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UBM Development
01/13/2020

Mammut-Projekt „La Brea Tar Pits“

In diesen Teergruben wird seit jeher Geschichte geschrieben: Los Angeles' „La Brea Tar Pits“ sind weltweit die einzige aktive paläontologische Forschungseinrichtung in Großstadtgebiet.

Jetzt werden Park, Museum und Labore neu designt – nach dem Masterplan des Architekturbüros Weiss/Manfredi.

Die große Fan-Gemeinde der drei legendären Fiberglas-Mammuts auf dem Gelände der „La Brea Tar Pits“ atmet auf. Denn der Wettbewerb ums Neu-Design des Parks, des Museums und der Forschungsstätten in den berühmten Teergruben ist entschieden. Und der Masterplan des Architekturbüros Weiss/Manfredi wird dem Dickhäuter-Ensemble ein neues, spektakuläres Umfeld schaffen.

Emotionaler Wettbewerb

Der Entscheidung für den Entwurf des New Yorker Architektenteams ging ein aufwändiges Auswahlverfahren voraus. Neben Weiss/Manfredi standen zuletzt die prominenten Büros Dorte Mandrup und Diller Scofidio + Renfro im Finale.Das Konzept des letztgenannten Studios löste heftige Diskussionen aus – weil die Mammuts damit Neuerungen hätten weichen müssen. Undenkbar für viele Bewohner der Moviebusiness-Metropole Los Angeles, die das Drama liebt. Eben auch jenes der vor den Augen ihrer Familie im natürlichen Teerbecken versinkenden Dickhäuter-Mutter.

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Dass die Naturkundemuseen von Los Angeles County (NHMLAC), die das Gelände verwalten, nun Weiss/Manfredis Design den Vorzug gaben, freut jedoch nicht nur Laien mit Faible für Urzeit-Rüssler. Der Sieger-Plan von Marion Weiss und Michael Manfredi zielt stark auf erhaltende Modernisierung ab. Eine Grundidee, die dem Gros der Mit-Entscheider näher lag als der Gedanke an deutliche Veränderung.

Erneuern, aber auch bewahren

„Die Wahrung der Kultmerkmale des Standorts“ werde mit diesem Konzept gewährleistet, erklärte NHMLAC-Präsidentin und Direktorin Lori Bettison-Varga. Man freue sich, gemeinsam mit mit Marion Weiss und Michael Manfredi „bessere Integration des Museums und der Landschaft im Hancock Park zu erreichen“. Auch der Zugang zur Community werde damit verbessert und eine nachhaltigere Infrastruktur für die nächsten 50 Jahre entwickelt.

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Was den vielen einheimischen Liebhabern des Museumsgeländes besonders am Herzen lag, brachte die Los Angeles Times auf den Punkt: „Der Vorschlag verdeutlicht die vielen Funktionen des Parks. Er erhält das George C. Page Museum aus den 70er Jahren, fügt einen neuen Ausstellungsflügel hinzu und erweitert die Rasenfläche“.

Tar Pits als moderne Entdeckungszone

Weiss/Manfredis Konzept wird seinem Titel „Loops and Lenses“ (Schleifen und Linsen) auf elegante Art gerecht. Es schafft neue Verbindungen zwischen Museum und Park, die das gesamte Areal zu einer weitläufigen Erlebnis- und Entdeckungszone machen.Wichtigstes Mittel dazu ist ein Pfad, der sich in Schleifen durch den öffentlichen Park windet. Er bindet drei von den Architekten definierte Hauptthemen ein: Forschung und Entdeckung, Gemeinschaft und Kultur, sowie Spektakel und urbane Fiktion.

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Aktive Ausgrabungsstätten und die Pflanzenwelt des pleistozänen Gartens repräsentieren das Thema „Forschung und Entdeckung“. „Gemeinschaft und Kultur“ beschreibt die große Rasenfläche rund ums George C. Page Museum. „Spektakel und urbane Fiktion“ umfasst die Randzone des Parks mit ihren markanten Senken und Seen.

Als „Linsen“ bezeichnen die Architekten gerahmte Ausblicke, die überall in Park und Museum positioniert werden. Sie sollen die hiesige Forschungsarbeit und die Sammlung des Museums mit ihren über 3,5 Millionen Exemplaren hervorheben.

Vielseitiges Spezialisten-Team

Das Team, das Weiss/Manfredi für die Umsetzung des Masterplans zusammengestellt hat, besteht aus Spezialisten vieler Disziplinen. Da wären etwa Erlebnisdesignerin Karin Fong von Imaginary Forces und Robert Perry (Perry and Associates Collaborative), der sein Wissen als staatlich anerkannter Experte für Wasserschutz und kalifornische Ökologie einbringt.Ebenfalls mit im Boot: Die von La Brea ausgebildete Paläobotanikerin Carole Gee, Naturforscher und Künstler Mark Dion, sowie Designer Michael Bierut von Pentagram. Verstärkt wird das Team von in Los Angeles ansässigen Beratern wie Architektin und Denkmalpflegerin Brenda Levin (Levin & Associates).

