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freizeit
07/27/2019

Der Kaiser, die Callas und Niki Lauda: Grado, das "Saint Tropez" der Adria

Eine Reise ans Meer führt viele Österreicher seit Kindheitstagen nach Grado. Kein Wunder, hat der Badeort doch altösterreichische Wurzeln.

von Andreas Schwarz

 Was haben Kaiser Franz Joseph und Niki Lauda, die große Maria Callas und Trixi Schuba, Yves Saint-Laurent und die  Familien Lenz-Moser (Wein), Nonino (Grappa) und Hausbrandt (Kaffee), der Architekt Otto Wagner und der Schauspieler Erwin Steinhauer miteinander gemein? Sie und noch viele andere waren bzw. sind Grado-Fans und/oder haben Grado seit der Kindheit regelmäßig besucht. Der Badeort mit altösterreichischen Wurzeln hat auch dank seiner prominenten Gäste über die Jahrzehnte mehrfach den Spitznamen „Saint Tropez der oberen Adria“ getragen.
 

Heilsamen Sand aus Grado

Obwohl: Das mit dem Kaiser und Grado ist so eine eigene Geschichte. Er hat das in den Gefilden der Monarchie liegende und langsam aufstrebende Fischerdorf 1892 per Dekret zum „Kur- und Seebad“ erhoben; er hat den kreuzarmen Gradesern mit ordentlichen Geldzuwendungen unter die Arme gegriffen; er hat heilsamen Sand aus Grado ins Sommerbad Edlach an der Rax bringen lassen; und ein schmiedeeisernes Tor mit den Kaiserinitialen im Zaun zum Gradeser Strand heißt heute noch „Kaisertürl“. Aber ob Franz Joseph je durch selbiges geschritten ist, wie die Legende zu wissen glaubt …
 

Gesichert ist, dass die Sommerfrische des k. u. k Küstenlandes ab der Wende zum 20. Jahrhundert ihren Aufschwung nahm. Zunächst als Heilungsort für Kinder mit Rachitis und Skrofulose bekannt, gaben einander bald der Hoch- und Niederadel aus Bayern und der Monarchie, Industrielle, Ärzte und Künstler die Türen der zunächst noch spärlich gesäten Hotels und Villen in die Hand. Diese Villen wurden neben dem flachen Strand und der hölzernen Badeanstalt mit ihrer Restauration – man speiste österreichische und böhmische Braten und trank Pilsener Bier – zum Zentrum Grados. Und ein paar dieser altösterreichischen Villen gibt es heute noch:  Die Ville Bianchi, fünf um 1900 erbaute Häuser am Strand, die so auch in Hietzing, Döbling oder im Salzkammergut stehen könnten. Für ihre Errichtung wurde extra – so wie für einen Gutteil des heute existierenden Grado abseits der Altstadt – Land am Rande von Lagune und Sumpf aufgeschüttet. Ein Baron Bianchi, Nachfahre einer alten Mailänder Adelsfamilie, hat die Villen für seine Kinder erbaut – bald wurden die Häuser eine Pension.
 

Die Villa Reale vis-a-vis, zehn Jahre später vom Wiener Fischfabrikanten Hugo Anbelang errichtet (auf ihn und seinen Onkel geht die Erfindung der Sardinendosen zurück, die in Fischfabriken in Grado produziert wurden) ist ein Schmuckstück Wiener Architektur ebenso wie die Villa Bernt oder die Villa Erica – sie alle erzählen Geschichte und sind Schauplatz unzähliger Geschichten aus einer lange vergangenen Epoche – bis heute.    
 

Trixi Schuba zum Beispiel. Dass sie 1972 Eiskunstlauf-Olympiasiegerin wurde, verdankt sie nicht zuletzt Grado. Die Wienerin, ein typisches Gradosommer-Kind, verbrachte Jahr für Jahr die Sommerferien mit den Eltern in der Villa Reala und frequentierte mit vier den dortigen Rollschuhplatz – ein Startvorteil später auf dem Wiener Eislaufverein.Nikis „Trauma“ Grado Nicht alle waren von Grado begeistert: Sigmund Freud, Vielreisender um die Jahrhundertwende, erinnert sich in Briefen „grantig“ an die furchtbare Anreise per stinkendem Dampfboot nach Grado (damals war Grado eine Insel, der Zug fuhr nur bis Belvedere am Sumpf- und Lagunenrand). Niki Lauda erinnerte sich Monate vor seinem Tod noch an das „Trauma“ Grado, „jeden Sommer, 14 Tage lang, über Jahre hinweg, furchtbar“ – aber Bruder Florian relativiert: Die Urlaube mit dem Großvater in den Ville Bianchi hätten sie alle genossen  – „der Niki ist so, der sagt sowas halt“. Eine Bianchi-Nachfahrin will von dem späteren Formel 1-Weltmeister auf den nächtlichen Straßen nahe Grado gar das Autofahren gelernt haben
 

Generationen von italienischen Star-Fußballern nahmen in Grado Sandbäder. Pier Paolo Pasolini drehte mit der Diva Maria Callas in der wunderbaren Lagune den Film  „Medea“ (und die Blitzlichtwelt fragte sich, ob die Callas den homophilen Starregisseur gerade betörte). Politiker, österreichische und italienische, haben heute noch ihr Refugium in Grado, das trotz vieler Strandschirmreihen so anders ist als die übrigen Badeorte an der Adria. Burgschauspieler, Medienleute, Ärzte, sie alle waren und sind Grado-Immerwiederkehrer. Ein bisschen liegt’s auch an der Küche, die nicht nur in den zahllosen Restaurants, sondern vor allem in den Villen gepflegt wird. Erwin Steinhauer, der Filme in Grado drehte und für Genussbücher recherchierte, zitiert das alte Gradeser (oder Triestiner, egal) Sprichwort „Mai si manja sul stomigo svodo“ („Man isst nicht auf leeren Magen“). Sonst fallen ihm nur zwei Worte ein: „Genuss und Glück!“

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