© Albertina, Wien / Bruno Engelbrecht

freizeit
03/13/2014

Prachtschau

Die Albertina präsentiert ihre Gründungsgeschichte: Sie erzählt von Herzog Albert und seiner Kunstsammlung – vielleicht der schönsten und erlesensten Europas.

von Werner Rosenberger

Wien verdankt Herzog Albert von Sachsen-Teschen (1738–1822), dem glücklosen Politiker und engagierten Kunstsammler, sein grafisches Kabinett, die "Albertina". In puncto Qualität und Schönheit gehört das Museum zur Weltspitze.

In einem halben Jahrhundert hat Albert mit größter Kennerschaft einzigartige Kunstschätze – die bedeutendsten Zeichnungen von Raffael, Michelangelo und Leonardo über Bruegel, Rembrandt und Rubens bis zu Caspar David Friedrich – erworben. Ebenso eifrig wie zielstrebig hat er auf eine umfassende Dokumentation der gesamten Kunstgeschichte hingesammelt.

Museumsdirektor Klaus Albrecht Schröder: "Ich hatte schon lange den Wunsch, die Gründungsgeschichte der Albertina in einer kulturhistorischen Ausstellung darzulegen im Umfeld des Ancien Régime und des Übergangs zur Aufklärung der nachrevolutionären Zeit."

Das Prunkservice des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen, 1779-1782

"Die Gründung der Albertina. Zwischen Dürer und Napoleon" vermittelt durch Gemälde, Veduten, Schmuck und prunkvolle Waffen die Pracht der Residenzstädte Wien und Dresden. Dokumentiert wird die Lebensspanne Herzog Alberts von Sachsen-Teschen (1738 - 1822) durch 400 Exponate: Sie führen den Besucher vom Zeitalter des höfischen Barock unter Maria Theresia und der Aufklärung über die Vormoderne und die Revolutionsjahre in Amerika und Europa bis zum biedermeierlichen Vormärz nach dem Wiener Kongress. Die Schau erlaubt den gleichzeitigen Blick ins feudale Leben der Sammlungsgründer und auf ihre Meisterwerke.

So zeigt "Die Gründung der Albertina. Zwischen Dürer und Napoleon" (bis 29. Juni) erstmals in einer Ausstellung rund 150 hochkarätige Meisterwerke aus der Sammlung Herzog Alberts. Der beauftragte 1774 den italienischen Aristokraten und Kunstkenner Giacomo Conte Durazzo, zuerst Diplomat in Wien, dann Direktor der Hofoper und schließlich Gesandter Österreichs in Venedig, eine Sammlung anzulegen. Am 4. Juli 1776 überreichte Durazzo dem Herzog in Venedig mehrere Tausend Blätter als Grundstock. Und der Sammler kaufte auch ganze Sammlungen, etwa jene des Prince de Ligne, "durch die wir die Werke von Michelangelo, Rubens und Raffael haben", so Schröder. Bis zu Alberts Tod 1822 umfasste die weltberühmte Kollektion rund 14.000 Zeichnungen und 200.000 druckgrafische Blätter vom 15. bis ins 19. Jahrhundert. Sie bildet bis heute den Kernbestand der Albertina – mit einer Million Kunstwerken eine der größten grafischen Sammlungen der Welt.

Aber Albert galt – ohne Thron und ohne Landbesitz – nach adeliger Diktion als mittellos. Erst durch die exorbitant hohe Mitgift und das Vermögen seiner Gemahlin Erzherzogin Marie Christine von Österreich – die Lieblingstochter von Kaiserin Maria Theresia durfte den Mann ihres Herzens heiraten – war die Passion des Fürsten finanzierbar. Erst dadurch und mit Hilfe eines europaweiten Netzwerkes von Händlern und Agenten war er in der Lage, sein quantitativ wie qualitativ hervorragendes Kabinett aufzubauen.

Marie Christine hatte eine Sonderstellung. Schröder: "Sie behielt nach ihrer Heirat sogar ihren Erzherzogin-Titel. Das war eine Ausnahme. Sie ist auf allen Doppelporträts auf der wichtigen rechten Seite abgebildet. Sie ist seine Goldgrube. Und hätte Albert nach ihrem Tod wieder geheiratet, hätte er ihr ganzes Vermögen verloren."

Sie erlebte die gravierenden Umwälzungen der napoleonischen Epoche durch ihren Tod im Jahre 1798 nur mehr peripher. Herzog Albert hingegen verbrachte die letzten 24 Jahre seines Lebens von der Öffentlichkeit weitgehend zurückgezogen in seinem 1802 prächtig ausgebauten Palais auf der Augustinerbastei, der heutigen Albertina, und widmete sich vor allem seiner Sammlung.

"Der Realismus eines Dürer stand ihm ebenso nahe wie die überirdische Schönheit einer Madonna von Raffael", sagt Schröder. "Das niedere Genre der calvinistischen Niederländer schätzte Albert nicht weniger als das hochbarocke Pathos der wunderbaren Kreidezeichnungen des Hauptmeisters der Gegenreformation, Peter Paul Rubens. Selbst in seiner eigenen Gegenwart entschied sich Herzog Albert sowohl für die Frivolität eines Fragonard wie auch für die puristisch-doktrinäre Klassik des Jacques-Louis David: Unter den späten Erwerbungen finden sich die atmosphärischen Lichtstimmungen des späten Rokoko eines von Molitor neben romantischen Hauptwerken von Caspar David Friedrich, die klassizistische Italianità eines Joseph Anton Koch neben dem frühen Realismus Jakob Alts."

In vier Räumen der Albertina werden die Meister Italiens, die Künstler der holländischen und flämischen Schule gezeigt, außerdem die deutsche Kunstlandschaft mit Dürer und Schongauer sowie die Maître Moderns, Alberts Zeitgenossen wie Jacques-Louis David, die ein Drittel seiner Sammlung ausmachen. "Er sammelte mit viel Gefühl und höchster Kennerschaft", so Schröder. "Wie mein Freund, der Kunsthistoriker Werner Hofmann, einmal sagte: Diesen Blick, den Albert auf die zeitgenössische Kunst hatte, einen so guten Griff möchten wir doch in unserer Direktion immer haben, dass wir von 100 ausgewählten Werken sagen können: Diese 100 halten auch."

Vier Jahre vor seinem Tod hat Albert mit Weitsicht verfügt, dass die Sammlung unveräußerlich und unteilbar immer an den Nachfolger und Universalerben geht, in seinem Fall an seinen Adoptivsohn Erzherzog Karl. Sie blieb so als Ganzes der Nachwelt erhalten.

Nicht mehr gezeigt werden kann heute die andere große und systematisch angelegte Sammlung Alberts: seine 25.000 Bände umfassende Bibliothek, die den Geist des den Idealen der Aufklärung verpflichteten Fürsten widerspiegelte. Sie wurde 1919 von Erzherzog Friedrich ins Exil nach Ungarn mitgenommen, wie die Ausstattung des Palais nach 1930 verkauft und damit in alle Winde zerstreut.

www.albertina.at

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