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Weitblick für Wellenreiter

Der North Piha Beach ist einer der schönsten, aber auch gefährlichsten Surfstrände Neuseelands. Der Turm namens Te Pae von Crosson Architects soll nun Rettungsschwimmern den besten Überblick verschaffen.

12/09/2022, 10:13 AM

Wenn man sich in die für Surfer erstellten Beschreibungen des North Piha Beach vertieft, stellt man sehr schnell zwei Dinge fest: Der Inhalt ist nur verständlich, wenn man mit der nautischen Sprache vertraut ist. Sätze wie: „Ablandige Winde wehen aus dem Osten. Die Wellen können auch bei leichten auflandigen Winden gut sein“, gehen nicht bei jedem runter wie Butter.

Achtung! Gefährlich!

Jede noch so fachkundige Strand-Analyse aber endet sinngemäß mit Worten wie „Achten Sie auf Klippen und Felsen“ oder „Nicht allein surfen“. Der Hintergrund liegt auf der Hand: Hier herrschen zwar perfekte Surf-Bedingungen, allerdings ist die Sache auch richtig gefährlich.

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Tatsächlich ist North Piha Beach ein abseits gelegener Sandstrand westlich von Auckland in Neuseeland. Dass hier perfekte Windverhältnisse herrschen, ist eine Besonderheit, die Wassersportler anlockt. Dass die Farbe des Sandes von North Piha Beach zudem schwarz ist, macht ihn zusätzlich zum beliebten Ausflugsziel für Badegäste oder Spaziergänger.

North Piha Beach lockt doppelt

Diese Kombination aus unterschiedlichen Aktivitäten führt seit jeher zu Unfällen. Schon viele Jahrzehnte wird das Areal also von Rettungsschwimmern bewacht. Zwar auch von einem Turm, doch dem hatten Wind und Wetter so sehr zugesetzt, dass ein neuer in Auftrag gegeben werden musste.

Mehr als nur ein Turm

Eine Chance, die man in der Region ergriff, um einen speziell auf die hier vorhandenen Anforderungen zugeschnittenen Rettungsschwimmer-Turm errichten zu lassen. Einen, der aber gleichzeitig auch die Schönheit der besonderen Landschaft nicht stören sollte.

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Ganz im Sinne des regionalen Gedankens wurde mit eben dieser Entwicklung das örtliche Architekturbüro Crosson Architects beauftragt. Und die Planer hatten sogleich einen interessanten Zugang zu bieten: Sie verstanden den Rettungsschwimmerturm als eine „Küstenskulptur, die als Leuchtturm konzipiert weit mehr als bloß eine praktische Erhöhung für Rettungskräfte“ sein sollte.

Praktisch und architektonisch wertvoll

„Der Auftrag lautete, ein robustes, wartungsarmes Gebäude zu entwerfen, das den rauen Bedingungen an der Küste von North Piha standhält“, zitiert das Studio aus dem Anforderungskatalog. „Es sollte vier Rettungsschwimmern Platz bieten und eine hervorragende Sicht entlang des Strandes ermöglichen. Ein Gebäude, das funktional ist und sich in den Kontext einfügt.“ Anforderungen, die man auch in einer architektonisch interessanten Struktur verpacken kann, waren sich die Architekten sicher.

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Ein Anspruch, der sich ob der natürlichen Gegebenheiten aufdrängte, wie Crosson Architects betonen: „North Piha Beach ist insofern ungewöhnlich, als dass der Sand schwarz ist“, so das Studio. Deshalb habe man von vornherein mit „schwarz oxidiertem Beton geplant, da dieser darauf Bezug nimmt. Außerdem wollte man die geschwungene Form der hügeligen Dünen, in denen das Gebäude steht, widerspiegeln. Daher wurde auch die Oberfläche des Turms mit einer wellenartigen Oberfläche versehen.

Überdimensionales Periskop

Womit wir nun schon konkret bei den architektonischen Aspekten des Rettungsschwimmer-Ausgucks sind. Augenscheinlich ist freilich seine runde Form, die offenbar an ein Periskop, wie man es von U-Booten kennt, erinnern soll. „Sie verweist auf die traditionellen maritimen Beobachtungsgebäude an der neuseeländischen Küste, die zur Überwachung beliebter Küstengebiete eingesetzt werden“, heißt es dazu offiziell. Das kreisrund gestaltete Fensterband gibt vom Beobachtungsplatz den Blick in alle Richtungen entlang des Strandes frei.

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Das kreisförmige Grundmotiv des Objekts setzt sich im Inneren des Turms fort. Hier führt eine zentrale Wendeltreppe empor, ein mit Holz verkleidetes Oberlicht lässt Tageslicht einfallen. Spannend ist zudem die thermische Idee, die sich in der Gestaltung verbirgt.

Durch die Fenster und die Öffnung im Dach kann die warme Luft, die durch das Gebäude aufsteigt, aus dem oberen Stockwerk entweichen. Die thermische Masse der Betonstruktur und das hohe Maß an Isolierung tragen ebenfalls dazu bei, dass im Inneren ein angenehmes Klima herrscht. Ganz ohne künstliche Kühlung.

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Auch achteten die Architekten bei der Planung darauf, dass der Bau das empfindliche Ökosystem nur minimal stören würde. Der gesamte Turm wurde wie ein überdimensionales Puzzle aus vorgefertigten Betonteilen direkt an seinem Standort am North Piha Beach zusammengesetzt.

Ein Name mit Bedeutung

Um aber auch in der externen Kommunikation auf die ganzheitliche Idee der Architekten zu referenzieren, verpassten die Planer ihrem Turm natürlich einen der Māori-Sprache entlehnten Namen: Te Pae. Ein Begriff, der soviel bedeutet wie „sitzen“ und somit die Funktion des Gebäudes als Ort des Beobachtens wohl treffend beschreibt.

Zumindest solange auf dem Strand darunter nichts passiert ...

Text: Johannes Stühlinger Bilder: Samuel Hartnett

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