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freizeit Leben, Liebe & Sex
07/26/2020

Promis am Attersee: Eine Spurensuche

Seit 150 Jahren zieht der Attersee Künstler und Unternehmer in seinen Bann – auch Schlagerstar Helene Fischer soll Zeit im Salzkammergut verbringen.

von Julia Pfligl

Wir schreiben das Jahr 1901, ein heißer Sommertag in Wien. „Ich sehne mich hinaus wie noch nie“, notiert Gustav Klimt in einer Ansichtskarte an seine Liebste, die Modeschöpferin Emilie Flöge. „Hinaus“ meint nicht etwa Bad Ischl, wo sich die Hautevolee um die Jahrhundertwende erholte – sondern den Attersee, an dessen Nordufer die Flöge-Familie das Schloss Paulick bewohnte. Im Sommer zuvor war der Maler erstmals zu Besuch und verliebte sich in das türkisblaue Wasser, die frische Luft und die Ruhe, die den See vom K.-u.-k.-Hotspot unterschied. Die Se(e)hnsucht „hinaus“ sollte bis zu seinem Tod 1918 nicht verebben – und Klimt ein Pionier der oberösterreichischen See-Sommerfrische werden.

Geprotzt wird anderswo

Gut hundert Jahre später ist aus dem einstigen Geheimtipp, verkehrsgünstig zwischen Wien und München und idyllisch zwischen Mond- und Traunsee gelegen, einer der begehrtesten Flecken des Landes geworden: nicht nur für Urlauber, die hier das glasklare Salzkammergutwasser und die umliegenden Berge genießen, sondern vor allem für Prominente und Großindustrielle, die am größten Binnensee Österreichs luxuriöse (Zweit-)Residenzen besitzen. Nun soll der Promireigen am See um einen hochkarätigen Namenreicher sein: Seit Wochen wird gemunkelt, die deutsche Schlagerqueen Helene Fischer liebäugle mit einer Villa in Nußdorf – schon öfter wurde sie mit ihrem Freund Thomas Seitel rund um den See gesichtet, dessen Großeltern in Seewalchen wohnen. Offiziell will den spektakulären Zuzug freilich weder Fischer selbst noch die zuständige Gemeinde bestätigen.

Im Umgang mit großen Namen sind die Atterseer erprobt: Anders als am Wörthersee, dem Sommer-Mekka der feierfreudigen Austro-Schickeria, regieren an den oberösterreichischen Ufern Zurückhaltung und Diskretion. Geprotzt wird anderswo, auch touristisch gilt das Segelparadies als nicht überlaufen, Luxushotelburgen, Großevents oder abendliches Halligalli sucht man vergebens.  

„Die Atterseer und ihre Gäste leben hier unbeschwert und unaufgeregt“, erzählt Immobilien-Experte Walter Mairinger, der auf Liegenschaften am See spezialisiert ist. „Die Einheimischen sind es gewohnt, dass ein Bundespräsident, ein Minister oder ein sogenannter Prominenter beim Spazierengehen oder beim Gartenfest anzutreffen  ist. Wer nicht gesehen werden will, kann hier ungestört seine Freizeit genießen.“

Paradies ante portas

Es ist genau diese Unaufgeregtheit, die ORF-Moderator Ernst Hausleitner an seiner Wahlheimat schätzt. Mit seiner Frau Nina und dem dreijährigen Felix bewohnt er eine Mietwohnung auf einer Anhöhe bei Weyregg  – „kein Schloss“, wie er im Gespräch mit  der  lachend betont: „Wir sind nicht wegen der prominenten Nachbarn hier hergezogen, sondern wegen der Ruhe und der wunderbaren Gegend. Hier hast du alles vor der Haustüre“, verrät der Hobbysportler 

Hermann Maier, den wohl berühmtesten Attersee-Anrainer seit Klimt, bekommt er nicht oft zu Gesicht. Der Ex-Skistar genießt seinen Ruhestand  mit Freundin Carina und den drei Kindern abgeschirmt auf 4.000 Quadratmetern mit privatem Seezugang am Fuße des Höllengebirges im Süden.

Hier, am Südende wird es so richtig exklusiv – nahe dem Anwesen der italienischen Industriellenfamilie Perfetti inklusive Reithalle hat sich Flick-Tochter Elisabeth Auersperg-Breunner mit Mann und Kindern niedergelassen. „Ich wusste immer, ich möchte hier alt werden“, schwärmte die Milliardenerbin in der Welt.  Zwei Jahre dauerten die Renovierungsarbeiten am Turmschlösschen, das einst Maestro Karajan gehörte. Ein Blick aus der Vogelperspektive verrät: Der schlichte Hausname „Berghof“ wird der Opulenz des Refugiums nicht wirklich gerecht.

Andere Attersee-Anwesen sind schon seit Jahrzehnten im Familienbesitz: 1974 erwarb der Bauunternehmer Karl Leitl das Schloss Litzlberg auf einer privaten kleinen Insel vor Seewalchen um einen Schnäppchenpreis von 650.000 Euro. Heute gehört es seinem Sohn Christoph, dem ehemaligen Wirtschaftskammerpräsidenten, und dessen Geschwistern. Die Dressurreiterin und Unternehmertochter Sissy Max-Theurer wiederum verliebte sich Anfang der Neunzigerjahre in das renovierungsbedürftige, von Gustav Klimt mehrfach gemalte Schloss Kammer auf einer 21.000 Quadratmeter großen Halbinsel im Norden.

So „günstig“ wie damals kämen sie alle heute nicht mehr davon: Bauland am See, berichtet Walter Mairinger, kostet mittlerweile zwischen 3.500 und 10.000 Euro, Wohnungspreise in der ersten Reihe sind fünfstellig – alles pro Quadratmeter, versteht sich. In den vergangenen zehn Jahren hätten sich die Preise am See verdoppelt. Pro Jahr wechseln maximal zehn Seegrundstücke den Besitzer. Drei Viertel der Attersee-Ufer sind heute in Privatbesitz.  

Attersee am Attersee

Wenn der Maler Christian Ludwig Attersee – der seinen Künstlernamen als Hommage  wählte – heute mit seiner „Primavera“ über die türkisblaue Wasseroberfläche segelt, kommen gemischte Gefühle in ihm hoch:  „In meiner Jugendzeit war der Attersee an seinen Ufern oft noch unberührt, leider hat sich in den letzten sechzig Jahren ein Mischmasch von Architekturungeschicktheiten auf die Wiesen und Waldufer des Sees gesetzt“, sagt der bald 80-Jährige. 1947, als Siebenjähriger, verbrachte er erstmals einen Sommer am See, auf dem Hausboot seines Vaters, das dieser extra von seiner Heimat Pressburg an den Attersee bringen ließ. Im legendären Yachtclub entdeckte er seine Liebe zum Segeln, wurde später sogar dreifacher Staatsmeister. Und nicht nur das: „Ich habe dort in den 1950er-Jahren am Floß meines Vaters meine ersten Bilder gemalt.“ 

Ob Maler, Musiker, Schriftsteller – der Attersee bleibt eine Quelle der Inspiration. Gut möglich, dass hier schon bald der nächste  große Schlagerhit entsteht.

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