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UBM Development
04/28/2020

Leuchte mit großer Strahlkraft

Vor genau 20 Jahren ließ sich Star-Designer Marc Sadler von Golfschlägern zur Bodenleuchte Mite inspirieren. Heute gilt sein Konzept als wahre Wohnzimmer-Ikone.

Egal ob Stühle, Tische oder Lampen – wenn man Designklassiker genauer betrachtet, wird einem oft recht schnell bewusst: Das Teil muss einfach genau so aussehen!

Die jeweilige Form wirkt schlicht logisch. Das verwendete Material auch. Dieser Umstand führt zumeist dazu, dass so genannte Klassiker nicht laut sind, sondern eher leise. Schlicht. Meist schnörkellos.

Lampe ohne Schnörkel

Eben genau dies trifft vielleicht auf keine andere Lampe so sehr zu, wie auf die Bodenleuchte Mite. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haben Sie diese Lampe schon oft gesehen. In Schaufenstern. Wohnzimmern. Filmen oder auf Fotos. Vielleicht aber haben Sie den nach oben hin breiter werdenden Leuchtzylinder nicht bewusst wahrgenommen. Weil: War eben logisch, dass diese Lampe hier steht und genau so aussieht.

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Tatsächlich ist dem in Österreich geborenen und heute in Italien lebenden Franzosen Marc Sadler mit dem Design der Mite-Bodenleuchte ein richtig großer Wurf gelungen. Einer, auf den sein Auftraggeber bis heute auch zurecht stolz ist: Das auf besondere Lampen spezialisierte Unternehmen Foscarini zelebriert das 20-Jahr-Jubiläum "seiner" Mite deshalb auch gerade mit einer PR-Offensive. Und verweist dabei etwa darauf, dass die Bodenleuchte schon gleich nach ihrer Markteinführung im Jahr 2001 den begehrten Designpreis „Compasso D’Oro“ gewinnen konnte.

Vom Skischuh zur Lampe

Diesen darf sich freilich vor allem Designer Marc Sadler auf seine Fahnen heften. Gleich neben die anderen drei „Compasso D’Oro“-Auszeichnungen, die er insgesamt bereits eingeheimst hat. Schließlich ist Sadler schon seit den 70er-Jahren ein Star am Designhimmel. Sein Stern ging damals mit der Erfindung eines Skischuhs auf, der aus vollkommen wiederverwertbarem und vor allem thermoplastischen Material gefertigt wurde.

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Dieser Erfolg führte den 1946 in Innsbruck geborenen Kunstliebhaber recht schnell in eine Welt, die mit Einrichtungen und Interiordesign so gut wie nichts gemein hat: In die Welt der Sportartikel. Ein Rückenprotektor für Motorradfahrer sollte den nächsten Meilenstein seiner Arbeit markieren. Dieser ist bis heute in der „Permanent Collection“ des New Yorker MoMA zu sehen. So nebenbei entsprangen ganz „normale“ Modelle seinem Kopf. Ski etwa. Tennisschläger auch, sogar Golfschläger. Artikel, die er für die unterschiedlichsten internationalen Sportkonzerne erfolgreich entwickelte und deren Faszination für ihn nie im Gegenstand selbst bestand, sondern vor allem im Material, aus dem sie gefertigt wurden.

Das Material zählt

Eine Faszination, die aus heutiger Sicht seit nunmehr 20 Jahren die Wohnwelten schöner macht. Denn am Ende war es die Machart von Golfschlägern, die Sadler den Weg zur später gefeierten Lampe ebnete. Oder, genau genommen, das Material, aus dem diese bestehen – Kevlar. Ein extrem robuster aber dennoch flexibler Kunststoff, der auch für Formel-1-Cockpits verwendet wird.

Doch bevor Sadler auf die Idee kam, sein Wissen aus seiner Sportprodukt-Vergangenheit hervorzukramen, sollte einige Zeit vergehen, erinnert sich Foscarini-Geschäftsführer Carlo Urbinati noch gut: „Wir haben zwei Jahre lang mit Marc an dieser Idee gearbeitet. Marc hat zahllose Skizzen angefertigt und wir haben Prototypen mit den verrücktesten Formen hergestellt und dabei die unterschiedlichsten Materialien ausprobiert, doch es gab keine Lösung. Also mussten wir eben eine erfinden.“

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Bis man irgendwann auf Kevlar kam. Sadler dazu: „Da ich mich mit Produktionstechniken sehr gut auskenne und mich nicht zu weit vom ursprünglichen Konzept entfernen wollte, haben wir letztlich eine Methode gewählt, mit der ich früher schon Golf- und Tennisschläger herstellen habe lassen.“ Allerdings war die Sache nicht ganz so einfach, wie gedacht, erzählt der Designer weiter: „Normalerweise muss bloß das Material standhalten und basta. Aber hier arbeitet man mit Eigenschaftswörtern wie schön oder außergewöhnlich. Obwohl das für mich eigentlich keine Parameter sind.“

Die Mischung macht die Mite

In diesem Fall naturgemäß jedoch schon. Und so musste das Material noch an die optischen Bedürfnisse angepasst werden. Viele Experimente später ging Sadler dann buchstäblich ein Licht auf: Eine Mischung aus Glasfaser und Kevlar könnte die Lösung sein.

Genau dieses Gemisch verleiht seither der Leuchte ihre einzigartige Erscheinung, bildet ob ihrer Robustheit gleichzeitig die tragende Struktur. Außerdem dient sie als Basis für viele andere Lampendesigns, die der Mite folgten.

Und die sich im Idealfall genau so logisch und schnörkellos in unseren Köpfen festsetzen wie ihre Design-Mama.

Text: Johannes Stühlinger

Bilder: Foscarini

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