Einfache Sprache
03.09.2018

„Ich gebe meinen Figuren meinen Körper und meine Stimme.“

Der Schauspieler Florian Jung aus Wien bringt sein 6. Programm heraus. Er zeigt, dass man auch mit einer Behinderung ein erfolgreicher Schauspieler sein kann.

Wir treffen Florian Jung in einem Wiener Kaffeehaus.
Am 15. September stellt er sein neues Programm
im Wiener Cafe 7stern vor.
Das Programm heißt: "Auf die Welt geschissen … und geblieben."
Im Interview erzählt er, wie es zu dem Stück kam.
Interview heißt: Es werden Fragen gestellt und beantwortet.

Wie oft hast du schon Interviews gemacht?
Ich bin schon seit 20 Jahren Schauspieler
und habe schon oft Interviews gemacht.
Zum Beispiel bei jeder neuen Produktion.

Wie kamst du auf den Titel
„AUF DIE WELT GESCHISSEN UND GEBLIEBEN“?
Den Titel habe ich mir von einer über 90-jährigen Kollegin ausgeborgt.

Warum geht es in deinem Stück um Glück?
Das ist schon mein 6. Programm.
und die letzten 5 Programme waren immer traurig.
Da wollte ich etwas Anderes machen.
Es ist für mich spannend zu sehen, was passiert,
wenn ich bewusst eine Situation umdrehe
und anders auf die Situation schaue.
Mit einer Behinderung hat man andere Probleme
und es fällt oft noch schwerer, glücklicher zu werden
und überhaupt herauszufinden,
was einen glücklich machen kann.

Geht es in dem Programm um dich selbst?
Es geht schon viel um mich selbst,
aber natürlich spiele ich eine Figur auf der Bühne,
die es nicht in Wirklichkeit gibt.
Die Geschichten, die ich erzähle, sind 100 Prozent erlebt,
aber verändert, damit die Leute auch was zum Lachen haben.

Der Alltag kostet Leuten viel Kraft.
Ich versuche daher, dass die Leute das Stück sehen
und mitfühlen können, sich aber auch unterhalten.
Ich gebe meinen Figuren meinen Körper und meine Stimme.
In meinen Stücken geht es um Momente und um Beziehungen.
Und dann ist die Figur auch noch Schauspieler
und erzählt, was ihm passiert ist.
Das sind die lustigen Momente.

Wie ist es, Schauspieler mit einer Behinderung zu sein?
Es macht Spaß, aber es ist wesentlich schwieriger
als bei nicht-behinderten Menschen.
Es ist schwieriger, andere Menschen von sich zu überzeugen.
Wenn ich Leute treffe, die entscheiden,
ob ich eine Rolle kriege oder nicht,
muss ich dem nicht nur zeigen, dass ich für die Rolle der Richtige bin,
sondern ich muss ihnen auch klar machen,
dass ich das spielen kann, obwohl ich im Rollstuhl sitze.

Andererseits gibt es auch Rollen,
für die Leute im Rollstuhl gesucht werden,
da habe ich einen Vorteil.
Wenn ich richtig viel Glück habe und rechtzeitig erfahre,
dass für einen Film so jemand wie ich gesucht wird,
muss ich an der richtigen Stelle und am richtigen Ort sein
und mich noch dazu gut präsentieren.

Wie kam die Begeisterung für das Schauspielen?
Als Kind habe ich mich schon immer
fürs Theater interessiert.
Ich bin auch oft ins Theater gegangen.
Ich wollte auch immer wissen, was hinter der Bühne passiert.
Ich habe dann 4 Jahre lang eine Ausbildung gemacht
und jetzt habe ich schon einige Berufsjahre hinter mir.

Ich wünsche mir, dass die Regisseure mutiger werden
und ein bisserl mehr riskieren.
Andererseits darf man nicht jammern.
Wenn ich mir überlege, was vor 10 Jahren gedreht wurde
und was heute gedreht wird, sind die Möglichkeiten schon mehr geworden.
Wenn mich ein Regisseur anspricht, mich kennt
und weiß, dass es mich gibt, dann ist das sehr gut für mich.
Irgendwann erkennt einen dann auch das Publikum.
Das ist der Idealfall.

Macht dich deine Arbeit glücklich?
Meine Arbeit macht mir auf jeden Fall Spaß
und glücklich macht sie mich auch,
sonst würde ich es ja nicht so lange machen.
Es hängt auch von der Rolle ab.
Wenn es jemandem schlecht geht,
muss ich es nachempfinden können,
dass kann ein bisserl anstrengend werden.
Wenn ich zweieinhalb Stunden auf der Bühne bin
und ich spiele eine traurige Rolle,
dann komme ich von der Bühne
und bin komplett fertig.
In Linz hatte ich mal eine Rolle als Drogendealer.
Sowas ist spannend,
weil ich natürlich kein echter Drogendealer bin.
Herauszufinden, warum ein Mensch so etwas macht,
das ist schon interessant.

Wie machst du es, dass die Zuschauer
eine Stunde aufmerksam bleiben?

Es kann schon passieren,
dass die Zuschauer an andere Sachen denken.
Aber es ist nicht wichtig für das Stück,
denn es gibt dann wieder Momente,
in denen die Zuseher wieder einsteigen.

Wie kam es zu deiner Behinderung?
Ich habe meine Behinderung von Geburt an,
wegen zu wenig Sauerstoff im Brutkasten.

Hast du Geschwister?
Ja, ich habe einen älteren Bruder.

Was hält dein Bruder von deinem Beruf?
Das weiß ich nicht so genau,
aber mein Bruder hat mir einmal nach einem Stück gesagt,
dass es gut war.
Aber wir reden nicht viel über die Berufe.

Wie bist du Schauspieler geworden?
Ich war davor der Assistent von einem Regisseur.
Also hab ich den Schauspielern geholfen,
zum Beispiel die Kleidung auszusuchen.
Dann war ich auf einer Schauspiel-Schule.

Wie haben deine Eltern darauf regiert,
als sie erfahren haben, dass du Schauspieler werden willst?

Sie mussten es akzeptieren, weil ich schon den Vertrag
zur Schauspiel-Ausbildung unterschieben habe.
Aber das Wichtigste ist, das sie meine Arbeit mögen.

Wolltest du früher einen anderen Beruf machen?
Ja, ich wollte eigentlich Journalist werden,
aber mir war es dann zu wenig kreativ.

Was macht dir an deiner Arbeit am meisten Spaß?
Es ist sehr schön, dass ich jeden Abend Geschichten erzählen kann
und dass ich versuchen kann, Leute mitzunehmen.

Hattest du mal ein Theaterstück, das nicht gut angekommen ist?
Ich kann mich nicht daran erinnern.
Einmal habe ich mich beim 4. Mal Durchlesen
gegen eine Rolle in einem Stück entschieden.

Wenn du eine Sache auf der Welt verändern würdest,
welche wäre das?

Es geht nicht nur um eine Sache;
ich sehe das mehr allgemein.
Wir alle sollen gemeinsam versuchen,
dass es uns einigermaßen gut geht,
dass wir gut miteinander umgehen
und das haben, was wir brauchen.

Wenn du 3 Wünsche frei hättest, welche wären es?
Gute Rollen, gute Geschichten und ein halbwegs schönes Leben.

Dieses Interview wurde gekürzt und vereinfacht,
damit es besser verständlich ist.