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freizeit
10/04/2019

Das andere Interview: "Wenzel Beck googelt sich selbst"

Der Newcomer mit der Samt-Stimme hat derzeit anderes zu tun, als mit der Freizeit im Internet zu surfen. Für uns hat er eine Ausnahme gemacht.

von Barbara Reiter

Wir treffen Wenzel Beck in der Wohnung seiner Eltern. „Kommt’s rein! Wo wollt’s die Fotos machen? In meinem Zimmer?“ Sein Zimmer ist eigentlich keines, viel mehr ist es ein Studio voller Instrumente und allem, was ein Musiker so braucht. Einen Laptop zum Beispiel, mit dem er sich gleich selber googeln wird. "Sich selbst googeln" hat als Begriff sogar Einzug in den Duden gefunden. Obwohl kaum jemand zugibt, nach der eigenen Person im Internet zu suchen.

Wenzel hat unseren Vorschlag angenommen. Eigentlich hat er nach Veröffentlichung seines Debüt-Albums „Immer wieder“ genug zu tun, aber Promo muss sein. Und ein Google-Interview „ist mal was anderes“. Wir wollen gleich an die Hard Facts ran und geben „Wenzel Beck Skandale“ in die Suchmaschine ein. Aber sie spuckt nur einen Artikel mit dem Titel: „Eine rare Erfolgsformel: Mathematik, Musik und Moral“ aus. Wo bleiben da Sex, Drugs ’n’ Rock ’n’ Roll? „Es gibt schon den ein oder anderen Beef, aber eigentlich mag ich Harmonie.“ Beef? Das Hungergefühl lässt nicht lange auf sich warten. Aber so war das wohl nicht gemeint. Auf ein fragendes Gesicht folgt Becks Antwort in einem neuen Satz. „Aber man muss nicht jedem Streit aus dem Weg gehen.“ Aha!

Bekannt geworden ist der Wiener mit wunderschönen Dialekt-Liedern und dem Ostbahn Kurti als seinen Mentor. Das Internet ist voll von Artikeln über „den Willi“ und ihn. „Ich spiele im Oktober drei Konzerte mit ihm.“ Angst davor, dass der Kurtl in jedem Interview Thema sein wird, hat er aber nicht. „Das ist doch was Schönes.  Ich bin ja nicht sein Anhängsel, sondern mache etwas Eigenes.“ Neben der Musik studiert der Einser-Maturant übrigens   Technische Mathematik. „Damit ich an meine Grenzen komme.“ Trotzdem ist er in der Mindestzeit. „Fast. Die Musik geht vor.“

Suchbegriff: "Wenzel Beck Alter"

Wenzels Kommentar: Er ist gerade einmal 19 Jahre alt“, steht da in einem der ersten Artikel über mich. Mittlerweile bin ich 20, aber mein Alter ist massiv ein Thema.  Manchmal habe ich das Gefühl, das ist der Versuch, mich in das  „Wunderkind-Korsett“ zu pressen. Doch darauf kann ich mich nicht ausruhen. Ich will nicht, dass die Leute sagen: „Der ist so lieb und spielt so schön Gitarre.“ Dazu habe ich auch den Song  „Kleiner Star“ geschrieben. Ich möchte mich mit meinen größten Idolen  messen können.

 

Suchbegriff: Wenzel Beck Eltern

Wenzels Kommentar: Wenn ich „Wenzel Beck und Eltern“ google, wird auch der Willi (Anm.: Ostbahn Kurti) als mein Adoptivvater genannt. Das kommt von seiner Band „Familienbande“, wo sein Sohn seine Tochter und ich mitspielen. Da ich kein echtes Familienmitglied bin, stellt er mich als Adoptivsohn oder -enkel vor. Seither fragen mich die Leute oft, ob wir verwandt sind.

Suchbegriff: Wenzel Beck Ostbahn Kurti Stadthalle"

Zu Willis 50-jährigem Bühnenjubiläum durfte ich mit ihm in der Stadthalle spielen. Wenn ich meine Auftritte google, erscheint ein Video davon. Noch Monate später haben mich Menschen auf den Auftritt angesprochen. In solchen Momenten wird mir dann erst wieder bewusst: Arg, du hast in der Stadthalle gespielt! Bei mir ist das Nach-vorn-Schauen so ausgeprägt, dass ich solche Momente im Alltag vergesse. Wenn ich  mich durch Gespräche daran erinnere, ist das schon sehr cool.

Suchbegriff: "Wenzel Beck Songs Dialekt"

Dass ich im Dialekt singe, ist in jeder Geschichte über mich Thema. Eigentlich ist es ein Kunstdialekt, der sich ergeben  hat, weil Hochdeutsch alleine eine sehr harte, brutale Sprache ist. Mit der Mischung aus beidem hebe ich mich von anderen Musikern ab. Ich möchte mich aber nicht nur auf eine Sprache festlegen und singe live auch auf Englisch. Der Vorteil von Dialekt ist aber,   dass mich hier jeder versteht. So kann  ich in die Tiefe gehen.

Wenzel Beck, 20, wurde 1999 in Wien geboren und hat eine jüngere Schwester. Sein Vater ist Fotograf, seine Mutter unterrichtet Geige. Beck konnte kaum gehen, als er schon zur Musik von „Police“ tanzte. Sobald er kraxeln konnte, erklomm er den Klavierhocker, um in die Tasten zu hauen. Eine Karriere war vorgezeichnet und der Entschluss Musiker zu werden gefasst, nachdem er als Kind auf dem Schoß von „Depeche-Mode-Drummer“ Christian Aigner Schlagzeug spielen durfte. Songs schreibt Beck seit einigen Jahren. In einem mutigen Moment spielte er sie dem „Ostbahn Kurti“ vor, der seither sein Mentor ist. Soeben ist Becks erstes Album erschienen.

Wenzel Beck hören: Das Album „Immer wieder“ ist soeben erschienen. Wenzel Beck sehen: Next Stop 25.10. Bühne im Hof, St. Pölten. www.wenzelbeck.com

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