Eis-Stadt in Harbin 

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Eis- und Snow-Festivals
12/14/2019

Absolut unverfroren: Städte, Paläste und Orgeln - aus Eis!

Poetische Kunstwerke, riesige Paläste, glitzernde Städte: Die freizeit zeigt die schönsten Eis-Festivals der Welt.

von Florentina Welley

Poetische Kunstwerke, riesige Paläste und glitzernde Städte ziehen uns zurzeit in ihren magischen Bann. Das Besondere daran: sie sind komplett aus Eis. Die imposantesten Eis-Festivals der Welt finden zwar in China, Harbin statt (Foto oben), aber auch in Österreich gibt es zahlreiche interessante Eis- und Snowfestivals. Und wer will, kann hier sogar selbst beim Eisschnitzen mitmachen. Warm anziehen!

"Sobald die ersten klammen Regenschauer mir und dem November ein nasses Handtuch ins Gesicht peitschen, begegne ich ihnen mit pelzgefütterten Capucines, schwarzen Alpakaleggings, langem Schottenrock, Pullover und einem Cape aus schwarzem Goretex“, sagt Smilla in dem  Roman  Fräulein Smillas  Gespür für  Schnee von Peter Hoeg. Danke für den Style-Tipp, denn  wer jetzt diese spektakulären Eis- und Schneefeste besucht, sollte sich mit Pudelmützen, Fellsohlen und dicken Daunenjacken gegen die klirrende Kälte wappnen, um den Schnee richtig lesen zu lernen, wie Fräulein Smilla. Schließlich zaubern die besten Künstler  bei den größten Schnee- und Eis-Festivals der Welt, faszinierende Städte, fantasievolle Fabelwesen oder prunkvolle Schlösser aus reinstem Eis und Schnee.

Chinas glitzernde Eis-Stadt

Auch beim Spaziergang  durch das weltgrößte Schneefestival in China, die „Ice and Snow World“ in Harbin, der über hohe Brücken und durch weite  Paläste aus Eis führt,  greift man gerne zum Handwärmer in der Manteltasche, wenn die winterliche Durchschnittstemperatur bei minus 16 Grad liegt. Über 12.000 Arbeiter schaffen jährlich eine künstliche Eiswelt aus 110.000 Kubikmetern Schnee, der zuvor mittels Schneemaschinen produziert wurde. In nur drei Wochen schnitzen die Schneebildhauer eisige Architekturwunder und mythische Sagengestalten aus riesigen Eisblöcken. In der Nacht werden die kunstvollen Brücken, Paläste und Türme, die bis zu 50 Meter hoch sind, mit farbigem LED-Licht beleuchtet. Und die Eis-Künstler müssen an echte Kälte gewöhnt sein. Denn bevor sie ihre Eissägen anwerfen, holen sie die bis zu einem Meter dicken Eisblöcke direkt aus dem zugefrorenen Songhua-Fluss, https://www.icefestivalharbin.com

275.000 Kilogramm Eis

Aber nicht nur in China, auch in Kanada, Russland oder den Niederlanden bearbeiten die besten Eisbildhauer riesige Eisblöcke mit Eispickeln und Sägen, um die großformatigen Eisskulpturen, die jährlich unterschiedliche Themenwelten darstellen, zu formen.  Als Hilfsmittel, um glasklares Eis herzustellen, wird dabei  oft auch destilliertes Wasser zugesetzt. Damit das bunte Licht besonders schön durch die transparenten Skulpturen leuchtet. So wie in den Niederlanden, bei Europas größtem Eisfestival in Zwolle. Die besten Eiskünstler der Welt werkten in einer Tiefkühlhalle mit 275.000 kg Eis und 275.000 kg Schnee an den kunstvollen Eisobjekten, https://www.ijsbeelden.nl

Dort spielen heuer Dinos, Wikinger, Dampfloks und Menschen auf dem Mars die Hauptrolle. Letztes Jahr waren es bekannte Disney-Figuren. Auf 1.200 Quadratmetern schaffen die Eis-Künstler,  imposante Skulpturen von bis zu 6 Metern Höhe. Bis zum 1. März 2020 erfüllt das „IJsbeelden Festival“ die einstige niederländische Hansestadt mit kaltem Glitzern. Aber auch in den Eishallen ist es bitterkalt. Bei Temperaturen zwischen minus 8 und minus 10 Grad Celsius, erinnert man sich dankbar an Fräulein Smillas Kleidungstipp.

