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11/22/2021

Viel Kohle aber keine Asche

Gemeinsam mit lokalen Handwerkern haben die Designer von sher maker die netzunabhängige Wood and Mountain Cabin in Thailands Wald gepflanzt. Dabei sind sie mit Ressourcen besonders sorgsam umgegangen und nutzten eine steinalte Technik zur Holzverarbeitung.

Es klingt paradox: „Ein Material wird mutwillig zerstört, um es dadurch widerstandsfähig zu machen. Bei der japanischen Technik Shou Sugi Ban passiert genau das. Wörtlich übersetzt heißt es, „verbranntes Sicheltannenbrett“. Dabei wird eine Holzoberfläche durch kontrolliertes Verbrennen karbonisiert und anschließend mit Öl versiegelt.“

So beschreibt ubm magazin-Autorin Gertraud Gerst diese alte Holzverarbeitungsmethode in ihrer spannenden Story „Feuer frei“. Eine wunderbare Geschichte über die Kunst, Holz durch das kontrollierte Verkohlen nahezu ewig haltbar zu machen.

Verkohltes wird nahezu feuerfest

Tatsächlich ist derartig behandeltes Holz nicht nur weit länger haltbar. Es hält Wasser, Insekten und Schimmel fern und ist zudem – und das klingt besonders kurios – ausgesprochen feuerfest. Alles Eigenschaften, die man sich wünscht. Vor allem wenn man mutterseelenallein in einer Hütte im Nirgendwo lebt. Also haben die Architekten des Studios sher maker diese alte Methode der Holzbearbeitung wieder ausgegraben. Aber alles der Reihe nach.

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Unter dem Namen Wood and Mountain Cabin haben sher maker an einem einsamen Ort im Mae Rim Distrikt in Chiang Mai in Thailand eine autarke Hütte errichtet. Die Auftraggeber hatten diesen Ort als idealen Rückzugsort auserkoren und wünschten sich darauf eine schlichte und vor allem ressourcenschonende Bleibe, deren Luxus im Minimalistischen liegen sollte.

Wood and Mountain Cabin: schlicht aber mit Ausblick

Das Ergebnis: Die Wood and Mountain Cabin steht im Nirgendwo. Sie besteht aus einem Schlafzimmer im Obergeschoß, zwei Badezimmern, einem Wohnzimmer, einer Speisekammer und einer Terrasse. Die Außenseite des Gebäudes ist an drei von vier Seiten mit einer Holzwand für die Privatsphäre verkleidet, so dass nur die eine verbliebene Seite Licht ein- und auslässt. Der schlichte Balkon öffnet sich Richtung Berge – mit Blick in das wunderschöne Landesinnere.

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„Wir waren uns einig, dass die verbauten Seitenwände aus Holz bestehen müssen“, erinnern sich Eigentümer und Designer heute gemeinsam zurück. Der Hintergrund dafür ist jedoch keineswegs in etwaigen optischen Überlegungen zu finden. Vielmehr wurde sher maker unter anderen deshalb mit dem Bau von Wood and Moutain Cabin beauftragt, da dieses Studio für seinen nachhaltigen Zugang bekannt ist.

Und eben dieser hat hierbei Regie geführt. Denn: In direkter Nähe des verlassenen Baugrunds stehen die Fertigungsanlangen eines großen Möbelherstellers in Chiang Mai. Und von diesem wollte man Holzreste für den Bau der kleinen Hütte verwenden.

Landestypisch und dennoch innovativ

„Die Idee war es“, sagen die Architekten, „eine Stahlkonstruktion zu errichten, die es uns ermöglicht, nach landestypischem Holzhaus-Wandsystem Verkleidungen aus allen möglichen nachhaltigen Quellen zu nutzen.“ Ein Unterfangen, dass jedoch nur dann funktionieren konnte, wenn man alle verwendeten und unterschiedlichen Hölzer irgendwie auf ein gleiches Qualitätslevel bekommen würde, wussten die Designer. Und hier kommt nun die alte Geschichte der japanischen Shou Sugi Ban-Technik ins Spiel.

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Die Architekten dazu: „Die Methode der brennenden Holzoberfläche zur Konservierung des Holzes, ist ideal, um eine Mischung aus altem Holz, das aus einer Vielzahl von Quellen stammt, miteinander zu verschmelzen.“ Die Methode sei zudem notwendig gewesen, um importiertes Holz an die Eigenschaften des ebenso verwendeten lokalen Holzes anzupassen.

Mehrere Fliegen mit einer Klappe

„Durch das Sortieren und Abschleifen der Holzoberfläche, durch das Wiederverwenden der einzelnen gebrannten Bretter und deren Zusammenbau zu einer neuen Wand wird der Lebenskreislauf des Materials verlängert. Und die spezifische Bedeutung von Materialien und Prozessen hervorgehoben, die es auszeichnen“, freuen sich die Kreativen von sher makers.

Material verstehen lernen

Schließlich gehe es bei der Anwendung dieser alten Technik nicht bloß nur darum, eine besondere Ästhetik zu vermitteln. Vielmehr würde man dabei vor allem das Material verstehen lernen. „Wir haben bewusst die Unvollkommenheiten in jedem Farbton der angebrannten Holzplanken belassen, um zu symbolisieren, dass dieses Gebäude ein Werk individueller Architektur ist. Dass es gänzlich durch menschliche Hände erschaffen wurde“, sagen heute die stolzen Eigentümer.

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Und wenn man sich die Bilder von Wood and Mountain Cabin ansieht, bekommt man keineswegs den Eindruck, es würde sich um eine schlichte Bleibe handeln. Diese Hütte irgendwo in Thailands Wäldern weckt wohl in jedem eine gewisse Form von Sehnsucht nach dem hier gebotenen Luxus.

Ein Luxus jedoch, der zweifelsohne anderer Natur ist, als man ihn von diversen Fünf-Stern-Häusern in Thailand kennt. Und das ist auch gut so.

Text: Johannes Stühlinger Bilder: Rungkit Charoenwat

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