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freizeit
09/30/2019

Warum grüßt man einander am Berg, aber nicht in der Stadt?

Ab sofort widmet sich die "freizeit" Fragen, deren Antworten überraschen. Warum grüßt man einander am Berg, aber nicht in der Stadt? Als Tirolerin muss Barbara Reiter es wissen.

von Barbara Reiter

Wenn meine Bekannte ihre Berg-Touren macht, versteckt sie sich zu jeder Jahreszeit hinter Stirnband und Spiegelbrille. Ihr widerstrebt nämlich das, was auf Bergen Sitte ist: ständiges Grüßen,  egal, ob man einander kennt oder nicht. Der nächste logische Schritt wäre, den Baumgruppen „Grüß Gott!“ zu sagen oder dem Gipfel freundlich zuzunicken. Der Gruß „Berg Heil“, 1881 angeblich von einem österreichischen Bergsteiger erfunden und später deutschnational konnotiert, hat längst ausgedient. „Auf den Gipfeln hat ein breites „Servas“ oder „Griaß di“ längst die trotzigen Grußformeln abgelöst“, schrieb Kurt Scholz, Ex-Sonderbeautragter der Stadt Wien für Restitutionsfragen 2012 im Alpenvereinsmagazin „Bergauf“. Gegrüßt wird trotzdem, anders halt, weswegen meine Bekannte auch unsere Hausberg-Route meidet. Diese führt über verschiedene Ausgangspunkte zum einzigen Gasthaus der Umgebung und ist am Wochenende äußerst beliebt. Alle paar Meter sagt man hier – Sie ahnen es – „Grüß Gott!“

Wir brauchen andere Menschen

Doch warum grüßt man am Berg und in der Stadt nicht? Je dünner besiedelt ein Gebiet, desto wichtiger ist Verbindlichkeit, weiß Benimmpapst Thomas Schäfer-Elmayer. Er hat sieben Jahre in Afrika gelebt, lange Fahrten durch die menschenleere Wüste inklusive. „Das ist zunächst ein herrliches Gefühl. Aber wenn einem ein anderer Geländewagen entgegenkommt, muss man stehen bleiben. Wir brauchen andere Menschen.“ In der Stadt, etwa am überfüllten Stephansplatz, hätte man beim Grüßen wohl seine liebe Not. Elmayer plädiert dennoch für mehr Kommunikation im Ballungsraum. „Wenn man länger neben einem Menschen sitzt und nicht wirklich etwas zu tun hat, könnte man sich auch unterhalten.“ Als Gegenmaßnahme zur Isolierung in Smartphone-Zeiten. Am Berg hat man es dieser Tage auch nicht leicht. Immer mehr Städter entdecken die Natur für sich und Marathon-Grüßen ist die neue Disziplin, die der geübte Bergmensch konkurrenzlos für sich entscheidet, wenn er will. Oder er löst das Problem mit Stirnband und Spiegelbrille.

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