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DAILY
04/10/2020

APP oder NO APP? Deutscher Star-Virologe spricht sich dafür aus

Eine App zur Nachverfolgung von Kontakten könnte schneller zur Aufhebung von Beschränkungen führen, meint Christian Drosten von der Berliner Charité.

von Richard Grasl

Christian Drosten ist in der deutschen Corona-Krise das, was Peter Filzmaier in Österreich bei Wahlkämpfen ist. Fast täglich beantwortet er wichtige Fragen zum Virus. Er kann das so erklären, dass man es versteht. Sein Podcast mit dem öffentlich-rechtlichen NDR führt alle Podcast-Charts an (nicht nur die zum Spezialgebiet Corona, sondern alle; auch jene in Österreich), sein Wort hat daher Gewicht.

Die Hamburger ZEIT hat schon die Frage aufgeworfen, ob er Deutschlands nächster Kanzler wird. Aber eher deswegen, weil sich die deutsche Innenpolitik in Corona-Sachfragen sehr bewusst und öffentlich einem Expertengremium unterwirft.

Drosten von APP begeistert

In seinem jüngsten Podcast zeigt sich Drosten nun von einer App-Lösung zur lokalen Speicherung von Bewegungsprofilen samt Kontaktinformationen begeistert. "Wenn ich als Infizierter Symptome bekomme, ist derjenige, den ich am Anfang infiziert habe, auch schon wieder infektiös", sagt er. Zu Beginn der eigenen Erkrankung werde also schon fast wieder die übernächste Generation von Infizierten gestartet. Deshalb kämen die Gesundheitsämter mit dem Nachverfolgen von Infektionsketten oft zu spät.

Drosten geht daher sogar einen Schritt weiter und behauptet, dass die App unbedingt sein müsse. Freilich freiwillig, aber dann müsse man halt so viele wie möglich davon begeistern, mitzumachen. Rund die Hälfte aller Infektionen findet nämlich statt, ohne dass der Überträger des Virus überhaupt weiß, dass er infiziert sei. Die App könnte jemanden warnen, dass er einen bereits Infizierten getroffen hat.

Viele EU-Länder pro APP

Das Magazin Politico schreibt bereits von vielen Ländern in Europa, die massiv an der Entwicklung eigener Apps arbeiten. Norwegen, Irland, Großbritannien, Frankreich und Spanien signalisieren, dass sie ihre eigenen Apps entwickeln wollen. In Polen gibt es diese schon, und der Einsatz der App ist für Infizierte verpflichtend. Die Daten werden bei der Regierungsbehörde sechs Jahre lang gespeichert. Damit sollen Infizierte und Menschen in Quarantäne auch überwacht werden, ob sie sich an die Vorschriften halten. Dennoch kommt jeder, der die App installiert hatte, fast täglich Besuch von der Polizei. Bei Verstößen gegen die Auflagen drohen in Polen übrigens horrende Strafen von mehr als 5.000 Euro.

In Österreich freiwillig

In Österreich setzen Politiker und das Rote Kreuz hingegen nun auf die Freiwilligkeit von Nutzern, nachdem es am vergangenen Wochenende einen handfesten Konflikt in der Koalition gegeben hat. Die App des Roten Kreuzes, "Stopp Corona", sollte gestern mit neuen Features ausgestattet werden (am Handy des Autors ist die neue Version bisher nicht angekommen), Datenschützer halten sie bisher auch für unbedenklich.

Eine verpflichtende Einführung der App wird eindeutig abgelehnt

Die Bevölkerung kann sich Freiwilligkeit vorstellen, eine Verpflichtung nicht. Drei Viertel (77 Prozent) der Befragten einer Gallup-Umfrage können sich zwar die Anwendung einer solchen App auf freiwilliger Basis vorstellen, eine verpflichtende Einführung wird jedoch eindeutig abgelehnt, nämlich von 72 Prozent. Nur von einer Minderheit (21 Prozent) wird die Zwangsvariante als akzeptabel angesehen.

Die aktuelle Corona-Lage

In einigen Ländern Europas verlangsamt sich die Infektions- und Sterblichkeitskurve (auf generell hohem Niveau) langsam. In Spanien, Frankreich, Italien und Großbritannien starben gestern wieder zwischen 600 und 1.100 Menschen. Hotspot in der westlichen Welt ist aber weiter New York. Wie Gouverneur Andrew Cuomo am Donnerstag sagte, starben innerhalb eines Tages 799 Menschen an den Folgen einer Infektion – die höchste bislang gemeldete Zahl. Insgesamt verzeichnete New York damit bislang 7067 Coronavirus-Tote.

Coronavirus in New York

Cuomo sprach gestern von einem "Albtraum", obwohl die Hospitalisierungszahlen erstmals leicht zurückgegangen sind. An den Einschränkungen dürfe man noch längere Zeit nichts ändern, so Cuomo.

 

 

 

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