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09/12/2022

Zukunftsvision für Afrika

Hoch aufragend, energiepositiv und von einer 3D-gedruckten Außenhaut aus Lehm umhüllt: Die Architekten von BAD / Built by Associative Data haben ein Projekt entworfen, das neue Wege weist. Den „Tower of Life“, eine faszinierende Zukunftsvision für Afrika.

Es ist ein Projekt, dessen Entwurfsbilder sofort staunende Blicke auf sich ziehen. Was da wie ein himmelhoch aufragender Baumstamm mit löchriger Rinde wirkt, fasziniert allerdings auch bei näherer Betrachtung des Konzepts, das dahintersteckt. Denn das internationale Team des Büros BAD / Built by Associative Data präsentiert mit „Tower of Life“ ein Modell visionärer Baukunst, das Ökonomie und Ökologie als Einheit betrachtet. Es liefert einen Vorschlag für zukunftsweisende afrikanische Architektur. Und der Entwurf zielt darauf ab, in Afrika eine Öko-Ikone zu schaffen, die weltweit ihresgleichen sucht.

Spannendes Konzept

Designt wurde der spektakuläre Turm für die westafrikanische Millionenstadt Dakar (Senegal). Nach einem Konzept, das auf Ökologie, Informatik, Materialtechnik, dezentraler Wirtschaft und nachhaltiger Entwicklung basiert. Ein Aspekt, den das BAD Team dabei vor Augen hat, ist das Potenzial afrikanischer Architektur, zum globalen „Big Player“ und Pionier in Sachen Nachhaltigkeit zu werden. Schließlich sei die Baukunst auf diesem Kontinent seit jeher von Ehrfurcht vor der Natur, Vorsicht und Verwendung lokaler Materialien geprägt.

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Der „Tower of Life“ soll aufzeigen, wie und warum Architektur in der Klimakrise funktioniert und was sie im Kampf gegen den Klimawandel leisten kann.

Haut aus 3D-gedruckter Erde

BADs Projekt ist einenergiepositives Bauwerk, das mit einer vor Ort mittels 3D-Verfahren gedruckten Erdmembran umhüllt wird. Dass diese Art der Fertigung inzwischen in der Architektur an Bedeutung gewinnt und neue Möglichkeiten bietet, ist bekannt. Ein schönes Beispiel ist etwa das Vorhaben des US-Startups ICON, ganze Dörfer aus dem 3D-Drucker entstehen zu lassen.

Hochhaus als „ökologische Maschine“

Doch das außergewöhnliche Hüllenkonstrukt von BADs Vorschlag ist längst nicht alles, was den Turm für Senegals Hauptstadt so besonders macht. Denn dieser Entwurf verbindet natürliche, erneuerbare Ressourcen, Energie, Luft, Wasser und Landeskultur mit Hilfe moderner Technologien und Robotik zu einem „lebendigen System“. Zu einer „ökologischen Maschine“, die nicht einfach nur Vorhandenes verbraucht, sondern Neues erzeugt. Diesfalls auch neues Wissen.

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Der Lehm für die Außenhaut wird vor Ort gewonnen. Diese Tatsache und die 3D-Drucktechnik verringern neben den Kosten auch den logistischen Aufwand. Die Lehmhülle trägt dazu bei, im und um den „Tower of Life“ ein Mikroklima mit minimalen Emissionen zu schaffen und aufrecht zu erhalten.

Wir leben mehr denn je in einer Welt der Städte, deren Fußabdruck so groß ist wie unser Planet.

Ali Basbous, Architekt und BAD / Built by Associative Data Gründer

Die „Haut“ und Form des „Tower of Life“ sehen die Architekten als natürliche Konsequenz der Systeme, aus denen er besteht. Das Bauwerk ahmt damit die natürlichen Materialien – wie eben etwa Erde – nach, aus denen es besteht. Diese angewandte Biomimikry unterstützt den sozioökonomischen Aspekt des Modells. Und sie zeigt sich in der außergewöhnlichen Fassade, die durch organische Öffnungen porös gestaltet wird.

Vorbild: Natürliche Prozesse

Entwickelt wird diese Hülle mit Hilfe einer Reaktions-Diffusions-Simulation, wie das BAD-Team etwa im Magazin „Stirworld“ ausführt: „Das Reaktions-Diffusions-Modell beschreibt die Entstehung von periodischen Mustern wie Flecken, Streifen und Labyrinthen auf der Oberfläche von Tierfellen durch chemische Interaktion zwischen Zellen."

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Durch das Zusammentreffen biologischer Systeme in einem erstellten Ökosystem soll im besten Fall ein geschlossenes Kreislaufwirtschafts-Netzwerk entstehen. So kann beispielsweise das Abfallaufkommen stark reduziert oder gänzlich vermieden werden. Das große Ziel der BAD-Architekten: Der CO2-Fußabdruck des „Tower of Life“ soll negativ ausfallen. Und zwar von der Errichtung über die gesamte Lebensdauer bis zum Abbruch. Zugleich soll der Turm mehr Energie erzeugen, als er verbraucht, um „Rückkopplung ins Netz zu schaffen und die Entwicklung in der Umgebung zu katalysieren“.

