© Kurier/Gerhard Deutsch

freizeit
08/15/2021

Popstar Josh. sagt: „Vielen Dank, Cordula!“

Er hat's schon wieder gemacht! Josh meldet sich mit einem Sommer-Hit zurück. Ein Gespräch über rote Anzüge, grüne Puppen, Porsches und den Druck des Erfolgs.

von Andreas Bovelino

Endlich wieder Interviews, bei denen man einander tatsächlich gegenüber sitzt, endlich wieder Livekonzerte mit echten Zuschauern – Josh. wirkt entspannt, als wir über den Wiener Naschmarkt schlendern. Was wohl auch am Erfolg der aktuellen CD „Teilzeitromantik“ liegen dürfte, die sich seit Wochen in den Top 10 der Charts hält, während die Single "Expresso & Tschianti" sich zum astreinen Sommer-Hit entwickelt.

Es ist sein zweites Album nach dem überaus erfolgreichen „Von Mädchen und Farben“, also genau DAS Nachfolge-Album, von dem es immer heißt, es sei das schwierigste. Vor allem, wenn auf der ersten Scheibe ein Song wie „Cordula Grün“ war, der den Wiener Musiker quasi über Nacht nicht nur in Österreich, sondern im gesamten deutschsprachigen Raum berühmt gemacht hat.

"freizeit": Gratulation zum neuen Hit und zum wirklich gelungenen Album. Wie schwierig war diese Aufgabe für dich?

Josh.: Vielen Dank! Ich bin selbst sehr glücklich mit der neuen CD. Wir hatten produktionstechnisch viel mehr Möglichkeiten als bei der ersten, und die Arbeit war eine richtige Freude. Wirklich schwierig war, dass wir nicht wussten, wie die Songs live funktionieren, weil’s ja eineinhalb Jahre praktisch keine Auftrittsmöglichkeiten gab. Und auch wenn man sieht, dass ein Song auf Youtube gut läuft, hilft das nur bedingt. Denn auch zwei Millionen Klicks vermitteln keine Emotionen. Aber wenn du hörst, wie bei einem Livekonzert zweihundert oder zweitausend Menschen die Texte deiner Songs mitsingen – das ist dann genau die Bestätigung, die einem jetzt schon so lange gefehlt hat.

 

Das klingt sehr positiv. Aber wie ist es eigentlich nach so einem Mega-Hit wie „Cordula Grün“ gleich zum Auftakt? Ist das nicht auch eine Belastung?
Das zweite Album ist immer etwas schwieriger als das erste, auch weil man selbst höhere Ansprüche setzt. Aber ich glaube, wenn du bekannt wirst mit, sagen wir mal „nur“ einer Goldenen, dann hast du's noch wesentlich schwerer. Weil dann MUSST du beim nächsten Mal wieder eine Goldene machen, sonst bist du weg, egal, wie gut dein Song war. Du bist nicht nachhaltig bekannt und hast auch kaum ökonomischen Spielraum. Wenn dein erster Song aber Doppel-Platin macht, gecovert wird, in TV-Shows gespielt wird, ist das ein anderes Level. Und ermöglicht dir, mit großer Freiheit an die nächsten Aufgaben zu gehen.

Aber steigt mit diesem Erfolg nicht auch der Druck?
Eigentlich nicht. Weil dir ja klar ist, dass es durchaus sein kann, dass man einen derartigen Erfolg nur einmal im Leben hat. Das ist ja auch nicht schlimm, solange der Zuspruch zu den anderen Songs weiter stimmt. Und da öffnet eben so ein richtig großer Hit die Türen zu den Hörern. Die zweite Single „Vielleicht“ brachte Gold, „Wo bist du?“ lief auch richtig gut, und gerade ist „Expresso & Tschianti“ in den Charts. Ich kann also nur sagen: „Vielen Dank, Cordula!“

Nervt es nicht trotzdem, immer wieder mit einem Song in Verbindung gebracht zu werden, ihn jedes Mal live spielen zu müssen?
Nein, überhaupt nicht. Wie gesagt, ich hab der guten Cordula viel zu verdanken und wenn die Leut den Song auch nach drei Jahren noch hören wollen, freu ich mich und spiel ihn gern. Wenn sie NUR diesen einen Song hören wollten, wäre es ein Problem, aber dann würden sie wohl kein Ticket für ein ganzes Konzert kaufen. Und ich hab wahrscheinlich mindestens einen Porsche abgesagt, genau UM NICHT auf diesen einen Song reduziert zu werden.

Wie darf ich das verstehen?
Du bekommst erstaunlich viel Geld, wenn du auf den Party-Inseln wie Mallorca oder in Großraumdiscos hier und in Deutschland zu Playback deinen Hit singst. Du brauchst nichts als einen Datenstick auf dem die Musik ist, dann machst im roten Anzug mit einer grünen Puppe deine Show, steckst die fette Gage ein und bist wieder weg. Alle diese Angebote hab ich abgesagt und bin stattdessen mit der Band im kleinen Bus nach Südtirol und Bayern und überall hingefahren, um eher schlecht bezahlte Livekonzerte zu spielen.

Die harte Tour?
Genau, Musikerleben eben. Und genau so lernst du den Erfolg zu schätzen. Wenn aus 100 Zuschauern 200 werden, dann 500, 1000 ... Wenn sie wegen deiner Musik kommen, nicht wegen einem Song, den sie auf irgendeiner Party gehört haben.

