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freizeit
12/10/2020

Der Duft von Weihnachten: Geschichten und Rezepte

Es sind diese speziellen Aromen, die den Zauber des Advents ausmachen – nach wärmendem Zimt, Mandarinenschalen oder Vanille.

von Gabriele Kuhn

Weihnachten ist ein Fest der Sinne – vor allem des Geruchssinns. Mit dem Duft von Mandarinen, Orangen, Nelken, Vanille, Piment oder Zimt verbinden wir einen besonderen Zauber. Kerzen flackern, wir singen Weihnachtslieder, backen Kekse, schlürfen Punsch aus großen Häferln. So riecht Vorfreude, so duftet aber auch Erinnerung. Düfte wirken, ziehen Spuren und nisten sich tief in unserem Gedächtnis ein – ein Leben lang, wissen Geruchsforscher. Wir riechen – also fühlen wir. Dabei läuft ein innerer Film ab. Abhängig vom Kulturkreis, in dem wir aufwachsen, erzeugen jeweils andere Gerüche Stimmung. In Mexiko, zum Beispiel, wird in den Tagen vor Weihnachten gerne „Ponche navideño“ zubereitet – er riecht nach Guaven, Tamarinden, Hibiskus und Zimt. Die meisten Briten hingegen verbinden Weihnachten mit dem Duft von Truthahn oder „Mince pie“, eine Art Pastete aus Faschiertem.

„Gerüche sind Zeitmaschinen“, beschreibt es die Geruchsforscherin und Psychologin Bettina M. Pause anschaulich in ihrem Buch „Alles Geruchssache“: „In Sekundenschnelle reisen wir in die Vergangenheit, oft in die Kindheit.“ Die Nase als „verlängertes Gehirn“: Indem wir etwas erschnuppern, erleben wir Zeitsprünge und sehen längst vergangene innere Bilder, die mit Emotionen verknüpft werden. Waren die Erinnerungen schön, fühlen wir uns geborgen und wohl. Diesen Effekt nützt etwa der  britische Bartender Tony Conigliaro, der in seinem Lokal „69 Colebrooke Row“ in London Gerüche verwendet, um positive Erinnerungen und Assoziationen zu erzeugen. Seine Drinks riechen nach Weihrauch, Lippenstift oder Rosengärten.

Zutaten:

½ l Granatapfelsaft
½ l Cranberrysaft
1 l Rotwein
1 Granatapfel
1 Orange (bio)
Mark einer Vanilleschote
2 Stangen Zimt
5 Gewürznelken
2 Stück Sternanis
1 größeres Stück Ingwer, geschält

Zubereitung:

Granatapfel- und Cranberrysaft sowie Rotwein in einen großen Topf füllen. Die Orange halbieren, eine Hälfte auspressen, die andere Hälfte waschen und in Scheiben schneiden. Den Granatapfel teilen, eine Hälfte auspressen. Vom Rest die Kerne auslösen. Den Saft der Orangen und des Granatapfels, mit den Orangenscheiben und Granatapfelkernen in den Topf geben. Vanilleschote auskratzen, das Mark, gemeinsam mit den anderen Gewürzen, zufügen. Das alles  bei mittlerer Hitze 15 Minuten erhitzen, aber nicht kochen.  Danach vom Topf und mindestens zwei Stunden lang ziehen lassen. Heiß in Punschgläser oder Häferl füllen.

Wissenschaftler nennen dieses Phänomen „Madeleine-Effekt“, angelehnt an das Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust. Es handelt von Erinnerungen, die ein Geruch auslöste. Der Duft von Madeleines, dem typisch französischem Gebäck, das vom erwachsenen Erzähler in eine Tasse Lindenblütentee getunkt wird und bei ihm ganz plötzlich eine Erinnerungskaskade aus der Kindheit auslöst.

