch-Hund-Beziehung

Dass ihre Bedürfnisse oft zurückgestellt werden, beeinflusse die Mensch-Hunde-Beziehung. Faszinierend an dieser Verbindung sei, so Sporrer, dass Hunde den Menschen als vollwertigen Sozialpartner akzeptieren. „Es gibt kein anderes Tier, das einen Artfremden als noch wichtiger empfindet als einen Artgenossen.“ Das heißt, dass der Mensch für den Hund wichtiger geworden ist als andere Hunde auf der Hundewiese.

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