freizeit
05.09.2018

Elmar Wepper: „Ich bin nicht so brav, wie ich immer lesen muss“

Vom TV auf die Leinwand: Elmar Wepper, 74, ist mit einem neuen Film im Kino. Zeit für ein Gespräch, über das Leben, die Liebe und seinen Bruder.

Herr Wepper, in Ihrem neuen Film „Grüner wird’s nicht ...“, spielen Sie einen alternden Gärtner, der aus seinem Leben ausbricht.  Im Film fügt sich dabei eines zum anderen. Das ist im wahren Leben eher selten so.

Es gibt da diesen alten Satz: „Movie is bigger than Life.“ In einem Film ist ja vieles verdichtet und künstlerisch verändert. Was mir an dem Film gefällt, ist, dass es keine tiefenpsychologische Krisen-Doku über einen alternden Gärtner geworden ist, sondern etwas Märchenhaftes hat.

Das Fantastisch-Skurrile wechselt sich mit realistischen Szenen ab.

Damit der Zuseher zwischendurch die Bodenhaftung nicht verliert. Wenn ich einen Satz vom wunderbaren Otti Fischer (Anm.: Kabarettist und Schauspieler) zitieren darf: „Leicht ist schwer was.“ Das verstehen die Österreicher, wir Bayern sowieso. Etwas Leichtes herzustellen, ist schwer.  

Der Film ist wunderschön geworden. Ich bin allerdings auch bei alten Folgen der „Polizeiinspektion 1“ hängen geblieben.

Ja mei, ...

Lange her. Denken Sie gern an die Zeit zurück?

Aber klar! Wir haben das zehn Jahre gemacht, 130  Folgen, drei Monate Drehzeit pro Staffel. Da hat sich jeder drauf gefreut, der Max (Anm.: Grießer), der Walter (Anm.: Sedlmayr) und ich. Wir hatten auch tolle Autoren und wenn einmal was nicht so war, wie der Walter das wollte, hat er rumgeschrien: „Ja mei, wir san doch Polizisten und koane Deppen. I hob’ ois umg’schrieben, weil so ist des a Schmarrn.“

Eigentlich tragisch, wie Walter Sedlmayr  ums Leben gekommen ist – und Max Grießer auch.

Ja, der Max Grießer hat sich umgebracht aus heiterem Himmel und der Sedlmayr ist auf ganz unwürdige, schreckliche Art umgekommen (Anm.: Er wurde ermordet). Vornehmlich dem Walter war es zu verdanken, dass die Serie den Menschen über die Jahre so ans Herz gewachsen sind.

Sie haben seither viele Figuren gespielt. Brennt das Feuer als Schauspieler in Ihnen noch?

Es gibt Schauspieler, die haben die absolute Gewissheit, dass sie diesen Beruf ausüben müssen. Also ganz so war es bei mir nie. Ich habe mich der Schauspielerei nie ausgeliefert. Ich brauche diese Distanz, das gibt mir Freiheit und Schutz. Ich liebe meinen Beruf und er ist ein wichtiger Teil meines Lebens, aber mein Leben ist er nicht.

Wem oder was sind Sie ausgeliefert?

Ich möchte mich nichts und niemandem ausliefern. Das widerspricht meinem Innersten. Dann läuft man Gefahr, sich zu verlieren.

Vielleicht läuft’s gerade deshalb. Sie sind 74 und noch immer gut im Geschäft.

Dafür gibt es kein Rezept für Jedermann. Wir sind alle unterschiedlich gestrickt. Ein Schauspieler ist unglücklich, wenn sich nicht ein Film an den anderen reiht, ein anderer braucht nach jeder Produktion ein halbes Jahr Pause. Jeder muss herausfinden, was für ihn richtig und wichtig ist.

2008 haben Sie  mit dem Film „Kirschblüten – Hanami“ auch noch den Durchbruch  im Kino geschafft. Sie waren sehr gerührt, als Sie den Deutschen Schauspielpreis dafür bekommen haben. Vielleicht ist Ihnen die Schauspielerei doch wichtiger, als Sie glauben?

Da hab ich mich vielleicht missverständlich ausgedrückt. Alles, was ich in dem Beruf mache, kann ich nicht so leicht aus dem Ärmel schütteln. So nichts Halbes und nichts Ganzes, da tu' ich mir schwer. Die richtige Balance zu finden, die richtige Distanz und Nähe, das ist frü mich das Entscheidende. "Kirschblüten" war da eine außergewöhnliche Erfahrung und hat mich schon aus meiner "schauspielerischen Wohlfühlsituation" herausgeholt.  

Ihr Bruder Fritz saß damals im Publikum  und hat geweint. Warum?  

Ich glaube, es war die Freude und Bewegtheit, den Bruder in diesem Moment auf der Bühne zu sehen. Natürlich liegt da alles drin. Die Ehrung, unsere Bruderschaft ... Wir mögen uns sehr und haben eine enge Beziehung. Wäre es umgekehrt so gewesen, hätte es mich auch gerissen, keine Frage.

Sie sehen einander ähnlich. Stört es Sie, mit dem Bruder verwechselt zu werden?

Es kommt schon vor, dass jemand sagt: „Sie san mir vielleicht so ein Bürgermeister“. Dann sag ich: „Ich bin der andere Wepper! (Anm.: Fritz Wepper spielt in der Serie „Um Himmels Willen“ einen dreisten Bürgermeister) Man macht den Job so lange, da gibt es keine vordergründigen Eitelkeiten.

Ihr Bruder ist privat viel umtriebiger als Sie. Was, wenn jemand Sie für den Draufgänger hält?

