freizeit
04.08.2018

DAMALS IM FREIBAD: Tommy Bolin, Clint Eastwood - und die Mädchen

Ein jugendlicher Mitarbeiter hat die gesamte "freizeit"-Redaktion dazu gebracht, ihre frühen Sommererinnerungen aufzuschreiben. Hier mein persönlicher Beitrag.

Große Freiheit „Lepi“, so nannten wir das Leopoldskroner Freibad in Salzburg in den 70ern. Alle waren da. Immer. Die Jungs von der Band, von der Schule. Mädchen auch, fremd, warm, duftend, aber zumindest für mich so wenig greifbar wie Feen oder Nymphen. Naturgottheiten, deren Gegenwart ich als flüchtige Gunst hinnahm und dümmlich grinsend genoss. Mit 13 war ich bei Weitem der Jüngste, eine Niete im Tischfußball und ohne nennenswertes Taschengeld auch nicht in der Lage, durch vermehrtes Training besser zu werden. Aber ich konnte Gitarre spielen und hatte als Einziger einen batteriebetriebenen Kassettenrekorder mit den besten Mixtapes der Stadt. Das half. Hin und wieder spendierte mir Lois oder einer der anderen knallharten 16-Jährigen ein Bier. Gemeinsam rauchten wir die Zigaretten, die ich meiner amerikanischen Tante, die auf Urlaub in Österreich war, gestohlen hatte. Extralange More, tabakbraun und dünn. Wie Clint Eastwood in die erbarmungslose Sonne blinzelnd, bliesen wir den Rauch aus den Mundwinkeln, während Bruder Tommy Bolin  im Kassettenrekorder den Teufel schüttelte.

Jeder Tag roch nach Sonne, frisch gemähtem Gras, Tabak, Chlorwasser und dem Mädchen-Mix aus Delial, Nivea und Pfirsichshampoo. Manchmal, bei den richtigen Songs, setzten Birgit und Martina sich neben mich und summten mit. Manchmal saßen wir so eng, dass ich die feinen Härchen ihrer Beine an meinen Oberschenkeln spüren konnte und die Knoten der Bänder, die die Dreiecke ihrer Bikinis zusammenhielten, an der Hüfte. Sie banden immer extrafeste Knoten, weil Lois und die anderen Jungs einen Sport daraus gemacht hatten, einfache Maschen mit blitzschnellen Handbewegungen zu öffnen. Die Mädchen kreischten, schienen aber irgendwie darauf zu warten. Einmal, es war schon spät im Sommer, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen. Auch weil die Masche, die mir wie so oft vertrauensvoll in die Seite gedrückt wurde, ungewohnt dünn zu sein schien. Ich bekam das Bändchen zu fassen. Das Mädchen sah mich zuerst erstaunt, dann flehentlich an. Sie versuchte, meine Hand festzuhalten.

Habe ich angezogen? Egal, als sie nach Badeschluss mit einem der großen Jungs hinter dem Leopoldskroner Weiher verschwand, statt mit uns anderen in die Stadt zurückzuradeln, war ich jedenfalls sicher, die falsche Entscheidung getroffen zu haben …