Es gibt keinen magischeren Ort auf der Welt als La Brea Tar Pits. Wir und unser Team sind zutiefst dankbar für die einmalige Gelegenheit, die vielfältigen Identitäten der Teergruben, des Museums und Hancock Parks zu enthüllen.

Marion Weiss & Michael Manfredi, Weiss/Manfredi Architects

Die fachübergreifende Kooperation entspricht der diffizilen Aufgabe. Schließlich geben die La Brea Tar Pits einen einzigartigen Blick ins Leben in der Eiszeit. Sie sind ein lebendiges Wissenschaftslabor, das ständig neue Erkenntnisse über Erdgeschichte und Umweltveränderungen liefert. Unzählige Pflanzen und Tiere wurden in den vergangenen 50.000 Jahren von diesen außergewöhnlichen Teergruben konserviert.

Zugleich ist das Gelände allerdings auch ein begehrtes Ausflugsziel und Erholungsgebiet. Besucher können hier live miterleben, wie Forscher Fundstücke aus dem Asphalt bergen und im Fossillabor bearbeiten.

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Weiss/Manfredis Team wird mit NHMLAC an einem mehrjährigen Prozess des öffentlichen Engagements, der Masterplanung und des Baus auf dem 13 Hektar großen Campus der Tar Pits arbeiten. Ein komplexes Projekt – nicht nur wegen seiner wissenschaftlichen Bedeutung. Die gewünschte, sanfte Erneuerung muss einige architektonische Probleme lösen. Zum Beispiel bei Renovierung und Ausbau des Museums.

Neues Leben fürs alte Gebäude

Das 1977 eröffnete, von den Architekten Frank Thornton und Willis Fagan aus Los Angeles entworfene Gebäude wurde in den Boden versenkt errichtet, um so viel Landschaft wie möglich zu erhalten. Ein von Bildhauer Manuel Paz geschaffenes, vierseitiges Glasfaserfries aus eiszeitlichen Landschaften, Pflanzen und Säugetieren überragt den Bau. Form und Lage des 57.000 Quadratmeter großen Museums machen Erweiterungen und Veränderungen schwierig.

Transparenz & Erholungswert

Der von Weiss/Manfredi vorgeschlagene Entwurf verdoppelt die Größe der Dachterrasse und schafft Platz für Veranstaltungen. Außerdem fügt er eine Glasfassade hinzu, um die Artefakte der La Brea Tar Pits nach außen sichtbar zu machen. Die beliebte Wiesenfläche wird ebenfalls ausgedehnt. Wie auch die Terrasse, soll sie im Zug der Erweiterung zugänglich gemacht werden und den Besuchern mehr Erholungsmöglichkeiten bieten.

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Bis zur Fertigstellung der Arbeiten werden wohl Jahre vergehen. Aber was ist das schon im Vergleich zur Geschichte der mit natürlichem Asphalt gefüllten Gruben, die ein vollständiges Ökosystem aus der Zeit vor 40.000 bis 10.000 Jahren offenbaren?

Gute Zukunft für Vergangenheit

Das renommierte Architektenteam Marion Weiss und Michael Manfredi begegnet der Herausforderung mit gebührendem Respekt: „Es gibt wirklich keinen magischeren Ort auf der Welt als La Brea Tar Pits. Wir und unser Team sind zutiefst geehrt und dankbar für diese einmalige Gelegenheit, die vielfältigen Identitäten der Teergruben, des Museums und Hancock Parks zu enthüllen“. Mit den, bei Los Angeles‘ Bewohnern so populären Fiberglas-Mammuts. Und ganz im Sinn der Forscher und Erhalter, die den Tar Pits eine gute Zukunft sichern wollen, ohne dabei Historisches zurückzulassen.

Design, Events & Attraktionen

Dass man sich innovativen Design-Ideen dabei nicht völlig verschließt, bewies etwa der Aufbau des Serpentine Gallery Pavilions von Selgascano in den Tar Pits im Sommer 2019: Die bunte, hippe Installation des Madrider Architekten-Teams bietet als temporäre Event-Location Raum für allerlei Veranstaltungen. Und so sehr man in Los Angeles an liebgewonnenen Attraktionen festhält: Man macht auch gerne Träume wahr. So, wie jetzt jenen vom modernen Fenster in uralte Erdgeschichte.

Text: Elisabeth Schneyder

Bilder: Weiss/Manfredi, La Brea Tar Pits

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