© Frau Isa|Wald & Schwert

freizeit Essen & Trinken
01/02/2020

Nachhaltig einkaufen im Supermarkt: So geht's

Gut geplant ist halb gewonnen. Die Schlüsselworte sind regional, saisonal und bio, mit gewissen Einschränkungen.

Mittlerweile macht ein Großteil der Österreicher seine Einkäufe in Supermärkten und Discountern. Vor allem Lebensmittel. Wie kann man in einem normalen Supermarkt – etwa der typische Wochenendeinkauf einer vierköpfigen Familie – nachhaltig einkaufen? Geht das überhaupt? „Ja“, sagt Henriette Gupfinger, Nachhaltigkeitsexpertin am Campus Wieselburg der FH Wiener Neustadt, allerdings mit gewissen Einschränkungen.

„Das nachhaltige Sortiment, ich spreche hier immer von ‚Produkten am nachhaltigen Weg‘ wird immer größer. Das ist sehr erfreulich.“ Es gebe mittlerweile viele Bio-Produkte, unterschiedliche Eigenmarken oder fair gehandelte Produkte, die auf diesem nachhaltigen Weg sind. In einem Reformladen ist die Auswahl natürlich noch größer, allerdings gibt es da auch viele Bio-Produkte, die nicht aus Österreich, also nicht regional sind.

„Das regionalste und nachhaltigste Produkt bekommt man natürlich beim regionalen Bio-Bauern, der in der Nähe beheimatet ist, aber dafür hat man für gewöhnlich als Familie nicht die Zeit, seine wöchentlichen Einkäufe dort zu erledigen“, sagt Gupfinger.

Was sind nun die größten Nachhaltigkeitssünden beim Einkauf? „Im Prinzip geht es darum, saisonal einzukaufen. Das heißt etwa, nicht gerade zu Weihnachten Erdbeeren zu essen, sondern den Menüplan diesbezüglich anupassen“, sagt die Expertin. Dann geht es natürlich auch darum, regional einzukaufen und nicht zu sagen, ich möchte unbedingt Bio und nehme daher die Äpfel oder Kiwis aus Übersee.

Regional: Umkreis von 250 km

In diesem Fall ist es besser, regionale Produkte zu kaufen, selbst wenn sie nicht bio sind, wobei als regional im Idealfall ein Umkreis von 250 km gilt. „Da gilt es dann genau abzuwägen, was für den Konsumenten natürlich eine komplexe Geschichte ist, aber wenn ich die Wahl habe zwischen einer Bio-Gurke aus Italien oder einer Gurke aus der Region, nehme ich die österreichische.“

Aber: Je mehr ein Produkt verarbeitet ist, desto weiter kann es herkommen. So ist laut Gupfinger ein spezieller Vorarlberger Bergkäse noch okay, aber eine Bio-Milch, die 750 km unterwegs war, nicht mehr. „Bio ist dann nicht nachhaltig, wenn es von weit herkommt. Ich persönlich vermeide alles Bio, das nicht aus Österreich stammt. Es macht von der -Bilanz einfach keinen Sinn“, sagt Gupfinger.

Die wichtigsten Produkte - darauf sollten Sie achten

Brot und Gebäck:

Greifen Sie zu Produkten, die bei Ihrem Nahversorger aus regional produzierten Zutaten erzeugt und verkauft werden. Die hohen heimischen Qualitätsstandards sorgen für beste Qualität der Produkte. So bleiben nicht nur Arbeitsplätze in der Region erhalten und die Wirtschaft vor Ort wird gestärkt, sondern auch regionale Spezialitäten und ländliche Traditionen werden weitergeführt und gestärkt. Der Einkauf von Getreideprodukten beim Bäcker ums Eck sichert die lokale Nahversorgung und reduziert den Verkehr. Wählen Sie Produkte aus kontrolliert-biologischem Anbau (AMA-Bio-Gütesiegel, EU-Bio-Gütesiegel, Bio Austria, demeter). Vollkornprodukte nehmen. Sie enthalten noch mehr Vitamine, Ballaststoffe, Mineralien und ungesättigte Fettsäuren.

