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03/31/2022

Saubermacher auf hoher See

Der futuristische Filtration Skyscraper von Architekt Honglin Li soll sowohl das Plastik- als auch das Energieproblem unserer Welt lösen. Klingt nach Science-Fiction, ist aber tatsächlich machbar, sagen Experten.

Die Idee per se ist nicht unbedingt neu. Schon vor ziemlich genau zehn Jahren erklärte ein damals 19-jähriger Niederländer, wie man die Weltmeere von unserem Plastik-Müll befreit. Unter dem Namen „The Ocean Cleanup“ startete Boyan Slat damals sein automatisiertes Sammelsystem. Heute befindet es sich in der (vielleicht) finalen Testphase.

Schwimmende Müllsammler

Die Vision, im Meer schwimmenden Plastikmüll einzusammeln, hat nun Architekturdesigner Honglin Li zu seinem neuesten Entwurf inspiriert. Unter dem Namen Filtration Skyscraper will er schwimmende Wolkenkratzer Richtung Plastikinseln entsenden. Diese sollen aber nicht bloß Kunststoff einsacken. Sie sollen diesen außerdem recyceln und in Energie umwandeln. So will er nahezu selbsterhaltende (Wohn-)Inseln entstehen lassen, die quasi nebenbei den Planeten säubern.

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Auch wenn diese Vorhaben ziemlich verrückt klingen mag, räumen Experten dem Projekt durchaus Realisierungs-Potential ein. Die Jury des internationalen eVolo-Wolkenkratzer-Wettbewerbs etwa erwähnte Lis Entwurf explizit lobend. „Der Vorschlag ist zwar phantasievoll, vereint aber eine Reihe von Recycling- und Energiegewinnungsprozessen aus der Praxis“, heißt es hier.

Filtration Skyscraper: Nicht bloß Fiktion

Der Visionär selbst betont: „Ich habe Nachforschungen über bestehende Materialrückgewinnungsanlagen (MRF) und Wasseraufbereitungsanlagen (WTP) angestellt und sie vertikal in einer modularen, vorgefertigten Megastruktur kombiniert!“

Aus Plastik wird Strom

Was aber heißt das nun konkret? Li zufolge würden in seinen spektakulären schwimmenden Türmen ausgeklügelte Systeme zum Tragen kommen, die bereits in der Praxis eingesetzt werden. Diese sollen Plastik genauso aus dem Meer fischen, wie andere Schadstoffe. Allerdings sollen seine Systeme anders arbeiten als herkömmliche Materialrückgewinnungsanlage. Diese seien meist auf den Einsatz mehrerer Förderbänder angewiesen.

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Im Filtration Skyscraper würde Meerwasser jedoch samt Müll erst an die Spitze des Gebäudes gepumpt werden. Dank Schwerkraft würde beim Rückfließen des Wassers dieses dann in unterschiedlichen Abschnitten gefiltert. Insgesamt biete der Vorschlag von Honglin Li seinen eigenen Worten zufolge „eine nachhaltige und sogar regenerative Lösung für schwimmenden Müll sowie eine zweite Chance, die Beziehung zwischen Natur und Mensch wiederherzustellen.“

Auch Biotreibstoff soll entstehen

Aus dem gesammelten Müll würde jedenfalls Biokraftstoff genau so hergestellt werden können, wie auch Strom. Mit diesem sollen vorerst die Systeme der Woklenkratzer selbst versorgt werden. Überschüssige Energie würde im ersten Schritt gespeichert werden, um sie später an Land zu verwenden. In einem weiteren sollen im Filtration Skyscraper Wohneinheiten damit betrieben werden.

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Um außerdem nicht unnötig viel CO2 für den Bau der Filtration Skyscraper in die Atmosphäre zu pulvern, hat sich der Designer ebenfalls etwas überlegt: „Es geht darum, verlassene Ölplattformen in vertikale Recycling-Wolkenkratzer zu verwandeln", sagt er. „Diese würden den schwimmenden Müll filtern, das Meerwasser reinigen und gleichzeitig die weltweite Energiekrise bekämpfen.“

Erstes Ziel: Plastikinseln

Somit ist aus seiner Sicht auch das Einsatzgebiet der Türme klar: Im so genannten Great Pacific Garbage Patch. Bei den so genannten Plastikinseln. An mehreren Stellen in unseren Meeren haben sich in rotierenden Strömungen Milliarden von Plastikpartikeln angesammelt. Die bekannteste Insel umfasst eine Fläche, die der vierfachen Größe Deutschlands entspricht.

Zumindest Grund zur Hoffnung

„Das Projekt ist zwar für diesen nordpazifischen Wirbel vorgesehen, da er der größte und dichteste Müllfleck im Meer ist", so Li. Es könnte jedoch weltweit eingesetzt werden, um überall Umwelt- und Energieprobleme zu lösen.

Eine Vision, die zwar in weiter Ferne zu sein scheint. Aber jedenfalls jetzt schon einmal eines gibt: Hoffnung.

Text: Johannes Stühlinger Bilder: Honglin Li

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