Eine Malerin im Glanz von Wien um 1900: Broncia Koller-Pinell (1863 – 1934) war vor 30 Jahren schon fast vergessen. Heute gilt sie als herausragendste Malerin im Umkreis der Wiener Secession. Die Wiener Schriftstellerin und Salonnière Berta Zuckerkandl beschrieb sie als „vollblütige freudige Künstlernatur“. Im niederösterreichischen Landesmuseum in St. Pölten zum 150. Geburtstag von Koller-Pinell ausgestellt: „Stilleben mit Früchten und Papagei“, 1910

© Landesmuseum NÖ/Peter Böttcher

Kunst
11/29/2013

Strenge Schönheit

Sie war mit Schiele befreundet, mit Freud und Klimt. Sie malte Alma Mahlers Tochter Anna. Zum 150. Geburtstag von Broncia Koller-Pinell zeigt das Landesmuseum Niederösterreich die wichtigsten Werke der Frau, die im Leben eine Doppelrolle spielte: Sie war Künstlerin und Mäzenin.

von Werner Rosenberger

Sie gehörte um 1900 zum Kreis um Gustav Klimt und hatte ein klares Lebensprinzip: „Mein Werk ist wichtiger – man darf nicht durch Ärger sich schwächen.“ Broncia Koller-Pinell (1863–1934) konnte bereits zu einer Zeit, als Frauen in den Malerakademien noch nicht einmal zugelassen waren, mit nur 25 Jahren ihre Werke bei der „Internationalen Kunstausstellung“ in Wien 1888 erstmals öffentlich präsentieren. Außerdem fünf Jahre später im Münchner Glaspalast und sogar bei der Weltausstellung in Chicago. Nach der Jahrhundertwende begann ihr sukzessiver Aufstieg in die Maler-Elite Österreichs, nicht zuletzt durch ihre Kontakte zu den Künstlern der Wiener Secession und der Wiener Werkstätte. Mit der Ausstellung ihrer Werke bei der Kunstschau 1908 und 1909 ist ein erster Höhepunkt erreicht. Ins Jahr 1911 fällt eine gemeinsame Ausstellung mit Heinrich Schröder in der Wiener Galerie Miethke. 1919 beteiligt sie sich an der ersten Ausstellung der Künstlergruppe „Wassermann“ in Salzburg. Zugang zu den Wiener Künstlerzirkeln findet die Malerin durch ihren Mann, den Physiker und Arzt Hugo Koller, der als Kunstmäzen und Sammler enge Bindungen zum Secessionskreis hat. Ihre zwei Stadtwohnungen lassen sich die Kollers ebenso von Josef Hoffmann gestalten und von Koloman Moser ausstatten wie ihr Landhaus in Oberwaltersdorf. Dort besuchen Sigmund Freud, Gustav Klimt, Gustav und Alma Mahler, Egon Schiele, Hermann Broch u. v. a. das Paar. Zu den Künstlern, mit denen das Ehepaar Koller nicht nur regen Kontakt pflegt, sondern die es auch finanziell unterstützt, gehört Egon Schiele, der Ende Mai 1918, wenige Monate vor seinem Tod, ein großes Porträt von Hugo Koller malt. Koller-Pinell wiederum fertigt Bildnisse von Edith und Egon Schiele an.

Selbstbildnis, um 1930

Anna, Alma Mahlers Tochter, von Koller-Pinell 1921 porträtiert, ist von der Künstlerin fasziniert und heiratet mit erst 16 Jahren deren Sohn Rupert. Allerdings scheitert die Hals über Kopf geschlossene Ehe mit dem acht Jahre älteren Dirigenten nach wenigen Monaten. Anna geht dann mit dem Komponisten Ernst Krenek nach Berlin – und studiert nach ihrem Vorbild Malerei an der Kunstakademie in Charlottenburg.

Die aktuelle Ausstellung zum 150. Geburtstag von Broncia Koller-Pinell „dokumentiert mehr als 40 Jahre ihrer künstlerischen Arbeit, stets in Auseinandersetzung mit aktuellen Kunstströmungen und großen Malerpersönlichkeiten. Immer am Puls der Zeit“, sagt Kurator Wolfgang Krug. „Und das in einer Zeit, als Frauen eigentlich nur zwischen Schulabschluss und Verlobung malen durften. Aber die Koller-Pinell war keine Dilettantin. Sie hat auch Bilder verkauft, eine gewaltige Karriere gemacht für eine Frau zur damaligen Zeit und in derselben Liga wie Tina Blau und Olga Wiesinger-Florian mitgespielt.“

Als „vollblütige freudige Künstlernatur“ mit „männlicher Energie“, aber „weiblich in der Umsetzung“ beschrieb sie die Journalistin und Salonnière Berta Zuckerkandl. Viele Bilder Koller-Pinells, die zwischen 1905 und 1911 entstanden, orientieren sich formal vor allem an Klimt und dem Stil der Secessionisten. Meist liegt der Akzent auf flächig-dekorativen Bildelementen. Oft findet sich auch das typisch quadratische Jugendstil-Format.

Typisch für das Spätwerk sind neben Bildnissen und Landschaften große Stillleben – mitunter inspiriert von Paul Cézanne, was den oft ungewöhnlich hohen Blickpunkt auf die Objekte im Stillleben betrifft, sodass ein leichter Kippeffekt nach vorne entsteht.

Koller-Pinell wurde von den Secessionisten, dem von ihr verehrten Klimt wie auch dem von ihr und ihrem Mann geförderten Schiele, zwar geschätzt. Aber ihre Doppelrolle als Malerin und Mäzenin war dem eigenen Ruhm eher hinderlich. Wie auch Albert Paris Gütersloh 1934 im Nachruf feststellte: „Weil sie eine Frau und vermögend war, haben die männlichen und armen Maler sie nie recht gelten lassen wollen.“

Ausstellung: NÖ Landesmuseum, St. Pölten (bis 12. Oktober 2014) www.landesmuseum.net

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