Ein Grund für den Erfolg deiner Songs ist die Tatsache, dass man sich selbst sehr leicht in ihnen wiederfindet. Teilweise sind sie wie aufs Äußerste komprimierte Kurzgeschichten. Wie wichtig ist dir die Story zum Song?
Sehr wichtig. Die Charaktere sind mir nah, manchmal ändere ich noch im Studio einen Satz, eine Betonung, weil ich mir denk: „Nein, der würde das so nicht sagen. Das ist nicht, was er fühlt!“ Ich habe zu vielen Figuren sogar komplette Backstorys, also Einzelheiten, die überhaupt nicht im Text vorkommen. Über die Vergangenheit der Personen, ihre Hobbys, was sie mögen oder nicht mögen, wovon sie träumen ...

Als Autor musst du dann aber natürlich auch damit leben, dass man dich direkt mit deinen Storys in Beziehung bringt. Wie autobiografisch sind deine Songs?
Na ja, doch einigermaßen.

Dann hattest du schon mal eine Fernbeziehung wie in „Wo du wohnst“?
Äh, ... ja.

Und du hast schon eine Beziehung vergeigt wie in „Wo bist du?“?
Ja, aber das ist echt schon lange her!

Und du bist so ein Womanizer wie in „Ring in der Hand“?
Sagen wir einmal so: Ich wusste schon, wie man Party macht. Aber das Wichtigere an dem Song ist ja die Sache, dass das alles vorbei ist, weil endlich die Richtige aufgetaucht ist. Und das stimmt auch, ich bin in einer echt glücklichen Beziehung.

Du verarbeitest also deine Erlebnisse, deine Gefühle direkt zu neuen Songs?
Nicht so direkt, nein. Ich habe für mich herausgefunden, dass es besser ist, über Dinge zu schreiben, über Gefühle, wenn genügend Zeit vergangen ist, wenn man die Emotionen und Schmerzen verarbeitet hat. Sonst, so voll im Schmerz, wird's schnell mal ein bisschen arg weinerlich.

Das erinnert mich an die legendäre Fado-Diva Misia, die einmal gesagt hat, der für sie wichtigste Satz, den ihre Lehrerin ihr als junge Sängerin gesagt hat, war: „Zeig ihnen nicht deine Wunden, zeig ihnen deine Narben.“
Das klingt nach einer fundamentalen Wahrheit.

Wenn’s aber ums Glück geht, wie in „Ring in der Hand“, ist das etwas anderes, oder?
Auf jeden Fall. Jemanden an seiner Freude teilhaben zu lassen, ist einfach ein herrliches Gefühl.

Du hast ja auch was Richtiges gelernt, Klassik, Jazz hast du sogar studiert.
(lacht) Stimmt! Und ich mag Jazz immer noch sehr gern.

Wieso machst du keinen mehr?
Jazz hat eine große Kraft, und ich höre sehr gerne alles von Gypsy-Swing über Miles Davis bis zu Aufnahmen, die jemandem, der sich nicht damit beschäftigt, eher anstrengend erscheinen mögen. Aber wenn's darum geht, was ich selbst machen will, wurde mir während des Studiums klar, dass ich ein absoluter Melodie-Junkie bin. Das stieß dann auf Unverständnis bei den Kumpels am Konservatorium, die meinten: „Was, in der zweiten Strophe willst schon wieder dieselben Akkorde spielen?!“

Aber tatsächlich bist du nicht nur Sänger oder Liedermacher mit Wanderklampfe, du könntest dich auf der Bühne auch ordentlich weggeigen?
Ja, könnte ich schon. Jetzt nicht mehr so arg, weil mir ein bissl die Übung fehlt. Aber wir spielen schon manchmal mit drei Gitarren – und geben live ein bissl Gas. Und beim Soundcheck spielen wir immer eine John-Mayer-Nummer. Der ist für mich einer der wirklich ganz, ganz großen Gitarreros, Songwriter und Musiker.

Du warst schon Anfang 30, als du mit Cordula durchgestartet bist. Hat dir das geholfen, um trotz Mega-Hype auf dem Boden zu bleiben?
(lacht) Weiß nicht, kann sein, dass man in dem Alter nicht mehr so leichtsinnig ist, und sich ums Geld des ersten Plattenvertrages gleich ein supergeiles Auto kauft. Auf jeden Fall denkt man langfristiger, weil man halt mehr Erfahrung hat, weil man eben auch schon länger Musik macht und weiß, wie es ist, keinen oder nur überschaubaren Erfolg zu haben.

Du warst auch schon länger im Geschäft, bevor du die große Aufmerksamkeit auf dich gezogen hast. Mit Kathi Kallauch gibt’s einen sehr lässigen älteren Titel von dir: „Kein Sommer für einen allein“
Ja, da gibt’s einiges. Manches gut, manches weniger. „Kein Sommer“ gefällt mir selbst noch immer, den spielen wir auch heute noch live. Es ist eben so, dass der Erfolg immer scheinbar über Nacht kommt. Aber halt nur scheinbar, weil kaum jemand sich für die Zeit davor interessiert. Nur wäre man ohne diese Zeit nicht da, wo man eben ist.

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