Es ist der Geruchssinn, der ihm hilft, die verlorene Zeit wiederzufinden: „In der Sekunde nun, als dieser mit dem Kuchengeschmack gemischte Schluck Tee meinen Gaumen berührte, zuckte ich zusammen und war wie gebannt durch etwas Ungewöhnliches, das sich in mir vollzog. Ein unerhörtes Glücksgefühl, das ganz für sich allein bestand und dessen Grund mir unbekannt blieb, hatte mich durchströmt.“

Zutaten:

250 g Butter (weich)
150 g Haselnusskerne
50 g Orangeat
250 g Mehl
2 TL Weinsteinbackpulver
30 g Kakaopulver
2 TL Lebkuchengewürz
150 g Zucker
50 g brauner Zucker
1 Prise Salz
100 g Marzipanrohmasse
 (zimmerwarm)
5 Eier (Kl. M)
150 ml trockener Rotwein
3 El Staubzucker

Zubereitung:

Gugelhupfform (2 l Inhalt) mit etwas Butter einfetten. Nüsse grob hacken und auf ein Backblech streuen. Im vorgeheizten Backrohr bei 175 Grad (Umluft 160 Grad) auf der 2. Schiene von oben 7-10 Minuten goldgelb rösten. Danach herausnehmen und abkühlen lassen. Orangeat sehr fein hacken. Mit dem Mehl mischen und zwischen den Händen leicht zerreiben. Die Stückchen sollen dann nicht mehr aneinanderkleben. Backpulver, Kakao und Lebkuchengewürz untermischen. Restliche Butter, Zucker, brauner Zucker und 1 Prise Salz in eine Rührschüssel geben. Das Marzipan grob zerkleinern und zufügen.

Alles mit dem Schneebesen der Küchenmaschine (oder mit dem Handmixer) so lange rühren, bis die Masse richtig schön schaumig ist. Die ganzen Eier nacheinander kurz unterrühren. Bei kleinster Stufe abwechselnd Mehlmischung und Rotwein unterrühren, am Schluss die Nüsse unterheben. Nun den Teig in die Form füllen und im vorgeheizten Backofen bei 175 Grad (Umluft 160 Grad) auf der 2. Schiene von unten 50 Minuten backen. Den Gugelhupf aus dem Backofen nehmen und 10 Minuten in der Form abkühlen lassen. Auf ein Kuchengitter stürzen und vollständig abkühlen lassen. Mit Staubzucker
bestäuben.

Darum geht es gerade jetzt mehr denn je: sich mit Hilfe von einfachen Geruchserlebnissen den Zauber von Weihnachten nach Hause zu holen – und ein zeitlos-schönes Gefühl von Glück. Ein paar Ideen:

Gewürzkese, Grog und Kränze

Vanille, Sternanis, Kardamom, Muskatnuss, Piment, Nelken und Zimt: Diese sieben Gewürze werden in unserem Kulturkreis eindeutig mit der Weihnachtszeit verbunden und kommen auch in vielen, für diese Zeit, typischen Süßigkeiten vor, wie etwa Lebkuchen oder Gewürzkekse.
Dabei entfalten sie auch ihre gesundheitliche Wirkung. Ein paar Nelken im Rotkraut als Beilage zur Weihnachtsgans, etwas Kardamom in Wild- und Fleischgerichten geben dem Gericht nicht nur einen weihnachtlichen Pep, sondern wirken auch positiv auf die Verdauung.

Wer seine Wohnung einen ganzen Nachmittag lang in ein duftendes Weihnachtsparadies verwandeln möchte, kocht am besten einen großen Topf mit Punsch, Glühwein oder Grog, bäckt Kekse oder, herrlich: Zimtschnecken. Bratäpfel sind auch nicht zu verachten. Gerade der Geruch von Zimt wirkt wärmend und stärkt die Seele. Man kann Gewürze aber nicht nur ins Essen tun, sondern damit aromatische Gewürzkugeln oder Kränze basteln. Das klappt  mit Sternanis, Nelken, Zimtstangen, Kardamomkapseln, die auf einen Kranz oder eine Kugel aus Styropor geklebt (am besten mit Heißklebepistole), und, im Raum aufgehängt, Weihnachtsduft verströmen.

Weihnachten im Glas

Dafür braucht’s nur eine Mandarine, Nelken, Zimtstangen, etwas Rosmarin, Zitronen sowie ganze Vanilleschoten, eventuell frische Cranberries, Wasser und ein paar Fichten- oder Tannenzweige. Das alles kommt in ein großes Marmeladenglas und wird mit heißem Wasser aufgefüllt, so duftet es besonders intensiv. Im Wohnzimmer aufstellen, Wasser regelmäßig wechseln und schnuppern.

Selbst gemachte Duft-Girlande

Dafür braucht man nur eine schöne Kordel, ein paar Schnüre und Christbaumhaken: Zimt, getrocknete Orangenscheiben sowie andere Gewürze binden, oben eine Schlaufe machen und mit Hilfe der Haken auf eine Kordel hängen.

