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freizeit
06/20/2014

Multimedia: Star der Woche

von Andreas Bovelino

„Wow!“, sagt Chuck D, der legendäre Public Emeny-Hip-Hopper, wenn’s um Kate Tempest geht, ihre Reime, ihren Flow, ihre Texte und die Musik. „Sie ist die Beste“, meinten vor zwei Jahren die Juroren des renommierten britischen Ted Hughes Award für Lyrik. Und so wurde Kate Tempest die erste Preisträgerin unter 40 Jahren, die jüngste aller Zeiten.

Dabei sah es lange Zeit gar nicht besonders gut aus für die 27-Jährige aus Brockley, dem toughen Süden Londons, die aussieht, wie das klassische „Girl next door“, die pummelige Babysitterin in englischen Kinofilmen...

Die Eltern Arbeiter mit Minimaleinkommen, die vier Geschwister schmeißen wie sie selbst die Schule lang vor den A-Levels. Kate hängt auf der Straße rum, arbeitet teilweise in einem Plattenladen.

Aber auch wenn sie die Schule abgebrochen hat – was ihr Englischlehrer ihr über Lyrik beigebracht hatte, vor allem, wie er sie ermutigte, sich selbst an erste Gedichte, niedergeschriebene Beobachtungen zu wagen, beeinflusste sie weiter. Mit 16 stand sie zum ersten Mal auf einer kleinen Open-Mic-Bühne und ließ mit roten Wangen und roten Locken die versammelten Slam-Poeten und Hip-Hop-Artists alt aussehen. Pure Wortgewalt. Das sprach sich in der Szene schnell rum, Billy Bragg, Scroobius Pip, Benjamin Zephaniah nahmen sie mit auf Tour, bevor sie 18 war kannte sie fast jeden Live-Club und praktisch jedes Festival in ganz Europa.

Es folgten Arbeiten für die BBC, Vorträge in Yale und am Goldsmith College London, ein preisgekrönter Lyrik-Band (Everything Speaks in its Own Way), ein preisgekröntes Theaterstück (Brand New Ancients). Demnächst will sie einen Roman schreiben, ihr neues Theaterstück „Hopelessly Devoted“ ist schon fertig. Dazwischen wird die junge Frau, die als ihre Einflüsse Virginia Wolf, Samuel Beckett, James Joyce, Yeats, Auden, William Blake und den Wu Tang Clan nennt, ihre erste CD veröffentlichen: Everybody Down. Ein Stück aus dem London, das sie so gut kennt, in zwölf Songs. Jede einzelne Episode so glasklar beobachtet und in Worte gefasst, dass es einem fast den Atem nimmt. Musikalisch steht sie dabei irgendwo zwischen dem frühen Mike Skinner und der noch viel früheren Anne Clark, wer die noch kennt.

Und ich freu mich auf alles, was ich von ihr noch hören, lesen oder sehen werde. Eine Frau, wie man sie nicht oft findet.

Die CDs

Album der Woche

Ava Gardner, die späte Marilyn Monroe, Jackie O – das sind die Traumfrauen, die Del Rey seit einigen Jahren beschwört. Männer, die sie wie lästige Motten umschwirren, lassen sie einige Zeit lang gewähren, um sich ihrer dann mit einer nachlässigen Handbewegung zu entledigen. Manche amüsieren sie sogar eine Zeit lang, ihre Sehnsucht gilt aber ganz anderen. Die melancholische Magie, die sie umgibt, wird aus ihrem Wissen genährt, dass die eigenen dunklen Obsessionen und Geheimnisse sie früher oder später zugrunde richten werden. Lana Del Rey ist eine von ihnen, egal, ob in der Rolle der Hure, der cleanen Ivy-League Shönheit, der Femme fatale oder gar von Eva selbst, wie in ihrem großartigen Kurzfilm Tropico. Diese, von Dan Auerbach (Black Keys) produzierte CD lässt die dazu passende, schwüle Südstaatenatmosphäre beinahe physisch spürbar werden, mit den traurigen Surfgitarren eines Chris Isaak, und wunderbaren Songs wie West Coast, Cruel World, Pretty When You Cry oder dem Titelsong. Groß. (Universal)

Bovelinos Playlist

BLOOD ORANGE: You’re Not Good EnoughDev Hynes im weißen Disco-Anzug. Allerbester freaky Retro-Dance.


WILL.i.AM FEAT. MILEY CYRUS: Feelin’ Myself – Meine weekly Dosis Myley. Mein Dank für diesen Tipp geht an den DJ meines Vertrauens: Mr. Cay Taylan!

JESSIE WARE: Tough Love – Endlich ein neuer Track meiner Elektrosoul-Göttin. Großartig, eh klar.

BEN KHAN: Youth – "Whoo ... Yeah!" Bist du deppert, was für ein perfekter Popsong. Und was für eine lässige Gitarre!

THE WAR ON DRUGS: Red Eyes – Und weil wir grad bei
Gitarren sind: Das gibt’s doch nicht, dass ihr mir den Song immer durchfallen lasst. Vielleicht live?

SYLVAN ESSO: Hey Mami – Vom folky A-Capella-Westafrika-Groove zum Dubstep-Hammer. Einfach grandios..

KATE TEMPEST: Marshall Law – Ein weiblicher Mike Skinner? Beim schnellen Hinhören vielleicht. Aber die Londonerin ist eine Poetin, vor allem eine echte, starke Erzählerin. Dan Carey (M.I.A., Bat For Lashes, Hot Chip) sorgt für die passenden Elektrosounds zu ihren Geschichten.

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