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freizeit Essen & Trinken
01/06/2021

Marktgeschichten: Wie paradiesisch der Granatapfel ist und welche Suppe man machen kann

Granatäpfel versüßen uns den kalten, grauen Winter. Die symbolträchtigen Kerne passen zu Wintersalaten, peppen Gemüsesuppen auf in Drinks gemischt.

Von Nicole Ott

Kennst du die Geschichte von Persephone und den magischen Granatapfelkernen?“, frage ich den Liebsten während unseres Neujahrsspazierganges. „Die schöne Frühjahrsgöttin wurde von Hades, dem Gott der Unterwelt, geraubt und in sein finsteres Reich gebracht. Ihre Mutter, die Fruchtbarkeitsgöttin Demeter, war darüber so traurig, dass sie die gesamte Erde verdorren ließ.

Um einer Hungersnot vorzubeugen, durfte Persephone drei Viertel des Jahres wieder bei ihrer Mutter sein. Doch sie hatte von den Früchten des Granatapfelbaumes genascht, und als Strafe dafür musste sie ein Viertel des Jahres im Dunklen bei Hades verbringen.“ Der Winter war geboren.

Wie gut, dass in dieser kalten Jahreszeit unsere südlichen Nachbarn ihre Winterfrüchte wie Granatäpfel und Zitrusfrüchte ernten, um uns mit Vitaminen und Nährstoffen zu versorgen. Der Granatapfel ziert dabei gerne jeden Wintersalat und harmoniert sehr gut mit Linsen, Melanzani, Karfiol und auch allen grünen Blattsalaten.

Tipp: Nach runden Früchten Ausschau halten, ältere sind durch die Austrocknung kantig. 

Sein Saft wird so lange gekocht, bis ein dunkler, süßsaurer Sirup entstanden ist, der sich perfekt als Zutat für Marinaden, Saucen, Salsas und auch pikante Schmorgerichte eignet. Zusammen mit den ausgelösten, fruchtigen Kernen bieten sich so unzählige granatapfelige Speisen an, die den traurigen „Winterblues“ vergessen machen.

Zurück in die Küche. Ich schneide den Paradiesapfel waagrecht auseinander und quetsche die Hälften mit der Hand an, um die Kerne zu lösen, dann klopfe ich mit einem flachen Schöpfer von oben auf die Frucht, damit sie herauspurzeln können. Dabei denke ich an Erol, der mir am Markt immer lachend die schönsten Granatäpfel aussucht und mit den Worten übergibt: „Für dich mit besonders vielen Kernen!“ 613 sollen es nach alter Überlieferung sein, genauso viele, wie das Alte Testament Gesetze hat.

Herbsüßer Geschmack

Symbolik hin oder her, ich schätze die rubinroten Früchte in meiner Küche, weil sie einen herbsüßen, einzigartigen Geschmack haben, saftig im Mund zerplatzen und einen frischen Kick in meine Winterküche bringen. Nun ist ja die dunkle „Zeit zwischen den Jahren“ vorüber, wir haben die Kunst des Abschiednehmens vom alten Jahr geübt und unsere Wünsche für das kommende verbrannt.

Dann wurden die Fenster geöffnet und das neue hereingelassen und mit diesem frischen Schwung plane ich eine Wintersuppe mit einer Prise Frühling. Paradeiser und zarter Fenchel ergänzen einander perfekt und werden mit Feta aufgepeppt. Die prallen Granatapfelkerne geben den fruchtigen Kick, so kann das neue Jahr mit Leichtigkeit beginnen.

Zutaten:
5 EL Olivenöl
2 Fenchelknollen,
in Achtel geschnitten
1 Zwiebel, geschält und
in Würfel geschnitten
2 Stangen Stangenzeller,
fein gewürfelt
1 große Karotte, geschält
und fein gewürfelt
1 TL Fenchelsamen
4 Pimentkörner
1 Lorbeerblatt
1 Dose geschälte
Paradeiser (400 g)
ca. 1 l heißer Gemüsefond
Pro Person 1 EL Feta, zerbröselt
Kerne von einem Granatapfel
Salz, Pfeffer, Honig

Zubereitung:

1. Das Backrohr auf 190° Ober-/Unterhitze vorheizen. Den Fenchel mit 2 EL Olivenöl vermengen und auf der 2. Schiene von oben  ungefähr 30 Minuten braten, bis er stellenweise gebräunt ist.

2. Drei EL Olivenöl in einem großen Topf erhitzen. Die Zwiebel darin glasig anschmurgeln lassen, dann den Stangenzeller und die Karotten dazugeben und schmoren lassen, bis das Gemüse zu karamellisieren beginnt.

3. Nun die Gewürze und die Paradeiser hinzufügen und mit so viel Gemüsefond aufgießen, dass das Gemüse bedeckt ist. Salzen, pfeffern und ungefähr 20 Minuten köcheln lassen, bis das Gemüse weich ist. Nun den gebratenen Fenchel in die Suppe geben und noch ungefähr 5 Minuten kochen lassen, bis auch der Fenchel ganz weich ist.

4. Das Lorbeerblatt herausfischen und mit dem Stabmixer pürieren. Mit Gemüsefond auf die gewünschte Konsistenz bringen. Mit Salz, Pfeffer und
ein wenig Honig abschmecken. Mit dem Feta und den Granatapfelkernen servieren.

„Granatapfel kann aber auch anders!“, lässt mich der Jüngste später am Telefon wissen. „Grenadinesirup gehört auf alle Fälle in einen Tequila Sunrise, den mixe ich dir bei nächster Gelegenheit, schmeckt einfach göttlich!“ Aber das ist eine andere Geschichte.

Nicole Ott ist Köchin, Gastronomin und Kochbuchautorin. Am Wiener Kutschkermarkt führt sie das Café Himmelblau.

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