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08/24/2020

Nach Corona ist vor Corona

Um in Zukunft auf Lockdown-Situationen besser vorbereitet zu sein, setzt das Ursprungsland des Corona-Virus auf neue Stadtkonzepte. Ein erstes wurde nun präsentiert. Spoiler: Eine Zwiebel diente als Vorlage!

Es hat freilich eine gewisse Logik: Eben jenes Land, in dem das die Welt in den Lockdown manövrierende Coronavirus erstmals aufgetreten ist, möchte in Zukunft die Dinge ein bisschen richtiger machen als in der Vergangenheit.

Weniger sympathisch daran: Statt die konkreten Ursachen für den Ausbruch zu ergründen – Stichwort: Tiermärkte – sorgt man sich in China eher darum, wie man in Zukunft mit einem Lockdown selbst besser zurande kommt. Und hat einen entsprechenden Architektur-Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem sich alles um die krisensichere Stadt dreht.

Europa als chinesische Lösung?

Darauf hat offenbar das spanische Architekturbüro Guallart Architects eine ideale Antwort gefunden. Der Vorschlag des in Barcelona ansässigen Studios wurde soeben als Gewinnerprojekt präsentiert. Und das hat wohl unter anderem den Hintergrund, dass es sich an europäischen Strukturen und Lebensräumen orientiert. Selbst die in Europa gerade besonders angesagte Holzbauweise kommt hierbei besonders zum Tragen.

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Wir können nicht mehr weiter Städte und Gebäude entwerfen, als ob nichts geschehen wäre.

Vincente Guallart, Architekt

Tatsächlich entwickelte Büro-Gründer Vicente Guallart eine Gemeinde, die auf einer bestehenden Fläche im chinesischen Xiong'an errichtet werden soll. Sie orientiert sich, aus seiner Sicht wenig überraschend, an traditionellen europäischen Stadtvierteln. Gleichzeitig aber finden chinesische Attribute darin genauso Anklang, um das Stadtviertel unaufgeregt in die bestehende Umgebung betten zu können.

Lockdown als Chance

Ausgegangen ist das Team rund um Vincente Guallart bei der Entwicklung übrigens von einer klaren Aussage des Chefs, die er nur wenige Tage nach dem Verhängen des Lockdowns tätigte. Und die rückblickend durchaus als visionär wahrgenommen werden kann: "Wir können nicht mehr weiter Städte und Gebäude entwerfen, als ob nichts geschehen wäre“, sagte er damals.

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Keine leeren Worte! Denn kaum war seine gesamte Belegschaft im Lockdown und die Auftragslage von einem Tag auf den anderen bei nahezu Null, beauftragte er sein Planerteam eben mit der Entwicklung neuer Stadtkonzepte.

Honorata Grzesikowska, Direktorin des Büros, erklärt dazu: "Wir entwickelten dieses Projekt während der Ausgangsbeschränkungen. Als das gesamte Team von zu Hause aus arbeitete. Wir hatten beschlossen, all jene Aspekte einzubeziehen, die unser Leben in eben diesem Moment verbessern würden, um so einen neuen Standard definieren zu können.“

Die Zwiebel für die Lockdown-Logik

Stellt sich nun natürlich die Frage: Wie sehen diese aus? Konkret ist das Projekt unter dem Titel „Die autarke Stadt“ (mehr zum Thema hier) in Zwiebelschichten konzipiert. Jeder Schicht der Gemeinde werden andere Funktionen zugeordnet, die für das menschliche Leben in verschiedenen Maßstäben benötigt werden. Im Zentrum steht stets das Wohnen, das sich weiter über die Versorgung bis hin zur Gemeinschaft entblättert.

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Insgesamt ist das Stadtviertel aber in vier bauliche Blöcke gegliedert, die allesamt aus Massivholz errichtet sein sollen. Alle Gebäude werden von Gewächshäusern bedeckt sein, die es jedem ermöglichen, immer Lebensmittel für den täglichen Bedarf zu produzieren. Um sich im Fall eines Lockdowns vom ersten Tag an selbst versorgen zu können. Dementsprechend nur logisch, dass die geneigt gebauten Dächer mit Solarpaneelen ausgestattet sind, um in Sache Energiegewinnung autark zu sein.

Terrassen für alle

Außerdem werden sämtliche Wohnungseinheiten jeweils über eine große, nach Süden ausgerichtete Terrasse verfügen. Diese sollen als natürliche Wärmeregulatoren dienen und in Zeiten der Enge den Bewohnern das Spielen, Ausruhen und Arbeiten im Freien jederzeit ermöglicht.

Ebenso werden in allen Wohnungen eigene Telearbeitsplätze stets einsatzbereit sein und das gesamte Objekt an ein autark funktionierendes 5G-Netze angeschlossen sein. So sollen soziale Netzwerke auf Nachbarschaftsebene für den Austausch von Ressourcen und Hilfeleistungen geschaffen werden.

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Erst in einer weiter außen liegenden Zwiebelschicht finden kleine Fertigungsstätten Platz, die wiederum Produktionsmethoden forcieren, die während Corona besonders relevant wurden: Rapid-Prototyping-Verfahren und 3D-Druckersysteme, etwa. Hier sollen schnell und unkomplizierte Produkte und Objekte des täglichen Bedarfs hergestellt werden können, ohne auf die Außenwelt Zugriff zu haben.

Unwichtigeres liege außerhalb

Und in der äußerten Zwiebelschicht finden sich dann Büros, Schwimmbäder, Geschäfte, Lebensmittelmärkte, ein Kindergarten, ein Verwaltungszentrum und eine Feuerwache wieder.

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"Unser Vorschlag entspringt der Notwendigkeit, Lösungen für die verschiedenen Krisen zu finden, die sich gleichzeitig auf unserem Planeten abspielen, um ein neues städtisches Leben auf der Grundlage der zirkulären Bioökonomie zu schaffen“, sagt Vincente Guallart.

Unklar ist aktuell noch, wann das Projekt realisiert werden wird. Fest steht jedenfalls: Ein Tiermarkt ist in Guallarts Konzept definitiv in keiner Zwiebelschicht enthalten.

Text: Johannes Stühlinger Bilder: Guallart Architects

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