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freizeit
08/22/2014

Kinderleicht

Kinder beherrschen die Kunst zu genießen von Geburt an. Sie erforschen die Welt mit allen Sinnen – die beste Basis, um auch als Erwachsene ein genussvolles und glückliches Leben zu führen. Lesen Sie außerdem in Teil 3 der Serie, was für freizeit-Leser Genuss bedeutet.

von Annemarie Josef

Schon Babys haben Spaß daran, die ihnen unbekannte Welt zu erforschen. Sie probieren, was geht: schmieren sich ins Gesicht, was sich gut anfühlt, oder spucken in hohem Bogen aus, was nicht schmeckt. Dabei nehmen sie sich und ihre Umgebung von Geburt an mit allen zur Verfügung stehenden Sinnen wahr. Die Basis für Genuss und Glück.

Das findet auch die Schauspielerin Goldie Hawn. Die mehrfache Mutter und Großmutter ist überzeugt, dass man möglichst früh etwas für die Sinneswahrnehmung von Kindern tun sollte. In ihrem Ratgeber „10 achtsame Minuten“ (Klett-Cotta Verlag) fordert der Hollywoodstar Eltern auf, ihre Kinder dabei zu unterstützen, auf Sinnesempfindungen und Gefühle zu achten sowie Glücksgefühle bewusst auszukosten.

Dabei geht es Hawn um Achtsamkeit. Das heißt, all das wahrzunehmen, was im Moment spür- und erlebbar ist. Sie empfiehlt: „Gehen Sie mit Ihrem Kind nach draußen, setzen Sie sich hin und fordern Sie es auf, sich umzuschauen, als ob es alles das allererste Mal sehen würde. Lassen Sie es einen Gegenstand auswählen, schließen Sie die Augen und lassen Sie Ihr Kind den Gegenstand beschreiben. Versuchen Sie zu raten, was gemeint ist.“ Spiele dieser Art könnten helfen, etwa Schulstress für eine Weile zu vergessen – denn genussvolle Augenblicke sorgen für Entspannung.

„Kinder haben von Beginn an die Fähigkeit zu genießen. Es sind kleine Wesen, die im Moment leben. Wenn sie etwas sehen, das sie fesselt, wollen sie sich dem auch voll und ganz widmen“,

Das könne Erwachsene faszinieren, aber auch nerven. „Trödel nicht so“, heißt es dann. Verständlich zwar, weil man nicht vom Fleck kommt, aber auch schade. Marion Kronberger: „Wenn Eltern nicht darauf achten, Kindern auch Zeit für Entdeckungsreisen zu lassen, dann stört man sie in ihrem Tun.“

Dabei sind die Kleinen permanent am Dazulernen. Das entwickelt und festigt die Verknüpfung der Nervenbahnen im Gehirn. Je intensiver die Sinne beteiligt sind, desto einprägsamer die Lernerfahrung, die oft auch eine Genusserfahrung ist. Das kennt jeder, wenn er etwa an die Lieblingsspeise seiner Kindheit denkt. „Wenn Kinder spüren, dass sie in ihren Bedürfnissen wahrgenommen werden, können sie auch die Balance zwischen Pflicht und genussvoller Zeit lernen“, so die Psychologin. Das fällt Eltern, die aufmerksam und gewohnt sind, sich selbst trotz Alltagsstress kurze Auszeiten zu nehmen, natürlich leichter.

Lohnt sich das bewusste Eingehen der Eltern auf die Sinneswahrnehmung ihrer Kinder? Kronberger: „Ja, mit kleinen, möglichst einfachen Mitteln. Denn unsere Welt ist schnell und laut. Da eine Sinneswahrnehmung herauszugreifen, etwa mit ,Horch mal die Kirchenglocke oder der Vogel’, macht den Kindern Spaß und hilft ihnen auch, sich immer wieder wachsam und konzentriert auf eine einzige Sache einzulassen.“

Eine Fähigkeit, um die Erwachsene sich oft erst wieder bemühen müssen, wenn sie das große Ziel erreichen wollen: genussvoll und glücklich zu leben.

So lernen Kinder, mehr zu genießen

♦ Freiraum schaffen. Kinder brauchen Zeit für freies Spiel. Je älter das Kind, desto selbstständiger wird es die Zeit für sich gestalten. Und so schon als Kind und Jugendlicher lernen, sich regelmäßig Auszeiten zu reservieren.

♦ Pflichten gehören dazu. Ohne Hausaufgaben oder Zähneputzen geht es nicht. Pflichten konsequent in den Tagesablauf eingebaut, führt zu Routine. Kinder lernen so leichter, dass Pflichten zum Leben dazugehören.

♦ Bedürfnisse ernst nehmen. Wachsam und neugierig sein, wofür sich Ihr Kind interessiert. Was einem selbst gut tut, muss nicht für das Kind gelten. Eltern gehen viel zu oft von ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen aus.

♦ Kein Zwang. Fördern kann man die Entwicklung individueller Bedürfnisse gut, indem man Dinge anbietet, nicht verordnet. Also nicht: „Du solltest ein Instrument lernen.“ Sondern: „Du kannst, wenn du magst.“

♦ Meinung zulassen. Es akzeptieren, wenn ein Kind etwas nicht mag, etwa Gemüse. Das Kind lernt so, dass es seine Meinung sagen darf – und bekommt später vielleicht doch noch Lust, Spinat, Zucchini oder Broccoli zu probieren. Auch immer wieder mal darauf neugierig zu machen kann helfen.

♦ Loben ist wertvoll. Hat das Kind etwas gut gemacht? Dann loben Sie es! Das Kind darf auch das Gefühl genießen, auf etwas stolz zu sein.

Mein Genuss

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