Happy Valentine! An diesem Sonntag soll es rote Rosen regnen

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Liebe
02/13/2016

Alles Liebe!

Jeder und jede sucht ihn - den Volltreffer in der Liebe. Und der Valentinstag ist die Erinnerung daran, dass es ihn gibt. Die FREIZEIT hat glückliche Paare nach dem Geheimnis ihrer Liebe gefragt.

von Barbara Reiter, Bernhard Praschl

Sie lässt Schmetterlinge im Bauch flattern. Oder die Wangen erröten. Einmal ist sie süß wie „Sissi“, dann wieder unberechenbar wie „Pretty Woman“. In einem aber ist die Liebe konstant: Keine Wiederholung nimmt ihr den Charme, dennoch muss ihre Kraft aufgeladen werden.
Morgen ist Valentinstag. Der 14. Februar erinnert jedes Jahr daran, dem Partner seine Liebe zu zeigen. Aber ist so ein Tag überhaupt sinnvoll? Oder bringt er eh nur Scherereien, wenn man dann doch darauf vergisst oder die falschen Blumen kauft, und die womöglich auch noch an der Tankstelle.

Generell, sagen Psychologen, sind Rituale wichtige Bestandteile einer funktionierenden Beziehung. Die Wiener Paartherapeutin Stefanie Körber würde den Tag der Liebenden auch nicht per se verwerfen. „Und zwar dann nicht, wenn ich merke, dass meiner Frau dieser Tag wichtig ist. Aber lustlos einen Blumenstrauß zu kaufen, um eine Pflicht zu erfüllen, ist zu wenig.“ Und Psychologe Stefan Pott ergänzt: „Der Valentinstag müsste der Anfang einer langen Kette vieler individueller Rituale sein.“

Bei Ritualen geht es nämlich darum, die Bedürfnisse des Partners zu erkennen und zu erfüllen. „Mir zum Beispiel kann man mit einer Wärmflasche viel Freude machen“, erzählt Körber. „Und wenn dann noch der Pyjama oben drauf liegt, ist die Freude noch größer.“ Merke: Es sind also durchaus die einfachen Dinge, die das Feuer der Liebe am Lodern halten. Als Merksatz sollte gelten: KISS - keep it simple, stupid! Also: je einfacher, desto besser.

Die Meinung der Paartherapeuten deckt sich auch mit den jüngsten Erkenntnissen der Liebesforscher. Demnach ist „zusammen zu lachen“ wichtiger als dauerhaft guter Sex, fanden nun die britischen Sexualwissenschaftlerinnen Meg John Barker und Jacqui Gabb heraus, die 5.000 Menschen auf ihr Liebesleben hin abklopften. Ihr überaus simples Resümee: Es ist kein Drama, wenn eine zärtliche Nackenmassage irgendwann im Beziehungsalltag die kopflose Leidenschaft aus den Anfangstagen ablöst. Wichtig ist, gemeinsam Spaß zu haben, Werte und Interessen zu teilen, beste Freunde zu sein, fürsorglich zu sein und sich umeinander zu kümmern, sich gegenseitig Sicherheit zu geben, glücklich zu sein, sich gegenseitig zu vertrauen, eine enge Beziehung zu pflegen, sich zuzuhören und miteinander zu sprechen, verliebt zu sein und verliebt zu bleiben. Hakt es an einem oder zwei dieser Punkte, ist die Liebe schon in Gefahr.


Da hilft dann vielleicht doch wieder ein Blick in die Ratgeber-Literatur, wie das eben erschienene Buch „Einfach lieben“ (Droemer Knaur), in dem ein bald 90-jähriger vietnamesischer Zen-Meister seine Weisheiten verrät. Thich Nhat Hanh meint: „Liebe ist etwas Lebendiges, Atmendes. Wir müssen sie nicht drängen, sich in eine bestimmte Richtung zu entwickeln. Wenn wir beginnen, mit uns selbst entspannt und freundlich umzugehen, werden wir sie zuverlässig und heilend in uns selbst entdecken.“