Orangen-Igel

Erinnern Sie sich vielleicht auch noch an die Omama, wie sie, pünktlich zum ersten Advent, die Schalen der Zitrusfrüchte auf den Ofen gelegt hat? Durch das Trocknen werden Aromen freigesetzt – danach kann man sie mit ein paar Tannenzweigen und Zapfen in eine Schüssel legen oder das Fensterbrett damit dekorieren. Oder aber man lässt ganze Orangenscheiben im Backrohr trocknen und verwendet sie als Raumduft. Ganz einfach zu basteln, vor allem mit Kindern: der Orangen-Mandarinen-Igel. Mit Nelken gespickte Früchte, die, auf den Heizkörper gelegt, ein intensives Aroma verströmen.

Zu guter Letzt eine Frage: Wonach duftet Schnee? Manche Menschen sind überzeugt, dass sie den Schnee in der Nase wahrnehmen können. Sie sagen: „Der Schnee kommt, ich rieche ihn schon …“. Ein hübscher Gedanke, doch rein wissenschaftlich betrachtet, hat Schnee keinen Geruch, er besteht aus gefrorenem Wasser. Möglicherweise ist das, was unsere Nase wahrnimmt, nichts anderes als ein Geruchsmix aus Nichts, Klarheit und Kälte. Genießen sollten wir dieses „Nichts“ aber trotzdem, als besonderen Moment unseres ganz persönlichen Weihachtsduft-Winter-Wunderlands.

Noch mehr Rezepte

Zutaten:
1 Bio-Orange,
1 Vanilleschote,
etwas Zimt,
Anis,
1 grob zerstoßene Kardamomkapsel,
2 Nelken,
 ½ TL Honig,
1 Prise Salz,
evtl. etwas Grand Marnier

Zubereitung:
Etwas Wasser in einen Topf geben, köchelnd heiß werden lassen. Gewürze und Honig zugeben, mit 1 Prise Salz würzen. Orange schälen, in Scheiben oder Filets schneiden und in diesen Sud legen. Die Früchte sollen nicht kochen, sondern nur warm werden. Evtl. mit einem Schuss Grand Marnier verfeinern. Kann man auch zum Porridge morgens essen (ohne Alkohol, natürlich) und macht gute Laune.

Zutaten:
6 Stk. Spekulatius
250 g Marzipan-Rohmasse
Eiklar von einem Ei
Etwas Zimt, Muskatnuss,
Kardamom, Nelke
Fett für die Form
2 EL Mandelblättchen
1/2 Pk. Vanillepudding-Pulver
40 g Zucker
0,5 l Milch
1 großes TK-Sackerl

Zubereitung:

Backrohr auf 200 Grad (Umluft 175 Grad) vorheizen. Spekulatius in das Sackerl geben, verschließen und nun mit dem Nudelwalker gut zerbröseln. Das Marzipan grob reiben. Marzipan, Eiklar und die Keksbrösel mit dem Schneebesen des Handmixers verrühren. Die Äpfel waschen, Deckel abschneiden (auf-
heben!), und  das Kerngehäuse mit einem Apfelausstecher herausholen. Das Innere mit der Marzipan-Keksmasse füllen, leicht andrücken. Eine Auflaufform fetten, die Bratäpfel hineinstellen, mit dem Apfeldeckel zudecken. Etwa 45 Minuten braten, evtl. kurz vor Ende der Bratzeit abdecken. Die
Mandelblättchen ohne Fett anrösten, auskühlen lassen. Puddingpulver, Zucker und 6 EL Milch verrühren. Restliche Milch aufkochen, die Milch-Pulver-Mischung hineingeben und unter stetem Rühren eine Minute leicht köcheln. Bratäpfel mit Sauce und Mandelblättchen servieren.

TIPP: Für dieses Rezept  am besten säuerliche Äpfel wählen, besonders geeignet ist die Sorte Boskop. Das Rezept lässt sich auch abwandeln. Etwa gehackte Schokolade zugeben, bitter oder süß. So lassen sich z. B. Schokonikolo-Reste verarbeiten.  Wer Rosinen mag, peppt damit die Fülle auf. Alternativ zur Vanillesauce passt auch Schoko- oder Himbeersauce dazu. Dafür tiefgekühlte Himbeeren nehmen, auftauen lassen, pürieren und erwärmen.

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