Eine graue Katze kuschelt sich in eine Decke.

Krebs bei Katzen: Neue Studie zeigt Ähnlichkeit zu Menschen

Der KURIER-Tiercoach erklärt, wie die Veterinärmedizin bei Diagnose und Therapie von der Humanmedizin profitiert – und umgekehrt.

Eine Genmutation, die bei Menschen für Mammakarzinome mit schlechter Überlebensprognose verantwortlich ist, verursacht bei Katzen rund die Hälfte aller Krebserkrankungen. Das hat ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Vetmeduni Wien kürzlich herausgefunden. 

Die Wissenschafter hatten gesunde und entartete Gewebeproben von 493 Katzen aus fünf Ländern analysiert und die deutliche Parallele entdeckt. Nun hoffen sie, dass klinische Studien zu Tumormedikamenten sowie zur individuellen Behandlung gleichzeitig Erkenntnisse für Mensch und Haustier bringen.

Krebs ist bei Katzen eine der häufigsten Todesursachen 

„Krebs ist eine der häufigsten Todesursachen bei Katzen“, heißt es in der Studie. Zoodoc Katharina Reitl kennt die Diagnose aus der Praxis. Der KURIER-Tiercoach weiß, welche Therapien zur Wahl stehen und wie Patienten am besten geholfen wird.

„Umgangssprachlich werden die Wörter Krebs und Tumor oft vermischt“, schickt Reitl voraus. Fachleute reden von einem Geschwulst, einer Umfangsvermehrung bzw. einer Neubildung (Neoplasie). Dabei kann die Gewebsneubildung gutartig oder bösartig sein. 

Jede Gewebeneubildung kann für Patienten gefährlich sein

Doch auch die benigne Vergrößerung richtet mitunter lebensbedrohlichen Schaden an. Drückt sie etwa auf andere Organe oder das Gehirn, ist der Patient in Gefahr. Abhängig von den betroffenen Zellen reichen die Symptome von Appetitlosigkeit über Blutungen bis zu Lahmheit.

„Jedes Organ setzt sich aus verschiedenen Zellarten zusammen. Der Histologe untersucht die Proben“, sagt die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn. Nicht nur die Ergebnisse aus dem Labor geben die Therapie vor. Vielmehr muss die Behandlung machbar sein. 

Der Patient muss mit den Belastungen einer Chemotherapie oder einer Bestrahlung fertig werden; beides findet unter Narkose statt. Eine chirurgische Entfernung wiederum ist nur möglich, wenn der Tumor klar abgegrenzt ist. Grunderkrankungen und Alter sind ebenfalls einzubeziehen. Nicht zuletzt muss die Therapie bezahlt werden.

„Der Onkologe, der Tierarzt des Vertrauens und der Katzenhalter müssen eng zusammenarbeiten“, betont Reitl. In vielen Fällen ist keine Heilung möglich. Der kostspielige Aufwand muss die Lebenszeit des erkrankten Vierbeiners bei guter Lebensqualität verlängern. 

Für Haustiere, die unter engmaschigen Kontrollen, Blutabnahmen und Aufenthalten auf der Intensivstation besonders leiden, sowie für Patienten, die nur wenige Monate gewinnen würden, können und müssen andere Lösungen im Sinn des Tierschutzes überlegt werden.

Die Studie zu den krebskranken Katzen jedenfalls gibt Hoffnung, dass die Präzisionsmedizin auch bei Vierbeinern vermehrt zum Einsatz kommt. Der KURIER-Tiercoach bestätigt: „Wir profitieren klar von der Forschung für die Humanmedizin.“

Hedwig Derka

Über Hedwig Derka

Hedwig Derka, geboren 1966 in Wien, seit 1996 Redakteurin beim KURIER. Spezialgebiet: Tiere. Lieblingsthemen: Wissenschaft und nutzloses Wissen. Lieblingsbeschäftigung außer Dienst: Meine kleine und große Familie. Noch Fragen? Interessante Geschichten? Nutzloses Wissen? eMail an mich: hedwig.derka@kurier.at

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