Beruhigend auch, dass die Liebe in den Haushalten von morgen nicht einfach auf Knopfdruck bestellt werden kann. Astro Teller, Leiter der Forschungsabteilung Google X – jener Think Tank, der auch am autonomen Auto bastelt – verfasste mit seiner Frau Danielle ein Buch zum Thema: „Heilige Kühe – Die Wahrheit über Scheidung und Ehe.“ Darin heißt es optimistisch: „Das Leben wird besser. Sei es, weil sich Ihre Ehe so entwickelt, dass Sie eine erfüllte Zeit miteinander verbringen, oder die Krise beendet wird, indem Sie sich trennen. Nehmen Sie Ihre Probleme mit Mitgefühl für sich, Ihren Lebensgefährten und Ihre Kinder in die Hand.“


Weisheiten, die viele Paare intuitiv befolgen. Von der nach ihren Liebesrezepten befragt, meinte die Ernährungs- und Fitnessexpertin Kathrin Lutteri: „Menschen entwickeln sich nicht gleich schnell und auch die Liebe ist manchmal unterschiedlich stark ausgeprägt. Dann muss man sich neu entdecken, reden und Zeit füreinander nehmen.“ Zum Beispiel, indem man Rituale pflegt, wie Psychologe Stefan Pott empfiehlt: „Sie sind die Knoten einer Beziehungslinie. Eigentlich sind sie die äußeren Formen der inneren Berührung. Nicht die Blumen sind es, sondern die Geste.“ In diesem Sinne: Schönen Valentinstag!

Kathrin (36) & Clemens (35)

„Als wir uns 2001 begegnet sind, dachten wir zuerst, dass wir nicht zusammenpassen. Dann haben wir geredet, gelacht und gesehen, dass wir uns verstehen“, sagt die 36-Jährige. „Mein Mann war nie ein Zauderer. Deshalb sind wir rasch zusammengezogen und haben unsere Kinder Laura und Lorenz bekommen. Mittlerweile sind wir sieben Jahre verheiratet und 15 Jahre zusammen. Fest steht, dass Paare sich nicht gleich schnell entwickeln und auch die Liebe manchmal unterschiedlich stark ausgeprägt ist.

Dann muss man sich neu entdecken. Das ist schwierig, wenn beide arbeiten und man Kinder hat. Uns hat auch ein gemeinsames Hobby gefehlt, aber mein Mann war bemüht, etwas zu finden, das wir beide mögen. Mittlerweile gehen wir öfter gemeinsam Snowboarden – eines unserer Rituale. Oder wir trinken eine Flasche Wein und mein Mann massiert mir die Füße. Ich schaffe ihm im Gegenzug Freiräume, weil er das braucht. Clemens liebt das Segeln und ist auch schon ohne uns verreist. Mein Vater versteht das nicht, aber die Energie, mit der Clemens zurückkommt, investiert er wieder in die Familie. Deshalb unterstütze ich ihn. Dafür übernimmt mein Mann einen Geburtstag mit zehn Kindern alleine. Valentinstag feiern wir nicht, weil es wichtiger ist, das ganze Jahr aufeinander zu achten. Trotzdem bekomme ich ab und zu Blumen. Das freut mich sehr, weil es kein Muss, sondern eine Geste des Herzens ist."

Susanne Widl (71) & Peter Weibel (71)

"Die Liebe ist ein Hospital", sang Medienkünstler Peter Weibel vor 38 Jahren. Mit Cafe-Korb-Besitzerin Sue Widl ist er immer noch "im Ritual der Liebe".

Susanne Widl: "Ich bin mit Peter Weibel ja schon 43 Jahre im Ritual der Liebe“, erzählt die Cafetière. „Es kommt bei der dauerhaften Liebe darauf an, zwischen Appell – Bitte, liebe mich! – und Bekenntnis – Ich liebe Dich – eine Balance zu halten. Wer die Vision einer Liebe hat, die dauerhaft ist, wird dem Partner immer die Freiheitsgrade geben, die er braucht. Denn sobald Liebe zum Gefängnis wird, ist sie zu Ende.

Liebe ist normalerweise eine Reise, die zu Ende ist, wenn man den Partner kennt. Liebende sollen daher auch bei Tage „strangers in the night“ bleiben.