Milchprodukte:

Bevorzugen Sie Milchprodukte aus biologischer Produktion und achten Sie auf Bio-Labels.  Welche Labels und Gütezeichen tatsächlich nachhaltig und empfehlenswert für den Einkauf sind, finden Sie im Label-Kompass von Bewusst Kaufen . Die Bio-Garantie beim Kauf von Milchprodukten bieten Labels und Gütezeichen wie das EU-Bio Logo, AMA-Biosiegel, BIO Austria, Austria Bio Garantie und Bio-Handelsmarken.  Beachten Sie Bio-Zertifikate auch bei Milchersatzprodukten oder Lebensmitteln aus Soja. Bevorzugen Sie Milchprodukte von Produzenten aus Ihrer Region. Sie unterstützen damit Klein- und Mittelbetriebe in Ihrer Nähe.  Sie sparen  durch die kürzeren Transportwege. Achten Sie besonders bei Käse auf die Herkunft: Hier gibt es immer noch einen hohen Importanteil, oft aus Ländern mit niedrigeren Qualitäts- und Umweltstandards als in Österreich.

Obst und Gemüse:

Bevorzugen Sie saisonales Obst und Gemüse aus Ihrer Region. Achten Sie auf Produkte, die in Ihrer Region wachsen. Im Supermarkt hilft ein Blick auf das Etikett, das Ihnen die Herkunft des Produktes verrät. Bevorzugen Sie Obst- und Gemüsesorten, die gerade Saison haben. Vor allem im Winter werden viele Produkte mit dem Flugzeug importiert und verursachen einen hohen ökologischen Fußabdruck. Welches Obst und Gemüse gerade Saison hat, finden Sie im Bewusst Kaufen Saisonkalender . Bevorzugen Sie Obst und Gemüse aus biologischer Produktion. Entscheiden Sie sich für Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau und achten Sie auf Bio-Labels. Nehmen Sie auch Anbieter von sogenannten Bio-Kistln in Anspruch. Achten Sie auf die Verpackung – dabei gilt: besser lose statt abgepackt.

Fleisch und Wurst:

Achten Sie auch hier auf Bio-Siegel wie das Bio Austria Logo oder AMA-Biozeichen. Diese kennzeichnen Bio-Produkte aus Österreich.  Achten Sie auf Bio-Verbandszeichen, wie z. B. Bio Austria, demeter oder eine der zahlreichen Bio-Handelsmarken. Zusätzlich zu den gesetzlichen Vorgaben werden hier noch die speziellen Verbandsrichtlinien und Marken-Kriterien eingehalten.  Kaufen Sie regionale Fleischprodukte. Die Kriterien im Rahmen der Initiative „Bewusst kaufen“ lauten daher: Geboren (und aufgewachsen) in Österreich, gemästet in einer kleinräumigen Region oder Bundesland, geschlachtet in Österreich – zusätzlich zur Herkunft muss auch noch ein Qualitätskriterium (z. B. artgerechte Tierhaltung, traditionelles Handwerk) erfüllt sein.  Kaufen Sie  auch ab Hof Fleisch ein bzw. bestellen Sie direkt beim Bauern, z. B. bei Gutes vom Bauernhof  oder Nahgenuss

Getränke (antialkoholisch):

Kaufen Sie Getränke (nicht alkoholisch), die  in Österreich hergestellt wurden. Regional erzeugte Säfte erkennen Sie an unterschiedlichen Herkunftsbezeichnungen. In der Labeldatenbank finden Sie Gütezeichen und Marken, die auf regionale Erzeugung hinweisen. Kaufen Sie Getränke aus biologischer Produktion. Greifen Sie zu Getränken, die das FAIRTRADE-Gütesiegel tragen, wenn Sie Säfte aus Südfrüchten (z.B. Orangen oder Mangos) kaufen. Viele FAIRTRADE-Produkte sind mittlerweile auch biozertifiziert.  Achten Sie verstärkt auf Getränke, die in Mehrweggebinden verpackt sind. Vermeiden Sie Wegwerf-Verpackungen, wie Einweg-PET-Flaschen, Getränkedosen und Einweg-Glasflaschen.  Die Bezeichnung „Direktsaft“ bedeutet, dass die Früchte gleich nach der Ernte gepresst und schonend pasteurisiert werden. Direktsaft wird naturtrüb in Flaschen abgefüllt. Bio-Säfte sind aber nicht automatisch „Direktsäfte“.

