© Kurier/Franz Gruber

Freizeit-Reportage
12/01/2020

Alle Jahre wieder: Komm', sing' mit!

Geiger und Intendant Peter Gillmayr verrät, wie man bis zum Heiligen Abend bei „Stille Nacht“ und „Jingle Bells“ die richtigen Töne trifft.

von Bernhard Praschl

Als wäre es beabsichtigt gewesen. Musiker Peter Gillmayr und Sohn Julius öffnen die Tür, um der Freizeit die weihnachtliche Hausmusik und die Finessen von Franz Xaver Grubers "Stille Nacht" ans Herz zu legen, und dann stellt sich der KURIER-Fotograf als Namensvetter vor: "Guten Tag, Franz Gruber." Die Stimmung war also von Anfang an perfekt. Für ein Gespräch über Musik keine schlechte Voraussetzung... 

Ob im Küchenradio oder in den Kopfhörern, schön langsam kommen die Lautsprecher wieder in Fahrt. Von „Es wird scho glei dumpa“ über „Jingle Bells“ bis „Last Christmas“ ist alles dabei, was das Genre hergibt. Eine Dauerschleife, die jedes Jahr mehr oder weniger gleich bleibt.

Heuer aber vielleicht einmal nicht. Denn warum sich berieseln lassen, wenn man die einschlägigen Lieder selbst zum Besten geben kann? „Stille Nacht“ unter dem geschmückten Baum in Eigenregie, das wäre doch einmal eine willkommene Abwechslung. Vielleicht sogar ebenso ein Geschenk an die ganze Familie.

Star unter dem Stern?

Wie auch immer, zumindest hätte man für die nächsten Wochen ein Projekt, das einen ausgefüllt durch den Advent bringt. Aber ist das überhaupt möglich? Können Amateure, was Gesang und Instrumentenbeherrschung betrifft, es in kurzer Zeit zu Stars unter dem Weihnachtsstern schaffen?  Die Freizeit fragte mit dem Intendanten und Geiger  Peter Gillmayr einen Weihnachtslied-Experten um Rat.

"Singen ist wie Fußballspielen"

Gillmayr, Leiter des Musiksommers Bad Schallerbach und Chef der Ensembles Die Österreichischen Salonisten, Tango de Salon und Streichquartett Sonare hat  mehrere Adventunterhaltungen im Programm – u. a.  mit Nicole Beutler, Klaus Maria Brandauer oder Fritz Karl. Gemeinsam zu musizieren bedeutet ihm auch mehr als nur pure Unterhaltung, denn: „Singen wäre das Einfachste, um Menschen aller Altersstufen und Konfessionen zusammenzubringen,  ähnlich wie Fußball.“

Woran es oft scheitert, sei, „dass in den Familien zu wenig gesungen wird und so auch das Liedgut zum Aussterben gebracht wird“. Aber wenn schon Do-it-yourself vom Brotbacken bis zum Pulloverstricken boomt, warum nicht auch das Musikmachen?

Für alle, bei denen der Musikunterricht Jahre her ist, gibt es viele Möglichkeiten, die Fähigkeiten online aufzufrischen. „Von null auf hundert geht da nichts“, dämpft der Profi übertriebene Erwartungen. „Aber mit Interesse, Disziplin und etwas Talent kriegt man einen achtbaren Auftritt hin.“ Möglichkeiten sich zu motivieren, gibt es jedenfalls reichlich.

„Es ist extrem faszinierend, mit seiner Stimme sein Publikum berühren zu können“, meint etwa Opernsänger Jonas Kaufmann. Ja, auch der aktuell erfolgreichste Tenor gibt online Unterricht, via der YouTube-Wissensplattform „Meet your Master“.

Gut, das kostet Geld und richtet sich eher an jene, die sich vielleicht mit der Musik ein zweites Standbein schaffen wollen. Für unser Vorhaben reicht es einstweilen, im Internet diesbezügliche  Gratisangebote wahrzunehmen. Nicht der schlechteste Weg. Auch Profi Peter Gillmayr meint: „Man kann sich auf YouTube ja alles anhören und nachsingen. Aber“, warnt er erneut vor zu großen Hoffnungen, „es gibt Grenzen. Bei der Blockflöte etwa ist es von Vorteil, wenn der Lehrer oder die Lehrerin den so genannten Ansatz zur Tonerzeugung persönlich erklärt. Dafür ist YouTube nicht das geeignete Instrument.“

Andererseits gibt es dort ein Flötenvideo mit Camila Cabellos Sommerhit „Havana“, das zwei Millionen Mal aufgerufen wurde. „

Jingle Bells“ für die Flöte kommt auf immerhin 850.000 Aufrufe. Auf Englisch. Deutschsprachige Videos sind auf YouTube kein Renner.

„Wie man ,Jingle Bells’ auf der Geige spielt“ der Violinlehrerin Eva Alexandrian hält bei nur 5.800 Aufrufen. Aber es zeigt, es ist machbar. „Nicht an einem Tag“, so Gillmayr. „Eher in neuneinhalb Wochen.“

Hausmusik und Hausfriede

Ist Hausmusik auch gut für den Hausfrieden? Nicht unbedingt, gibt der Musiker mit Augenzwinkern zu Bedenken und wartet mit folgender Erinnerung auf: „Am 25. Dezember musste ich mit meiner Schwester immer für Verwandte Geigenduette spielen. Schon nach nur drei Sekunden fing einer von ihnen zu quatschen an. Ich verließ den Raum. Und die Strafe in den 1970er-Jahren lässt sich leicht ausmalen – eine Watsch’n.“

Schüler herzlich Willkommen!

Jingle Bells auf der Geige

Von „Pink Panther“ über Ed Sheerans „Shape of You“ bis zu einem 14-minütigen Tutorial „Wie man ,Jingle Bells’ auf der Geige spielt“: Eva Alexandrian macht ihre Sache durchaus unterhaltsam und  wirkungsvoll. Auf ihrem YouTube-Kanal zeigt sie auch für Anfänger ganz Entscheidendes: Wie halte ich die Geige? 

 

Singen für Anfänger

Gesangscoach Tolga Oygen hat knapp 20.000 YouTube-Abonnenten und bietet einen Schnupperkurs an: „Besser Singen in nur 3 Tagen“. In weiteren 15 Videos erklärt er Bruststimme und Kopfstimme, hilft beim Warm-up sowie  dabei, eine eigene Stimme zu finden.

Klavier unterm Baum

Vielleicht gibt's ja da und dort ein Klavier als Weihnachtsgeschenk (kann auch ein E-Piano sein). Thomas Forschbach ist jedenfalls mit seiner Plattform www.werdemusiker.de der umtriebigste deutschsprachige Klaviercoach. Sein „Stille Nacht“-Tutorial knackt bald schon die 350.000er-Marke. Ein User namens „DeltaEagle“ postete  etwa: „Du schaffst es echt immer wieder, mich zu motivieren. Danke.“

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