freizeit
01.09.2018

Begnadete Körper: Der Wiener Starfotograf Andreas H. Bitesnich

Vom Autodidakten zum Aktspezialist: Andreas Bitesnich verwandelt Menschen in Skulpturen. Eine Berliner Galerie zeigt jetzt seine Kunst.

Freizeit: Herr Bitesnich, man kennt Sie vor allem als Akt- und Porträtfotografen. Sie können aber auch anders. In Ihrem Wien-Buch „Deeper Shades #04 Vienna“ ist etwa  eine Aufnahme des einstigen Wiener Originals Waluliso zu sehen. Wie kam es dazu?


ANDREAS H. BITESNICH: Ganz einfach, mich faszinieren Menschen und mich faszinieren Landschaften sowie Städte. Mit Models in einem Studio zu arbeiten, ist das eine. Eigentlich ideal, wenn man eine bestimmte Vision von einem Bild hat, die man nun endlich umsetzen kann. Manchmal aber entdeckt man auf einer Straße per Zufall ein  Motiv, an dem man nicht vorbeigehen kann.

Bevor Sie Ihre Leidenschaft für die Fotografie entdeckten, waren Sie in der Berliner Punkszene umtriebig. Auch jetzt haben Sie ein unübersehbares Faible für die Musik. Sie haben etwa für den Komponisten Philip Glass, die Musikerin Rebekka Bakken sowie für Till Brönner Cover fotografiert und mit Paris Jackson, der Tochter von Michael Jackson, gearbeitet. Wie geht sich das alles aus?

Eine Zeit lang ging beides parallel, die Musik und die Fotografie. Aber dann verlangten der Job und die Familie, dass ich mich besser auf eine Sache konzentriere. 

Welcher Job war das?
Ich habe Einzelhandelskaufmann gelernt und war dann in einer Filiale des Elektrohauses Köck in der Taborstraße tätig.

Ein weiter Weg  von der Leopoldstadt bis in die  Fotogalerien und Museen von Los Angeles, Tokio, Hamburg und Prag ...

Ja, es hat aber auch lange gedauert, bis ich mir als Fotograf einen  Namen machen konnte. Selbst jetzt dauert es mitunter eine Extrazeit, bis  ich ein  Projekt umsetzen kann. So arbeite ich seit Längerem an einem Buch über   Philip Glass und den Dirigenten Dennis Russell Davies. Dabei  entstand auch ein Video mit der japanischen Pianistin Maki Namekawa.  

 Mit Ihren Modellen Roy, Sina & Anthony und mit Irina schufen Sie einige ikonographische Höhepunkte der Neunziger- und Nullerjahre. Wie sehr hat sich die Aktfotografie seither verändert, oder anders gefragt: Haben die Bloggerszene und Instragram einen Einfluss auf die (Akt-)Fotografie?


Bestimmt haben die technischen und sozialen Umstände einen entscheidenden  Einfluss auf die Fotografie. Das war auch immer schon so. Ich denke,  dass das auch sehr wichtig ist. Dadurch können sich immer wieder neue Trends und Richtungen ergeben. Die „Enttechnisierung“ der Fotografie hat auch dazu geführt, dass endlich viel mehr Frauen fotografieren.  Was wiederum zu neuen visuellen und inhaltlichen Perspektiven in der Fotografie führt. Ich begrüße diese Entwicklung sehr. Es ist also ein sich immer weiter entwickelnder Kosmos, der uns noch viele Überraschungen bescheren wird.

Sie fotografieren Menschen wie Skulpturen und Städte wie Szenen eines Spielfilms: Können wir bei Ihrem aktuellen Buch „Momentum“ einen Abstecher in die Sportfotografie erwarten?


 Nein, mit Sport hat das nichts zu tun. Das Konzept meines neuen Bildbandes ist, die  Welten der Aktfotografie und der Landschaftsfotografie zusammenzuführen und dadurch neue artifizielle Situationen und Räume zu schaffen, die nur in der Reflexion durch den Betrachter stattfinden.  

 Fotografieren Sie auch mit einem Smartphone? Wie wichtig ist überhaupt die Technik für Sie?


Da ja bekanntlich die beste Kamera die ist, die man gerade dabei hat, übernahm das Smartphone bei mir eine Art Tagebuch-Funktion. Ich nutze es für „Skizzen“ und „Notizen“.

Gibt es einen Unterschied, wenn Sie mit Leuten  wie Reinhold Messner oder mit Aktmodellen arbeiten?


Das Entscheidende ist doch immer die Emotion im Bild. Mit Menschen zu arbeiten und dabei die Energie und den Spirit des Moments in die gemeinsame Arbeit einfließen zu lassen, bedeutet mir sehr viel und ist geradezu essenziell für meine Arbeiten.