© Peter C. Huber

freizeit
10/28/2014

Hallowien

Die passende Lektüre für dunkle Stunden: Ein neues Buch begibt sich auf die Spur der gruseligsten Spukstätten von Wien – vom Würstelstand bis zur Hofburg.

von Bernhard Praschl

Ihr Lächeln ist ehrlich, der Blick offen. Gabriele Lukacs wirkt nicht gerade so, als fühle sie sich an dunklen Orten zu Hause. Dabei weiß die Wiener Stadtführerin genau, wo zwischen der City und Meidling der Hauch des Todes besonders heftig wehte. Seit Jahren führt die Spezialistin für Schauriges einschlägig Interessierte zu Stätten lokaler Untaten. Rechtzeitig zu Halloween erscheint nun mit „Gruselhäuser. Ein Blick in die Abgründe von Wien“ ein neues Buch, in dem die Chronistin des Schreckens die Tatorte spektakulärer Moritaten auflistet – von der Wirkstätte der legendären „Blutgräfin“ über den „Würstelmann-Mord“ bis zu den Kellerleichen im Salon der „Eislady“ Estibaliz C.

„Mord und Totschlag“, ist die Wiener Gruselexpertin Gabriele Lukacs überzeugt, „sind im Gedächtnis der Mauern gespeichert.“

Am gruseligsten, so Gabriele Lukacs, empfinden ihre Gäste die Geschichte der „Blutgräfin“ Elisabeth Báthory-Nádasdy (1560–1614), der wohl grausamsten Serienmörderin aller Zeiten. Mehr als 600 junge Mädchen soll sie auf dem Gewissen haben. Viele davon soll die ungarische Gräfin mit der damals wie heute noblen Wohnadresse Augustinerstraße 12 in Wien ermordet haben. Der barocken Hausfassade ist das zwar nicht anzusehen, aber mit ein wenig Fantasie werden hier längst vergangene Horrorszenarien wach. Das grausame Wirken der Serienkillerin von anno dazumal inspirierte angeblich nicht nur „Dracula“-Schöpfer Bram Stoker und den Autor Leopold von Sacher-Masoch, sondern auch Metal-Bands wie Venom, die Macher des Videospiels „Diablo 2“ und die Schauspielerin Julie Delpy, die der mordlustigen Aristokratin vor fünf Jahren mit dem Historiendrama „Die Gräfin“ ein filmisches Denkmal gesetzt hat.

Bei ihren Recherchen zu den mysteriösen Schattenseiten der Stadt zeigte sich Gevatter Tod der geprüften Fremdenführerin Gabriele Lukacs gleich mehrfach an Orten, denen heute vordergründig nichts Makabres anhaftet. Der Hohe Markt in der Wiener City etwa. Im Jahr 1904 eskalierte hier am 10. Mai ein Streit zwischen einem Schankburschen und einem Platzhirschen derart, dass am darauffolgenden Tag das „Wiener Blatt“ schlagzeilte: „Zwei sinnlose Morde wegen ein paar Würsteln“. Wer jetzt Appetit auf noch mehr Stories über Dämonen, Poltergeister, Vampire und ganz normale Verbrecher in der schönen Wienerstadt bekommt, hat die Wahl. Entweder man besorgt sich die Lektüre. Oder man bucht den nächsten Termin bei einer „Mystery Tour“ mit der Autorin. Am 9. November wird Gabriele Lukacs gleich zwei Mal – um 13 und um 16 Uhr – von der U3-Station Minoritenplatz aus auf den Spuren von Mördern, Betrügern und Halsabschneidern durch die City streifen. „Achtung! Für Volksschüler ist das nicht geeignet“, beeilt sich die Stadtführerin der etwas anderen Art noch zu sagen. Gut so.

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