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freizeit
05/18/2019

Die Bestseller aus der Provinz

Nicht nur für Freunde der Berge: Joe Fischler und andere Krimiautoren

von Bernhard Praschl

Joe Fischler

Mehr Quereinsteiger geht kaum. Der Tiroler studierte Jus, arbeitete bei einer Bank und machte sich frühzeitig einen Namen in der  Blogger-Szene. Vor fünf Jahren wurde Fischler vom Tiroler Haymon Verlag kontaktiert – die Geburtsstunde seiner Reihe um Ermittlerin Valerie Mauser.

Fischler: „Ich habe mir dieses Genre nicht ausgesucht. Nachdem die ,Veilchen’-Krimis aber eben in Innsbruck und Umgebung spielen, wo ich gerne lebe und mich auskenne, bin ich automatisch in der Schublade ,Regional-Krimi’ gelandet.“ Nach fünf „Veilchen“-Krimis macht Valerie Mauser „lila Pause“. Jetzt ist der Ball bei  Gruppeninspektor Arno Bussi. „Es war reizvoll, einmal aus der Perspektive eines männlichen Ermittlers zu schreiben.“

 

 

Alexander Oetker / Yanis Kostas

Dieser Mann tanzt auf zwei, nein, drei Hochzeiten. Als Paris-Korrespondent von RTL ist der gebürtige Berliner ein vertrautes Gesicht am Bildschirm. Aber auch zwischen zwei Buchdeckeln macht er sich breit, als Krimiautor, und das gleich doppelt. Von seiner Bordeaux-Reihe um Commissaire Luc Verlain („Retour“, „Château Mort“, beide bei Hoffmann & Campe) erscheint im November mit „Winteraustern“ ein dritter Teil. „Und auch die zypriotische Polizistin Sofia Perikles wird nach ihrem Debüt in "Tod auf dem Aphroditefelsen" (Atlantic Verlag) ein weiteres Mal ermitteln: „In einem spannenden Fall um verschwundene Kunstschätze.“

Veit Heinichen

Im Südwesten Deutschlands aufgewachsen,  kam Veit Heinichen erstmals 1980 nach Triest. „Samt Umland ist das dank zentraler Lage und der vielen Grenzen  eine exemplarische Region in Europa und dem Mittelmeerraum“, sagt der Autor. Mit seiner Krimifigur des Commissario Laurenti stieß er dabei mehrmals in ein Wespennest.

„Andere mögen Märchen erzählen“, behauptet er. „Mich interessiert die Authentizität, d.h. die Wahrhaftigkeit von Stoffen und Protagonisten, auch wenn ich sie erfinde. Dabei berühre ich durchaus vertuschte oder tabuisierte Themen. Da wird Erzählen zu einem demokratiesierenden Element, in dem der Missbrauch und die Besetzung, samt Verfälschung von Fakten auf den Tisch kommen. Das mag manchen, die sich ihrer bisher bemächtigt haben, um politischen oder ökonomischen Vorteil daraus zu ziehen, nicht passen. Doch das Recht auf freie Meinungsäußerung als stärkster demokratischer Wert verlangt geradezu danach, Schattengesellschaften ans Licht zu zerren“.

Dass Veit Heinichen damit breite Leserschichten erreicht, „ist ihnen ein Dorn im Auge. Für den Autor bedeutet das, gerichtsbeständig zu schreiben. Aber allzu harmoniesüchtig darf man dabei ohnehin nicht sein.“  

Claudia Rossbacher

Gratulation! Die frühere Werbetexterin schuf  ihre eigene Marke,  den „Steirerkrimi“. Ihre Ermittlerin Sandra Mohr bearbeitet soeben ihren neunten Fall. 

Über ihre Anfänge als Krimiautorin meint sie: "Die Handlung des ersten Falls von Sandra Mohr und Sascha Bergmann beginnt im Wald. Ich hätte sie auch im nahen Wienerwald ansiedeln können, wollte aber weder in Wien noch in St. Pölten gedanklich ermitteln müssen.  Dann habe ich mich an meine Kindheit erinnert. Als Stadtkind bin ich einige Male ins Ferienlager in die Steiermark geschickt worden und habe mich dort, am Reinischkogel mitten im Wald, ausgesprochen frei und wohl gefühlt. Außerdem bin ich mit einem Steirer verheiratet. Also habe ich mich kurzentschlossen für das waldreichste Bundesland entschieden und es nie bereut. Mittlerweile lebe ich ganz in der Nähe des Ferienlagers meiner Kindheit am Reinischkogel."

Claudia Rossbacher weiter: „Da ich mich durch die gesamte Steiermark morde, muss ich mich immer auf andere Regionen und Menschen einlassen. Es ist ja ein großer Unterschied, ob jemand im Vulkanland lebt, das von der Landwirtschaft geprägt ist, oder in Schladming, wo der Sporttourismus eine zentrale Rolle spielt.“ Im aktuellen Fall, „Steirerrausch“,  macht sich der alte „Spuk von Trebian“ bemerkbar. Dennoch ist die Story alles andere als altvaterisch oder provinziell, denn: „Die Landbevölkerung unterliegt in einer globalisierten Welt denselben medialen Einflüssen wie Stadtmenschen, die sich oft für so viel gebildeter, weltoffener und -gewandter halten.“