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freizeit
10/26/2019

Instagram-Star Sophie Forster: "Ich gebe viel von mir preis"

Von Followern leben? Sophie Forster kann's. Doch was macht die 28-Jährige Influencerin mit dem Wirtschaftsstudium eigentlich genau?

von Barbara Reiter

Eine schicke Altbauwohnung in Wien-Mariahilf. Sophie Forster öffnet die Tür – mit Highlighter an den richtigen Stellen und Nagellack farblich abgestimmt auf ihren hippen Pulli. Sie bittet uns in ihren „open workspace“, ein offenes Bürokonzept, wie es dem Zeitgeist entspricht. Mehrere Unternehmer – in diesem Fall die Jungs einer Videoproduktion und die Influencerinnen Vicky Heiler und Sophie Forster – teilen sich ein Büro. Influencerinnen? Menschen, die sich in allen Lebenslagen professionell im Internet zeigen und dafür Geld bekommen. Dahinter verbirgt sich oft Oberflächlichkeit, vielleicht aber auch nicht.

Sophie, ist Influencerin wirklich ein Traumberuf?

Hmmm (denkt nach). Für mich ist es mein Traumberuf, weil ich es gerne mache und der Job für mich passt. Vielleicht glauben viele Leute, es ist auch ein Traumberuf für sie. Wenn sie aber wüssten, was dahintersteckt, würde es ihnen vielleicht nicht so taugen. Man muss für sich entscheiden, ob man sein Leben teilen will oder nicht. Weil im Endeffekt ist es das. Ich gebe schon sehr viel von mir preis. Das muss man wollen.

Influencer bedeutet  übersetzt, dass du jemand oder etwas beeinflusst. Wer oder was ist damit gemeint?

Einerseits bespiele ich meine Kanäle von Instagram bis zu meinem Blog mit Content, andererseits geht es um viel Organisatorisches. Man muss mit Kunden umgehen und verhandeln können, Fotograf bin ich auch noch nebenbei. Aber es macht Spaß.

Social Media von Instagram bis YouTube ist virtuell. Sehnst du dich ab und zu nach echtem Leben, das greifbar ist?

Es wird T-Shirts und Pullis von mir geben. Aber ich weiß nicht, ob das eine Sehnsucht ist. Ich würde es als andere Form der Entfaltung beschreiben. Mir geht es weniger um ein Produkt, das man angreifen kann, viel mehr um eine Idee, die man weiterentwickelt. Es hört sich blöd an, aber die virtuelle Welt ist mein Job.

Wie war die Reaktion deiner Eltern, als du ihnen vor einigen Jahren erklärt hast, dass du „Influencerin“ bist?

Das hat sich entwickelt. Ich habe erklärt, was ich mache und mittlerweile verstehen sie es. Aber es ist schwierig, vor allem für meine Großeltern, die vom Thema sehr weit weg sind. Ich versuche es vereinfacht darzustellen und sage, dass ich mein Geld mit Werbung im Internet verdiene. Wenn ich ihnen aber erzähle, dass ein Interview mit mir in einem Print-Magazin erscheint, haben sie natürlich eine bessere Vorstellung. Das können sie sich anschauen. Mein Beruf ist sicher für viele nicht leicht zu verstehen.

Stört dich das?  

Nein. Ich versuche, Aufklärung zu betreiben und zu zeigen, wie viel Arbeit hinter dem Ganzen steckt. Viele Leute glauben halt, die macht Halligalli, geht auf irgendwelche Events und fotografiert ein bissi. Dass mehr dazu gehört, versuche ich  auf meinen Accounts zu zeigen. Ich will das „real life“ dahinter sichtbar machen.

Wie würdest du deinen Großeltern den Ablauf einer Influencer-Woche schildern?

Die letzte Woche habe ich mit vielen E-Mails  verbracht. Dazu kommt Contentproduktion wie Bilder machen und Texte schreiben und Verhandlungen führen. Ich war auf zwei Events, was voll cool ist. Aber man darf nicht vergessen: Das ist Arbeit! Man kann ein Event nicht zu 100 Prozent wie ein privater Mensch genießen. Es geht nicht um ein Gratis-Buffet oder ‚bottomless‘ Drinks, die man konsumiert – was ich sowieso nicht mache, Ich muss ja Storys aufbereiten. Man schüttelt das nicht so aus dem Ärmel.

Warum engagiert dich ein Unternehmen? Sind es deine Follower, die Likes oder beides zusammen?

Schwer zu sagen. Es kommt drauf an, wer mit dir arbeiten will, aber auch, um welches  Produkt es geht. Wenn ein Unternehmen zum Beispiel glutenfreies Brot bewerben will, wird es nach Influencern suchen, die  glutenfrei leben. Solche Leute haben vielleicht nicht 35.000 Follower wie ich, aber sie haben genau die 7.000, die für die Marke interessant sind.   

Man könnte aber auch jemanden mit 100.000 Followern nehmen. Vielleicht sind da mehr als 7.000 darunter, die glutenfrei leben.

Je mehr Follower Influencer haben, desto größer sind auch die Streuverluste. Es kann sein, dass jemand gebucht wird, weil man mit einer Marke nur Österreicher erreichen will. Da muss man vorher abschätzen, wie viele von den angenommen 100.000 Followern überhaupt aus Österreich kommen.

