MICHELLE, 42: Die Ex von Matthias Reim weiß, was sie zu bieten hat. Und zeigt es auch gern. Seit ihrem Erfolgsalbum „Leben!“ (2005) stocken die Verkaufszahlen allerdings. Sex-Faktor: ♥♥♥♥♥

© Vincent Peters

freizeit
11/06/2014

Sexbombs

Brav und bieder war gestern – Schlagerstars zeigen sich heute so scharf wie nie. Wir vergeben Herzen für die sexiesten Sängerinnen und beleuchten die Erfolgsgeschichte der „Melodien für Millionen“.

von Andreas Bovelino

Zauberworte im Kerzenschein ... du wirst meine Prinzessin sein ... Komm, nimm meine Hand und geh mit mir...“ Die Welt ist schön, prinzipiell zumindest. Und dreht sich um die Liebe, worum denn sonst? Egal, ob sie wie „Wasser ist, das sich durch Felsen zwängt“, oder „wie ein Messer, das dir im Herzen brennt“. Aber schon an diesen kurzen Textproben des deutschen Superstars Helene Fischer erkennen wir, dass die Welt halt leider nicht mehr ganz so heil ist wie noch vor zehn Jahren.


HELENE FISCHER, 30

Die „Queen of Schlager“ verkaufte von ihrer letzten CD satte 1,7 Mio Stück. Flasht mit Charme, quasi die Beyoncé Deutschlands.

Sex-Faktor: ♥♥♥♥♥♥

Damals konnte der versierte Schlagerfreund bis zu sieben Tage die Woche seine Lieblingsmusik im Fernsehen sehen. Von „Willkommen bei Carmen Nebel“ bis zum „großen Sommer Open-Air“ – mehr als 150 Sendungen wurden pro Jahr produziert, mit sämtlichen Wiederholungen gab das ein flächendeckendes Programm. Denn mit dem Schlager und seiner apfelbäckigen Schwester, der volkstümlichen Musik, ließ sich mehr als drei Jahrzehnte ganz wunderbar Quote machen. Und jetzt? Hansi Hinterseer musste die TV-Moonboots an den Nagel hängen, die „lustigen Musikanten“ spielen ohne Kameras, vielleicht blasen sie ja auch Trübsal, wer weiß. Marianne und Michael haben mit der „Weihnachtsgala“ nicht nur ihre letzte Fernsehshow verloren, auf ihrer Live-Tournee verirrten sich gerade mal 600 Zuschauer in die Europahalle von Trier.

Die Zeiten werden rauer, auch fürs Genre „Schlager & volkstümliche Musik“, das lange Zeit als unverwüstliche Cashcow der zunehmend maroden Musikindustrie galt. Und was passiert erfahrungsgemäß in Krisenzeiten? Genau, die Röcke werden kürzer. Oder eben die Lederhosen enger, wie bei Andreas Gabalier, der Land und Lust hüftschwingend miteinander verbindet. Der Erfolg gibt ihm Recht – und seinen Schwestern im Geiste sowieso. Denn Andrea Berg & Co haben die Zeichen der Zeit schon vor einigen Jahren erkannt. Ihr Motto: Schluss mit brav und Blumenwiese – Schlager ist sexy. Ein Rezept, mit dem sie der Krise trotzen und weiterhin ganz oben in den deutschen und österreichischen Charts vertreten sind. Wir vergeben virtuelle Blumen für die schärfsten Schlagerstars.

