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UBM Development
05/04/2020

Melbourne greift nach den Sternen

Jetzt ist es fix: Das so genannte „Southbank Project“ darf gebaut werden. Damit entsteht in Melbourne die erste echte vertikale Stadt der Welt.

Die Visionen von Städten, die sich nicht in der Fläche sondern in ihrer Höhe ausdehnen, sind alle wahrlich spektakulär. Sie sind aber auch alle eher futuristisch als realitätsnah.

So hat etwa der italienische Architekt Luca Curci eine vertikale Stadt entwickelt, die auf einen Schlag nahezu alle urbanen Probleme lösen könnte. Sie soll vom Wasser aus in den Himmel ragen. Allein, wo das nachhaltige Wunderding entstehen und wer das bezahlen soll, ist unklar.

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Doch das so genannte „Southbank Project“ in Melbourne spielt da in einer anderen, weil realistischen Liga. Seit wenigen Tagen ist es sogar amtlich – die australische Regierung erteilte die Baugenehmigung für die zwei geplanten gigantischen Tower.

Erste vertikale Stadt der Welt

Der höchste der beiden ist mit 365 Metern zwar nicht so hoch wie der soeben fertiggestellte Central Park Tower in New York – mit 472,44 das aktuell höchste Wohnhaus der Welt – allerdings versteht er sich auch nicht bloß als Wolkenkratzer. Sondern im Zusammenspiel mit seinem etwas niedrigeren Bruder als – vertikale Stadt. Sprich: In diesem „Haus“ wird alles, was sonst eine Stadt ausmacht, unter einem Dach vereint sein.

Stadtviertel wachsen in den Himmel

Das bedeutet: Die senkrechte Minimetropole wurde von vornherein so konzipiert, dass regelrechte „Stadtviertel“ aus dem Boden gestampft werden sollen. Offiziell als „Southbank by Beulah“ bezeichnet, wird das in Zukunft höchste Bauwerk Australiens also über die unterschiedlichsten Lebensbereiche verfügen, die wir aus herkömmlichen Städten kennen.

Vier Areale sollen zu Privatwohnungen ausgebaut werden. Ein gigantischer Dachgarten wird genau so öffentlich zugänglich sein, wie diverse Grünflächen, so genannte „Pocket Parks“. Diese sollen über das gesamte Objekt verteilt die Natur in die Stadt holen. „Sie werden zentrale Rollen spielen, um die Nachbarschaft innerhalb des Wohnturms zu intensivieren, den Bewohnern ein Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln und ihnen einen Ort der Entspannung zu bieten“, heißt es seitens der zukünftigen Stadtverwaltung.

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Diese residiert natürlich nach Fertigstellung in einem waschechten „Rathaus“, in dem alle für die Verwaltung notwendigen Stellen untergebracht sein werden. Ebenfalls vorgesehen sind Handelsbüros, ein städtisches Fünf-Sterne-Hotel sowie Gesundheitszentren und diverse Wellnessbereiche. Außerdem wurden Kunst- und Kulturräume in jene Bereiche des Plans integriert, in denen „Einkaufsstraßen“ vorgesehen sind.

Gewundene Wirbelsäule

Optisch gesehen werden sich die unterschiedlichen Stadttürme innerhalb der beiden Türme wie eine Art gewundene Wirbelsäule über 101 Stockwerke in den Himmel schrauben und insgesamt 270.000 Quadratmeter Nutzfläche bieten.

Kurz ein Vergleich, um sich diese Dimension vorstellen zu können: Die gesamte Shopping City Süd bei Wien verfügt samt ihrer 10.000 Parkplätze über genau die gleiche Dimension. Allerdings zu ebener Erde.

Aber kommen wir zurück zum in ungefähr sieben Jahren höchsten Gebäude Australiens. So lange wird der Bau des Giganten nämlich dauern, haben die realisierenden Partner UNStudio und Cox Architecture errechnet.

Derzeit wird für den Baustart alles vorbereitet – mit Beginn des kommenden Jahres soll es losgehen. Dass der Bau nun tatsächlich genehmigt wurde, löste beim einreichenden Konsortium freilich große Freude aus. Vor allem aber auch großes Erstaunen. Man hatte eigentlich nicht mehr damit gerechnet, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Schließlich sperrte sich Australiens zuständiger Minister Richard Wynne in der Vergangenheit eher gegen das gigantische Projekt. Selbst die ob der Höhe notwendige Zulassung durch die Luftfahrtbehörde war von unerwarteten Turbulenzen geprägt gewesen.

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Was also hatte nun den Ausschlag gegeben? So kurios es klingen mag, aber die Covid-19-Krise. Um nämlich einem erwarteten Wirtschaftseinbruch von 14 Prozent entgegen zu wirken, genehmigte die Regierung im Schnellverfahren Bauprojekte im Gesamtwert von mehreren Milliarden Dollar, wovon allein auf dieses eine Projekt zwei Milliarden entfallen. Schließlich garantiert die „Southbank“ für die kommenden Jahre 4.700 und infolge 3.250 konstante Arbeitsplätze. Eine für Melbourne relevante Größenordnung.

Lob für die Regierung

Und so beeilte sich Beulah-Geschäftsführer Jiaheng Chan dieser Tage freilich mit einem lobenden Pressestatement: "Wir möchten sowohl der Regierung als auch der Stadt Melbourne unseren aufrichtigen Dank für ihre Unterstützung der Southbank by Beulah aussprechen, von der wir hoffen, dass sie in den kommenden Jahren eine bedeutende Rolle bei der wirtschaftlichen Erholung Melbournes spielen wird.“

Aber auch zu dem, was sich die Australier am Ende erwarten dürfen, äußerte sich Chan: "Southbank by Beulah wird die Art und Weise, wie die Melbourner arbeiten, leben, lernen, revitalisieren und spielen, verändern. Es wird einen globalen Maßstab für ein beispielloses Lifestyle-Drehkreuz setzen, das heutigen und zukünftigen Generationen gerecht wird und das das künftige Wachstum Melbournes und seine Vision, eine wirklich globale intelligente Stadt zu werden, unterstützen wird.“

Jedenfalls aber wird es die erste vertikale Stadt, die aus den Köpfen der Architekten ihren Weg in die Realität findet. Und das ist schlicht und einfach: beeindruckend.

Text: Johannes Stühlinger

Bilder: Southbank by Beulah

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