Den sollte man auch bei einem Besuch in Moskau berücksichtigen. Seitdem die russische Kaiserin Anna Ioannowna 1740 das Eisskulpturen-Fest in Moskau ins Leben rief, findet das Spektakel jährlich bis Ende Februar im Ismailowoer Park statt. Die Eiskünstler sägten heuer riesige Forts und prähistorische Tiere aus Gefrorenem, https://na.ihappynewyearwishes.com

Und was ist in Lake Louise angesagt? Beim kanadischen Ice-Magic-Festival im Jänner fräsen Bildhauer einen Mix aus kühler Architektur und Wildtieren aus Eis und Schnee, https://www.banfflakelouise.com

 

Eiskunst in Österreich

Auch die hiesigen Temperaturen können sich arktisch anfühlen, wenn man in Linz, Gastein oder am Kitzsteinhorn auf  Eis-Schau geht. Auf einer Ausstellungsfläche von 600 Quadratmetern, bei 6 Grad unter Null, träumen die Linzer heuer von „Eispalästen“ und „Eisköniginnen“. Beim Winterfestival „Ice Magic“ sind mystisch beleuchtete Eisskulpturen wie die Eiskönigin Elsa und Schneemann Olaf zu sehen. Geschnitzt wurden die Disney-Figuren vorwiegend von Bildhauern aus der Ukraine und Kanada, wie etwa Stéphane Robert aka Bob, der auch schon im Vorjahr Schlitten und Rentiere aus Eisblöcken zauberte. Die Eisskulpturen im Volksgarten sind bis 23. Februar zu sehen, https://www.icemagic.at

Mit dem Thema „Waldbewohner“ beschäftigen sich heuer die Künstler des „Art on Snow “- Winterfestivals in Gastein. Zusätzlich zu den ausgestellten Eisskulpturen, die auch mitten im Skigebiet zu finden sind, wird es einen Eisschnitz-Wettbewerb und ein Eisschnitz-Workshop im Ort geben. Ab dem 1. Februar 2020 gibt es die „Waldbewohner“ aus Schnee zu sehen, https://www.skigastein.com

„Heuer setzen wir mit der Iglu-Landschaft "Sound of Ice" ein ganz besonderes künstlerisches Statement ins Ice Camp. Beim Alpensymphonium wird es Musikinstrumente, eine Art Musikorgel, aus Natureis geben, die Töne bei Berührung erzeugen, sodass die Besucher selbst interaktiv  mitwirken und Teil des Orchesters werden“, sagt Max Seibald. Der Kärntner Künstler schlüpft in mit Fleece gefütterte Arbeitshandschuhe aus Gummi, wenn er im Audi-Quattro Ice Camp auf 2.600 Metern Höhe im Gletscherskigebiet des Kitzsteinhorns Hand anlegt. Denn mit klammen Fingern kann man nicht einmal Eis schnitzen. Für die drei Iglus, in denen das Orchester, eine Schneebar und ein Präsentationsraum untergebracht sind, werden heuer wieder circa 60 Tonnen Eis und 2.500 Kubikmeter Schnee benötigt. Auch die Eisblöcke schneidet Seibald mit Helfern aus dem Stausee, bevor er sie mit der Kettensäge in Form bringt. „Für mich ist die Arbeit mit Eis ein experimenteller Freiraum“, sagt er. „Wasser als verfestigte Materie hat den Vorteil, dass man immer wieder etwas Neues schaffen kann, ohne dabei Ressourcen zu verschwenden.“

Max Seibalds Sanduhren aus Natureis im Anthropozän leuchteten letztes Jahr am Kitzsteinhorn. Die neue Eis-Orgel erklingt ab 11. Jänner 2020, https://www.kitzsteinhorn.at