Da muss ich jetzt doch etwas korrigieren. Es mag ja sein, dass Fritz der, sagen wir mal, Turbulentere von uns beiden ist. Aber so überzeichnet, wie es die Medien gerne darstellen, ist es nicht. Genauso wenig bin ich so korrekt, brav, bescheiden und zurückhaltend, wie ich immer wieder lesen muss. Wir sind uns in Vielem doch sehr ähnlich.

Was sind Sie dann für ein Mensch? Ein eitler? Immerhin haben Sie Ihren einzigen Sohn Elmar genannt.  

Das war der Wunsch und die Entscheidung der Mami, die das unbedingt so haben wollte. Und  ich habe dem zugestimmt.  Der Fritz heißt auch Fritz, weil unser Vater so hieß, und der Vater von meinem Vater, also mein Opa, hieß auch Fritz. Das war früher so. Der Vater hat seinen Namen an den erstgeborenen Sohn weitergegeben.

Weil wir gerade bei Namen sind: Verheiratet sind Sie mit einer Anita.

Nicht mit einer Anita, mit „der“ Anita.

Trotzdem mussten Sie erst  59 werden, um zu heiraten.

Wir sind seit 23 Jahren zusammen und seit 14 Jahren verheiratet. Ich hatte keine innere Uhr, die mir gesagt hat: Jetzt wird es höchste Zeit! Aber irgendwann überlegt man, was man mit einer Beziehung macht, die so erfüllend und stimmig ist.

Es ist gut, spät zu heiraten. Dann hält die Ehe vielleicht bis zum Schluss.

Das denkt man sich doch nicht.

Doch, ich zum Beispiel.

Da derfn S’ aber nicht zu lange warten. Es gibt einen Satz, der auch schon in Vergessenheit geraten ist. Alles hat seine Zeit.  

Sie haben  2004 laut Medien geheim geheiratet. Sucht man als Schauspieler nicht die Öffentlichkeit?

Ich dränge mich generell nicht auf und denke, ich habe eine Message für alle. Ich bin nicht bei Facebook, ich twittere nicht. Das interessiert mich alles nicht. Vor Kurzem wurde ich darauf angesprochen, meine Biografie zu schreiben. Aber ganz ehrlich: Wen interessiert das?

Dann dürften Sie aber auch keine Interviews geben.

Das ist etwas anderes. Das ist kompakt. Man kann sich das beim Friseur anschauen, danach wird die Zeitung entsorgt. Das meine ich nicht negativ. Es ist das Schicksal der Illustrierten, sonst würden wir ersticken.

Bei vielen Filmen ist das aber auch nicht anders. Die sieht man auch nur einmal.

Kein Einspruch!

Wie lange wollen Sie noch drehen?

Einen Plan gibt es nicht. Schau ma mal, dann seh ma scho, wie wir Bayern sagen. Aber ich mache bewusst weniger als früher und sag’ Dinge ab, die ich  vor 15 Jahren noch zugesagt hätte.

Haben Sie eigentlich noch Kontakt zu Uschi Glas? Sie waren lange das Traumpaar des  deutschen Fernsehens.

Wir sehen einander manchmal zwei Mal im Monat, dann vielleicht ein Vierteljahr nicht. Aber ich war vor nicht allzulanger Zeit bei Uschi und ihrem Mann auf Saitenwürste eingeladen. Das sind ganz feine Wiener.

Sie waren auch mit Mel Gibson, den Sie synchronisieren, schon Wurst essen.  

Er war damals zur Deutschland-Premiere von „Braveheart“ in Wien.  Als ich schon im Kino saß, kam ein Mann zu mir  und sagte, dass Mel Gibson während des Films mit mir zu Abend essen möchte. Er hatte den Film schon 50 Mal gesehen. Wir haben dann mit seinen Bodyguards Milzwürste im Bayerischen Hof gegessen. Er war sehr locker und entspannt. Danach sind wir kurz vor Ende des Films  zurück ins Kino gefahren.

Wann haben Sie ihn zuletzt synchronisiert?

Das war vergangenes Jahr in „Daddy's Home 2“. Ein Weihnachtsfilm, der aber in den Kinos nicht sehr erfolgreich war.

An Ihrer Stimme wird’s nicht gelegen sein.

Ne, glaub’ ich nicht. Ich habe jetzt zufällig mal auf einer Internet-Seite geguckt. Von ungefähr 30 Filmen, die Gibson gemacht hat, habe ich 25 gesprochen.

Gibt es eigentlich Fragen, die sie nicht leiden können?

Sicher, aber ich will mir jetzt keine Frage einfallen lassen, auf die ich nicht antworten würde. Sie fragen ja nichts Extremes.

Das kann ja noch kommen.

Jetzt seh’ ich’s: Unsere Zeit ist um!

DER ERFOLGSGARANT

Elmar Wepper, 74, wurde 1944 in München geboren. Schon in der Schule galt er als begabter Vorleser und hatte  1957 seinen ersten Mini-Filmauftritt. Eigentlich wollte Wepper nach der Matura Kinderarzt werden, ließ sich aber von seinem  Bruder Fritz (77) inspirieren und wurde Schauspieler.  Etablieren konnte er sich 1974 als Assistent in der Serie „Der Kommissar“, danach kamen Erfolgsproduktionen wie „Polizeiinspektion 1“, „Unsere schönsten Jahre“ und „Zwei Münchner  in Hamburg“. An seiner Seite stets Uschi Glas,  mit der er zum TV-Traumpaar wurde. 2007 gelang Wepper mit Doris Dörries „Kirschlüten-Hanami“ der Sprung ins Kino. Für die Rolle eines krebskranken Witwers wurde er mit zahlreichen Preisen  ausgezeichnet. Wepper lebt in Planegg bei München, hat einen Sohn (40) und ist seit 14 Jahren mit Anita verheiratet.