Erfolg mit Schubidu

Helene Fischer an der Spitze der Charts, vor internationalen Superstars wie Beyoncé, Lady Gaga & Co. Der Erfolg von Schlagerinterpreten über- rascht immer wieder – ist aber kein Phänomen unserer Zeit. In den 1950er- und 1960er-Jahren feierte der Wiener Freddy Quinn als Hamburger Seemann wahre Triumphe – erst die Beatles konnten ihm seine Chart-Dominanz streitig machen. Und sangen ihrerseits brav einige Hits auf Deutsch („Komm gib mir deine Hand!“), wie's vor ihnen ja auch schon Elvis Presley durchaus volkstümlich getan hat („Muss i denn zum Städtele hinaus“). Bis in die 1970er hatte Peter Alexander einen Stammplatz auf den vordersten Rängen der Hitparaden. Unter seinen größten Konkurrenten waren damals Slavko Avseniks Original Oberkrainer, die in diesem Jahrzehnt mehr Tonträger verkauften als die Rolling Stones. Dazu: ein Bielefelder Cowboy und Trucker namens Gunter Gabriel, Waterloo & Robinson, Klaus & Ferdl oder die holländische George Baker Selection, die mit „Paloma Blanca“ einen volkstümlichen Welthit geschrieben haben, der noch heute in Bierzelten, Turnsälen, Messe- und Stadthallen für Stimmung sorgt. Genau in diesem Eck positionierten sich wenig später übrigens Dieter BohlensModern Talking“. Im deutschsprachigen Segment waren Matthias Reim, Jürgen Drews und Guildo Horn Helden der 80er und 90er, die sich erbitterte Chart-Gefechte mit den Zillertaler Schürzenjägern und den Kastelruther Spatzen lieferten. Und dass Schlager keinesfalls ein österreichisch/deutsches Phänomen ist, zeigt die Königin des Genres, Helene Fischer: In ihrem Programm singt sie auch Hits von amerikanischen Volksmusik- und Schlagerstars, wie Jon Bon Jovi zum Beispiel ...

Alles Schlager, oder was?

Auch wenn die Ähnlichkeit zum englischen "Hit" eine frappierende ist: Der Schlager wurde in Wien erfunden. Im 19. Jh. wurden damit Operettenmelodien bezeichnet, die sich in der Bevölkerung mit durchschlagendem Erfolg, schnell wie ein Blitzschlag verbreiten. Von Wien aus verbreitete sich die Bezeichnung im ganzen deutschsprachigen Raum - und sogar nach England. Auch im Englischen existiert das Wort "Schlager". Gemeint wird damit leichtverdauliche Popmusik aus Europa, vor allem den Beneluxstaaten, Skandinavien, Deutschland, Österreich und aus den Balkanländern. Wobei die Engländer selbst dem Schlager auch nicht in allen Lebenslagen so fern sind, wie sie vielleicht glauben mögen. Eine Definitionsfrage...

Denn die Sache mit dem blitzartig schnellen und umfassenden Erfolg funktioniert natürlich umso besser, je eingängiger das Musikstück ist. Das ist heute genauso wie früher. Anders gesagt: "Der Schlager appelliert an die einfachsten Hörgewohnheiten", wie's der DTV-Atlas Musik definiert. "Populär ist, was uns an etwas Bekanntes erinnert. Mit Neuem, Ungewöhnlichem, breiten Erfolg zu haben, ist sehr, sehr schwierig", sagt der renommierte österreichische Musikwissenschaftler Walter Deutsch. "Vieles, was da heute gesungen wird, ist natürlich auch sehr sentimental, aber das ist es schon seit Jahrhunderten. Und Kitsch ist an sich ja nichts Schlechtes."

Nur die Vermischung der volkstümlichen mit der Volksmusik sieht der Ehrenpräsident des Österreichischen Volksliedwerks gar nicht gern: "Die heute so erfolgreiche volkstümliche Musik hat mit Volksmusik nichts zu tun. Ihre Tradition liegt im Schlager der 1940er-Jahre. Die Melodien sind praktisch gleich, statt Geigen werden Ziehharmonikas oder Synthesizer verwendet, die an Zieharmonikas erinnern. Wie gesagt, die melodische Kontinuität ist ja ein Erfolgsrezept des Schlagers."

Womit wir bei einem Phänomen wären, das die USA mit Österreich verbindet. Da wie dort ist die Verbindung zwischen volkstümlicher Musik - oder eben Country - und Schlager frappierend. Und erfolgrich. Schlager in Lederhosen - oder mit Cowboyhut und Fransenjacke. Es ändert sich nur die Ausstattung, der Inhalt bleibt weitgehend gleich.

Andrea Berg, 48

Die gelernte Arzthelferin aus Krefeld brachte als Erste ein wenig „50 Shades of Grey“-Feeling in die Schlagerstuben. Mehr als 13 Mio verkaufte CDs geben ihr wohl Recht. In Sachen Erotik könnt’ ein bissl weniger, aber auch mehr sein ...

Sex-Faktor: ♥♥♥

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