Zucker und Süßes:

Kaufen Sie Zucker aus kontrolliert biologischem Anbau und achten Sie auch bei Süßwaren auf Zutaten aus biologischer Landwirtschaft. Bio-Zucker und Bio-Süßwaren-Produkte sind durch Labels und Gütezeichen wie das AMA-Biosiegel oder das EU-Bio-Logo gekennzeichnet. Achten Sie auf Aspekte der sozialen Nachhaltigkeit und des fairen Handels. Achten Sie bei Rohrzucker auf das Fairtrade-Siegel. Damit ermöglichen Sie den Produzentinnen und Produzenten in den Erzeugerländern ein geregeltes Mindesteinkommen zu menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und unterstützen Initiativen zur Verbesserung der Gesundheits- und Bildungssituation. Achten Sie beim Kauf von Zucker auf Regionalität. Greifen Sie zu Zucker und Süßwaren aus regionaler Erzeugung.

Haushaltsartikel:

Kaufen Sie Hygienepapiere wie Papiertaschentücher, Toilettenpapier oder Küchenrolle aus 100 Prozent Recyclingpapier (Österreichisches Umweltzeichen, Blauer Engel).  Nutzen Sie papierfreie Alternativen wie waschbare Stofftaschentücher, -handtücher und -servietten oder Wischtücher. Die Herstellung von Hygienepapier belastet die Umwelt stark. Sie benötigt viel Holz, Energie und Wasser und führt zur Einleitung gefährlicher Stoffe in Gewässer. Durch den Einsatz von Altpapier und beste verfügbare Techniken bei der Produktion von neuem Papier können diese Umweltbelastungen stark reduziert werden. Bei Hygienepapieren kommt hinzu, dass die Papierfasern nach dem Gebrauch über die Kanalisation oder als Abfall entsorgt werden. So gehen sie dem Papierkreislauf verloren. Es gibt für jede Art von Hygienepapier auch eine qualitativ hochwertige Alternative aus Recyclingpapier.

So kaufen Sie richtig ein

Wenn man folgende ganz allgemeine Punkte beim Einkauf beachtet, dann ist man bereits auf einem guten „nachhaltigen Weg“:

  • Erst planen, dann einkaufen. Wer nur kauft, was benötigt wird, wirft auch weniger weg. Vor dem Einkauf lohnt es sich daher, die Vorräte und den Inhalt des Kühlschrankes zu kontrollieren. Auf dieser Basis lassen sich ein Speiseplan für die kommenden Tage und eine Einkaufsliste erstellen. Auch Spontaneinkäufe sollte man vermeiden und noch ein Tipp: Nicht hungrig einkaufen!
     
  • Achten Sie auf die richtige Menge. Aktionsangebote und Multipacks verlocken dazu, mehr zu kaufen, als man braucht. Eine Möglichkeit, nach Bedarf einzukaufen, bieten verpackungsfreie Supermärkte.
     
  • Kaufen Sie „Außenseiter“. In der EU gelten Vermarktungsnormen für eine Reihe landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass Obst und Gemüse mit einem optischen Makel seltener in den Handel gelangt. Greifen Sie daher auch zu den „Sonderlingen“.
     
  • Befassen Sie sich mit der Herkunft Ihrer Lebensmittel. Wer weiß, woher die Nahrungsmittel stammen und wie viel Mühe hinter ihrer Produktion steht, wird automatisch weniger wegwerfen.
  • Verwendung von Einkaufskörben bzw. Taschen aus Stoff, sind auch besser als Papiersackerl, die leicht reißen
  • Kauf von offener Ware
  • Mehrweg statt Einweg
  • Bevorzugung von Nachfüllpackungen und Konzentraten
  • Einkaufen auf Bauernmärkten
  • Keine Mogelpackungen kaufen
  • Flasche statt Dose

Das Land Steiermark betreibt ein Projekt für pfandfreie Mehrwegflaschen. Diese kann bei Supermärkten, Buschenschanken und Weinbauern zurückgegeben werden.   


Allgemeine Informationen  zum nachhaltigen Einkauf findet man auf der Plattform Bewusst kaufen (eine Initiative des Bundesministeriums  für Nachhaltigkeit und Tourismus)

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