Stadtplanung und Architektur stehen am Scheideweg zwischen ökologischer Ära und Rekonstruktion der Stadt des Industriezeitalters. Wir haben uns für den ersten Weg entschieden.

BAD / Built by Associative Data Gründer Ali Basbous

In den Plänen zum Projektvorschlag ruht der „erdige“ Wolkenkratzer über einer großen Anlage zur Aufbereitung und Speicherung von Wasser. Direkt darüber befinden sich eine Luftkammer und ein Parkdeck. Im Sockel ist ein Museum vorgesehen, das die „Zukunft der Wirtschaft Afrikas“ präsentiert. In den nächstoberen Etagen zeigt die Entwurfsgrafik eine Lobby, den ökologischen Kern des Gebäudes mit Bioreaktor und Saatgutbank, sowie ein Amphitheater. Wiederum weiter oben sollen Multimedia-Räume und Servicebereiche Platz finden, gefolgt von einem Saatgut-Silo. In den Hauptteil setzt der Plan viele Büro-Etagen mit Arbeits- und Konferenzräumen.

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Die höchstgelegenen Stockwerke des „Tower of Life“ tragen unter anderem Lüftungssysteme, eine Zentrale für Logistik, Katastrophenmanagement und Rechenzentrum, sowie einen Drohnenlandeplatz. Es folgen mit landestypischer Flora begrünte Etagen, ein weiteres Amphitheater und eine Wassersammelanlage. Und an der Spitze des Projekts sind neben einem Helikopterlandeplatz auch Smogabzugsschächte vorgesehen. Letztere sitzen in Öffnungen, die wie abgeschnittene, hohle Enden der Äste des gewaltigen Baumstamms aussehen, dem der gesamte Turm optisch so sehr ähnelt.

Der smarte „Tower of Life“

Zudem setzt BADs visionärer Entwurf stark auf smarte Technologie, die durch ständige Messung vieler Parameter für Energieersparnis, Sicherheit, Umweltschutz und Lebensqualität sorgt. Der gesamte „Tower of Life“ soll mit Sensoren ausgestattet werden, die unter anderem Kernstabilität, Temperatur, Feuchtigkeit, Luft- und Wasserqualität, Auslastung, Stromverbrauch und mehr kontrollieren und steuern.

Auf ins Öko-Zeitalter

Das Konzept des auf 80.000 Quadratmeter Fläche ausgerichteten Turms ist Ausdruck dessen, was das innovative BAD-Team anstrebt. Denn dieses sieht Stadtplanung und Architektur an einem entscheidenden Punkt angelangt. Es gelte jetzt, sich zwischen zwei Wegen zu entscheiden: Jenem in die ökologische Ära und dem anderen, der die typische Industriezeitalter-Stadt rekonstruiert. Und, wie die Architekten in „Stirworld“ betonen: „Wir entscheiden uns für den Ersten“.

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Built by Associative Data Gründer Ali Basbous zum Leitgedanken des „Tower of Life“ Entwurfs: „Wir leben mehr denn je in einer Welt der Städte, deren Fußabdruck so groß ist wie unser Planet. Die aktuellen industriellen, konsumorientierten Stadtmodelle sehen den Planeten als dreifachen Ort. Als einen, an dem alles entweder Ressourcengarten, Schrottplatz oder ,das Haus‘ ist. Städte leben von den Ressourcen des Ressourcengartens und produzieren Müll und Emissionen, die auf dem Schrottplatz landen. Die Design-Philosophie hinter dem Tower of Life ist ein ganzheitlicher und ökologischer Ansatz zur Lösung dieses eklatanten Problems, einschließlich der Wirtschaft und der Gesellschaft. Der Tower of Life ist die nächste Ikone für richtungsweisenden Fortschritt des afrikanischen Kontinents“.

Visionäre Ideen, innovative Lösungen

Der spannende Entwurf nimmt in der Kategorie „Future Projects“ am Wettbewerb um den World Architecture Award 2022 teil. Und er reiht sich würdig in die Liste visionärer, auf Nachhaltigkeit fokussierter Designs ein, die dazu gedacht sind, die Zukunft des Planeten zu sichern. Von Vincent Callebauts futuristischem „Paris 2050“ bis zum schwimmenden Campus, den das Büro 3deluxe für „We the Planet“ konzipiert hat: Ideen, die bedrohlichen Problemen wie Klimawandel, überdichten Städten und sich daraus ergebenden sozialen Missständen entgegenwirken, tun Not.

Für Afrika und die Welt

Und was BAD mit dem „Tower of Life“ vorlegt, ist durchdachter und konkreter als bloßes Gedankenspiel. Kurzum: Ein Konzept, das es verdient, nicht nur als bloße Zukunftsvision für Afrika betrachtet zu werden.

Text: Elisabeth Schneyder Bilder: BAD / Built by Associative Data

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