Was, wenn ein Foto nicht so ankommt, wie von einem Unternehmen erhofft?

Wenn ein Foto weniger Likes bekommt, ist es blöd, aber im Endeffekt kann ich nichts machen. Ich glaube aber, dass Firmen  mittlerweile wissen, dass sich Instagram ständig ändert und man nie zu 100 Prozent eine Prognose abgeben kann. Ich habe noch nie aufgrund von zu wenig Likes erlebt, dass mich jemand nicht bezahlen wollte.

Instagram ist offenbar eine Wissenschaft, die man nicht leicht durchschaut.

Es steckt ein Algorithmus dahinter, der entscheidet, ob ein Foto gut sichtbar ist oder nicht.  Das  ist nicht leicht zu verstehen,  man muss viel ausprobieren.  Es gibt auch keine allgemein gültigen Regeln wie, wann es am besten ist,  Fotos zu posten. Einmal bekommt man mehr Likes, einmal weniger. Es kommt eher auf den Content an als auf den Zeitpunkt.

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Die vielen Gesichter der Sophie Forster auf Instagram...

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... Kreativität ist das Allerwichtigste ...

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... um Lust auf Produkte zu machen ...

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... oder Mode ...

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... oder Urlaub ...

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... oder Kaffee mit dem Freund, selbt ein Influencer

Apropos Zeit: Wie viele Stunden verbringst du mit Laptop und Computer?

Das kann ich nicht genau sagen. Jedenfalls mehr als acht Stunden pro Tag und mehr als fünf Tage pro Woche.

In deinem Podcast, einer Radiosendung im Internet, hast du zuletzt das Thema Handysucht behandelt. Kennst du das?

Ja, ich bin sehr süchtig und merke, wie oft ich mich in Social Media verliere. Es ist so einfach, sich damit abzulenken, wenn man eigentlich etwas ganz anderes machen sollte. Da ist jeder gefährdet, egal ob Influencer oder nicht. Aber natürlich betrifft es uns durch den Job mehr.

Du hast Internationale Betriebswirtschaftslehre studiert.  Brauchst du das für deinen Beruf überhaupt?

Ich brauche es nicht unbedingt für Instagram, aber für „behind the scenes“ wie Angebote und Rechnungen schreiben oder Buchhaltung machen. Ich hab' im Studium auch alles gelernt, was man für die Unternehmensgründung braucht. Wenn man damit nichts am Hut hat, ist das am Anfang noch überfordernder als es für mich manchmal schon war. Unternehmensführung läuft nicht unter dem Motto „Lustig Tralala“. Ich bin froh über mein Vorwissen.

Es gibt auch Studiengänge für Social Media. Was hältst du davon?

Ich habe mich bei IBWL auf Marketing-Management spezialisiert. Da war  Social Media mit den Basics dabei. Es hat mir für Instagram aber  nicht viel gebracht. In der Social-Media-Welt ändert sich gefühlt alle paar Minuten alles. So schnell kann man in einem Kurs darauf  gar nicht eingehen.

Wenn sich jemand beim Lesen denkt: „Ich  schau mir mal an, was Sophie so macht“: Lifestyle von Essen bis Mode trifft es, oder?

In erster Linie zeige ich die echte Sophie und da gehört Essen, Sport, Mode und viel mehr dazu. Mir ist am wichtigsten, dass mein Content authentisch ist und die Leute mich kennenlernen. Es geht mir aber auch um eine Message: Man soll sich mit sich selbst wohlfühlen. Es geht um Themen, die viele Mädels oder Frauen in meinem Alter betreffen. Dinge, mit denen man  kämpft, wenn man erwachsen wird. Ich finde, man darf Schwäche zeigen.

Macht Schwäche nicht angreifbar?

Zum Glück bin ich mit einer positiven Community gesegnet. Ich kriege selten negatives Feedback. Falls doch, muss ich damit umgehen können, weil ich mein Leben ja nach außen trage.

Woher weißt du überhaupt, was die Menschen von dir sehen wollen? Ich poste oft nicht, weil ich mir denke: Wen soll das bitte interessieren?

Das ist schwierig einzuschätzen. Ich teile verschiedene Sachen. Einmal  mein Frühstück, einmal wenn ich sudere, weil ich am Freitag meine Buchhaltung nicht machen will. Man bekommt ein Gefühl dafür, was man ‚shared‘ und was nicht.

Kannst du dir vorstellen, in zehn Jahren immer noch Influencerin zu sein oder ist das nur ein Beruf  für Ü40?

Gar nicht mal so. Ich  habe eine kleine Schwester, die jetzt 15 ist. Sie ist nicht so viel auf Instagram, sondern mehr auf „TikTok“ und „Snapchat“. Es kommt immer wieder was Neues nach. Instagram ist etwas für Menschen ab 20 aufwärts, würde ich sagen.

Also doch:Instagram forever‘ vielleicht?

Schwierig zu sagen, ob ich mit 39 mein Leben noch teilen will und das für Unternehmen und Follower noch interessant ist. Aber zumindest meine Follower werden ja mit mir älter.

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