Ja, es gibt Rituale, und zwar solche, die periodisch und immer wieder die Synchronisierung der Gefühle betonen. Peter Weibel unterrichtet seit den frühen 1980er-Jahren von Europa bis nach Amerika an internationalen Universitäten. Daher kennen wir lange Perioden der Absenz. Tägliche Telefonate, soweit möglich, gehören daher zu unseren Ritualen. Auch Blumen spielen eine große Rolle in unserer Beziehung. Peter ist ein Mensch
der Bücher und ich einer der Blumen. Peter ist normalerweise alles Pflanzliche fern. Wenn dem bei einem Spaziergang, selten genug, ein Blatt auf die Schulter fällt, erschrickt er. Aber er respektiert meine Liebe zu Blumen und denkt immer wieder daran, mir Blumen zu schenke

Gabi (53) & Günter (59)

Wir sind seit zehn Jahren ein Paar und leben acht davon zusammen. Liebe bedeutet für uns, füreinander da zu sein. Wir streiten nie, haben gemeinsame Interessen und ziehen an einem Strang. Kurz gesagt, fühlen wir uns zusammen einfach wohl“, erzählt Gabi. „Für uns ist es selbstverständlich, nicht außer Haus zu gehen, ohne uns einen Kuss zu geben. Wenn ich abends von der Arbeit nach Hause komme, hat Günter meistens schon Staub gesaugt, gewischt und gekocht oder etwas zu essen geholt. Manchmal holt er mich auch von der Arbeit ab, damit ich nicht mit dem Bus fahren muss. Das sind für mich die Liebesbeweise des Alltags, die einen Valentinstag überflüssig machen.

Wir zeigen uns eben lieber spontan und nicht auf Bestellung, wie gerne wir uns haben. Das schließt auch langstielige rote Rosen nicht aus. Günter hat mir zu Weihnachten einen Heiratsantrag gemacht und ich habe Ja gesagt. Auch wenn wir beide schon verheiratet waren und Kinder mit anderen Partnern haben, wollen wir uns dieses Versprechen geben. Wir sehen uns nicht als Lebensabschnittspartner, sondern Partner fürs Leben.“

Ana (38) & Christian (54)

"Ich bin Schreibtrainerin und glaube an die Macht des geschriebenen Wortes“, so die 38-Jährige. „Als ich für mein Gefühl schon lange genug Single war, schrieb ich eine zehnseitige Liste, was ich mir von meinem Partner wünsche. Zwei Tage, nachdem diese Wünsche formuliert waren, funkte es.

Er war da und zwei Monate später lachten wir über diesen Text und hakten zusammen jeden einzelnen Punkt der Liste ab. Was ich nicht wusste: Dass Christian das Gleiche tat. Und er sah mich nur einen Tag, nachdem er seinen Wunsch aufgegeben hatte. Zum Valentinstag schenken wir uns Zeit. Zeit für Romantik, Sinnlichkeit, Kerzenlicht, Gespräche, für uns. Ein Rezept für dauerhafte Liebe? Uns ist es wichtig, den anderen so zu nehmen und zu lieben wie er ist, uns bei der Verwirklichung eigener Lebensträume zu begleiten und zu unterstützen und gemeinsam über uns hinaus zu wachsen. Ob das ein Rezept für dauerhafte Liebe ist, werden wir sehen."

Waum die Liebe Rituale braucht

Rituale sind wichtig, aber es macht einen Unterschied, ob ein Ritual aus Liebe entsteht oder
von außen vorgegeben wird.

Wenn der Valentinstag der einzige Anlass ist, dem Partner Blumen zu schenken, schwächt
das die Liebe. Es ist ein nach außen gerichtetes Ritual. Viel besser wäre es, sich in Erinnerung zu rufen, wo und wann man sich
zum ersten Mal geküsst hat.

Kennzeichen für ein nach außen gerichtetes Ritual ist es, wenn man es am nächsten Tag mit den Kollegen bespricht. „Was hast du
am Valentinstag bekommen?“ Ein individuelles Ritual wäre es, wenn abends, nach einem langen Arbeitstag, eine Wärmflasche im Bett bereit liegt. Man freut sich sehr, hat aber nicht das Bedürfnis, davon im Büro zu erzählen.


Richtig schöne Rituale erkennt man daran, dass sie einem Wandel unterliegen. Wenn die Liebe wächst oder älter wird, ändern sich auch
die Rituale. Der Valentinstag hingegen ist ein Mal im Jahr und sagt nichts über die eigene Person aus.

Das gute Ritual zeichnet aus, wenn man die Bedürfnisse seines Partners erkennt und weiß, womit man ihm einen Freude macht.


Man sollte den Valentinstag auch nicht verteufeln, wenn man merkt, dass dem Partner dieser Tag wichtig ist. Dann sollte es aber nicht der Blumenstrauß von der Tankstelle, sondern eine besondere Überraschung sein.

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