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Foto: Daknipsi CELINA ANN

Musikland Österreich. Zum Eurovision Song Contest 2015 tut der ORF tatsächlich alles, um diesem oft sehr leichtfertig verwendeten Schlagwort gerecht zu werden. Ein Blick hinter die Kulissen der Österreich-Ausscheidung für die größte Musikshow des Jahres.

Es ist soweit. Kommenden Freitag, 20.2., steigt die erste große ORF-Show in Sachen Eurovision Song Contest. Das Motto: „Wer singt für Österreich?“  16 Bands treten an - und ich kann versprechen, es wird eine der buntesten, lässigsten, unterhaltsamsten, ganz einfach großartigsten Musiksendungen, die bisher im österreichischen Fernsehen zu sehen waren. Warum? Weil ich die Bands ausgesucht hab. Die meisten zumindest.

  

ESC II

Echt jetzt? Ja, ganz ohne Schmäh. Die Sache kam so: Der wunderbaren Anna F. gelang es, den ORF von einer neuen Herangehensweise an die Mission Song Contest zu überzeugen. Warum nicht die – zumindest für einige Generationen – einmalige Chance des „Heimspiels“ nutzen, um ganz Österreich zu zeigen, auf welch vielfältige Musiklandschaft wir eigentlich stolz sein können.

Das heißt: Keine Casting-Shows mit den üblichen Verdächtigen, keine karaokesingenden Fitnesstrainer und Schülerinnen, die unbedingt mal ins Fernsehen kommen wollen – sondern echte Musiker, von denen dieses Land mehr als genug zu bieten hat. Einen Anruf später war ich im Fünfer-Team, das das bewerkstelligen sollte. Aufregend. Und anstrengend. Mehr als 300 Soundfiles gewissenhaft geprüft, 50 Bands im Rahmen von drei Shows quer durch Österreich gecheckt – und einiges an Überzeugungsarbeit wurde auch geleistet. Denn der ESC hat, so ehrlich muss man sein, auf die meisten Musiker  die Anziehungskraft  einer Wurzelspitzenresektion: „Zum Song Contest? Bist deppert?“  

ESC III

Jetzt ist es natürlich so, dass gerade mein Familienverband als Testgruppe den üblichen Unkenrufern Futter geben wird. Weil den einen sowieso und ohne genau zuzuhören das Gebotene durch die Bank zu wenig ESC-tauglich ist, während die strenge Geschmackspolizei ein schmallippiges "viel zu angepasst" konstatiert. 

Aber die Idee dahinter überzeugte schließlich doch viele. Nicht WER in die Finalrunde einzieht und schließlich gewinnt, ist ausschlaggebend, sondern gemeinsam die unglaubliche Bandbreite und Qualität der Musikschaffenden zu zeigen. Dass aktuell erfolgreiche Bands wie Wanda, Bilderbuch oder 5/8erl in Ehr’n absagten, liegt wohl daran, dass die Angst, etwas zu verlieren für aktuelle Sieger offenbar zu groß ist. Unbegründet. Denn  auch für arrivierte Acts wie die fantastische Jazzerin Marina Zettl war schon bei den Pre-Castings Endstation, ohne dass ihnen ein Zacken aus der Krone gefallen wäre. Songwriter-Queen Mika Vember scheiterte mit einer wagemutigen A-capella-Version eines ihrer Hits, Le Toy konnten sich gegen die Elektroniker von Johann Sebastian Bass und Kommando Elefant nicht durchsetzen. Aber auch das war klar:  Wer „Bandbreite“ sagt, kann nicht einfach seine 16 Lieblings-Indiebands zur großen Show antreten lassen. Da braucht’s  Mainstream-Pop und Soul-Diven, Volksmusik, Hip-Hop und Balladen genauso. Wir haben unser Bestes gegeben. Die Bands auch. Viel Spaß dabei!

BOVELINOS PLAYLIST

ESC PLAYLIST - DIE KANDIDATEN

Bands, Singersongwriter, Diven und Tanzbodenfeger – das Feld ist extrem breit aufgestellt.
Hier alle Acts der ersten Show:

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Foto: Hersteller

FOLKSHILFE: mitreißender oberösterreichischer Mix aus Volksmusik und Pop.

THE MAKEMAKES: sehr, sehr lässiger Poprock aus Salzburg. Live noch viel besser als auf der Hit-Single.

DAWA: die Wiener sind mit ihrem atmosphärischen City-Folk absolute Alternative-Lieblinge.

CELINA ANN: sexy Funk & Soul und soulful Jazz.. Und die Wienerin ist definitiv eine der besten Vokalistinnen des Landes.

JOHANN SEBASTIAN BASS: Fuge meets Elektrobeats. Schräg und tanzbar.

MIZGEBONEZ: so schrill, so politisch unkorrekt, so klass – Multikulti-Hip-Hop aus Wien.

CLARA BLUME: Traumsongs, Traumstimme, Traumfrau – die umwerfendste Chanteuse des Landes.

RENATO UNTERBERG: Der Salzburger Songwriter überzeugt mit Groove und Stimme.

LEMO: „Vielleicht der Sommer?“ – der Grazer hat mehr zu bieten als einen Sommer-Hit.

KOMMANDO ELEFANT: Indie goes ESC? Elektropop mit Biss und Groove.

KATHI KALLAUCH: Die Wahlösterreicherin bietet akustischen „Deutsch-Pop“. Der guten Sorte.

TANDEM: Er & sie zwischen Pop & Songwriting. Kann charmant sein.

WO/MEN: Zwei starke Stimmen - was werden sie daraus machen?

THE SU'SIS: Haben Marina Zettl, eine meiner Favoritinnen, rausgekickt. Sorry, da kann ich nicht objektiv sein... ;)

ZOE: Die Tochter von Christoph "Papermoon" Straub macht auf französisches Girlie. Wer's braucht...

ROYAL KOMBO: Hm...

ESC Playlist II

DIE "ECHT SCHADE"-PLAYLIST

Ein paar verdammt gute Bands werden wir kommenden Freitag leider nicht sehen. Sie sind in der Vorrunde gescheitert. Hier eine Playlist mit den Acts, um die's mir richtig, richtig, richtig leid tut:

THE BOYS YOU KNOW: The Cult

MARINA & THE KATS: Nicht nur, weil sie mich an eine meiner Lieblingsbands von überhaupt erinnern: Fairground Attraction.

MIKA VEMBER; We All Agree

LE TOY: Monstertime

HODA MOHAJERANI: Iran meets Wien zwischen Londoner Underground und großer Ballade. ExhaleRaging Waves

MARTIN KLEIN: Alles zu Boden

PHOEBE VIOLET: Me Voy

WENDE PUNKT: Freude, du Zicke!

(KURIER freizeit am Samstag) Erstellt am
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