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02/04/2021

Klimaschutz per Möbelhaus

IKEA eröffnet 2021 in Wien sein bisher innovativstes Möbelhaus. Designt vom Büro querkraft architekten soll der City-Store der Nachbarschaft des Westbahnhofs kühlendes Grün bescheren. Für Klimaschutz, gegen den Klimawandel – und GREENPASS Platinum zertifiziert.

IKEA eröffnet 2021 in Wien sein bisher innovativstes Möbelhaus. Designt vom Büro querkraft architekten soll der City-Store der Nachbarschaft des Westbahnhofs kühlendes Grün bescheren. Für Klimaschutz, gegen den Klimawandel – und GREENPASS Platinum zertifiziert.

Die Gleichenfeier, die’s zum Jahresende hätte geben sollen, fiel leider Corona-Schutzmaßnahmen zum Opfer – und somit unzelebriert ins Wasser. Doch der Termin der Fertigstellung des vom Wiener Büro querkraft designten Bauwerks dürfte halten: Im Herbst 2021 soll der neue IKEA City-Store am Wiener Westbahnhof eröffnet werden. Und der Neubau ist in der Tat bemerkenswert, soll er doch die weltweit innovativste aller Niederlassungen des Einrichtungskonzerns werden: Ein Möbelhaus, das dem Klimaschutz dient. In einem Gebäude, das ganz im Zeichen des Kampfes gegen den Klimawandel konzipiert wurde.

Autofreies Möbel-Shopping

Passionierte Shopper, aufgepasst: Der neue City-Store wird „autofrei“. Der spontane Einkaufsausflug Marke „... und das passt auch noch in den Kofferraum“ fällt also flach. Auf Kundenparkplätze wurde im Plan nämlich komplett verzichtet. Dafür ist der Standort am Westbahnhof aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Wie Sofa und Wandschrank auch entspannt ins Eigenheim gelangen, wenn man sich per U-Bahn oder per Fahrrad zum neuen IKEA begeben hat?Ein Präsentationsvideo verspricht schon jetzt bequemen Liefer-Service. Und ein Möbelhaus, das zugleich angenehmer Treffpunkt ist.

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Die genannte Auto-Freiheit ist natürlich längst nicht alles, was der Komplex zum Klimaschutz und gegen Klimawandel leisten soll. Das zukunftsorientierte Möbelhaus kann mehr: Es wurde schon vor Fertigstellung mit dem GREENPASS Platinum Zertifikat ausgezeichnet. Und zwar für seine herausragende Performance in den Bereichen Klima, Wasser, Energie, Luft, Biodiversität und Kosten. Eine Art „Weltpremiere“, die den Neubau umso mehr zum besonderen Projekt erhebt – zum Vorteil von Anrainern und Stadt.

160 „coole“ Bäume

Mit seinen 160 Bäumen soll der City-Store die Nachbarschaft des Wiener Westbahnhofs an Hitzetagen um bis zu 1,5 Grad Celsius kühler machen. Mehr Grün für die Umgebung schafft er obendrein. Ein wichtiger Aspekt, wie schon das Feedback auf eine zu Anfang des Ideenwettbewerbs gestellte Frage deutlich machte: Was würden sich die Menschen rund um den Standort wünschen?

City-Park mit Mehrfachnutzen

„Die Antwort war klar: Einen innerstädtischen Park!“, berichtet Jakob Dunkl vom Büro querkraft. Also entwickelte das Architekten-Team das visionäre Projekt eines vertikalen Parks, der neben einem Möbelhaus auch ein Hostel beherbergt. Alles in der hilfreichen Gewissheit, dass dem Bauherrn IKEA die Themen Nachhaltigkeit, Biodiversität, Klimaschutz und Nachbarschaft am Herzen liegen.

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Das neue, „grüne“ Einrichtungsparadies, das direkt an den Wiener Westbahnhof grenzt, betreibt quasi Klimaschutz per Möbelhaus. Auf rund 4.000 Quadratmetern Fläche inmitten dichter gründerzeitlicher Bebauung entstehen sieben Geschosse. Neben dem City-Store wird auch ein Hostel hier Platz finden.Wobei: Nicht nur IKEA-Fans und Hostel-Gäste werden die Vorzüge des Neubaus genießen können. Mit begrünter Fassade und öffentlich zugänglicher Dachterrasse soll das Bauwerk ganz Wien um ein attraktives Highlight bereichern. Um eines, das urbanen Hitzeinseln und insgesamt dem Klimawandel engagiert den Kampf ansagt.

Innenstadt statt „außerhalb“

„Wir sind einen weiten Weg gegangen. Von ,blauen Boxen‘ auf der grünen Wiese zu einem Innenstadt-Einrichtungshaus, das seinesgleichen sucht. Wir wagen dieses Experiment, weil sich unser Leben, das Kundenverhalten und die Mobilitätsgewohnheiten rasant ändern. Um dem zu begegnen, braucht es neue Wege“,erklärt IKEA Austria Business Development Managerin Maimuna Mosser. Die vielen Bäume und Sträucher an allen Fassaden verpassen dem Möbelhaus einen markanten Look. Sie gedeihen in überdimensionalen Pflanztöpfen und werden sensorgesteuert mit Wasser und Nährstoffen versorgt.

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Dass das Gebäude und seineAußenanlagen sich positiv aufs Mikro- und Stadtklima auswirken müssen, stand von Beginn an fest. So wurde bereits in der Ideenwettbewerbsphase 2017 eineGREENPASSPre-Certification angewendet, um die Effekte der Planungsentwürfe und die Wirkungsleistung der Begrünung aufzuzeigen und zu argumentieren.

Klimaschutz „mit Brief & Siegel“

Die Konzeption fürs pralle Gründes City-Store wurde von Kräftner Landschaftsarchitektur mit Unterstützung der Experten von Green4Cities entwickelt. Beim optimalen Einsatz der Bepflanzung in Entwurfs- und Detailplanung half GREENPASS. Das Ziel: Hohe Wirkungsleistung und thermischer Komfort für die künftigen Nutzer und die Nachbarschaft. Und zwar inklusive offizieller Bestätigung in Form des ersten internationalen Zertifizierungsstandards für Klimaresilienz.

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Mit Fokus auf den Freiraum wurden sechs urbane Themenfelder analysiert, optimiert und bewertet: Klima, Wasser, Luft, Biodiversität, Energie und Kosten. Die erreichte Punktezahl von 328 Punkten entspricht einem Gesamterfüllungsgrad von 91 Prozent. Damit erhielt das Möbelhaus, das zum Klimaschutz beitragen will, das weltweit ersteGREENPASS PLATINUM Zertifikat.

Dieser neue, fundierte Qualitätsnachweis wurde auch beim BREEAM Bewertungssystem für relevante Indikatoren (Mikroklima und Biodiversität) angerechnet. Das erfreuliche Ergebnis: Das Projekt erreichte auch hier eine „Excellent“-Bewertung.

Erfolgreiche Innovation

Zusätzlich wurde das Neubauprojekt mit dem früheren Gebäudebestand verglichen. Bewertungsrahmen der GREENPASS-Zertifizierung sind dabei standardisierte Referenz-Szenarien. Diese reichen von „total versiegelt“ bis „voll durchgrünt“. Auf einer Skala von „Worst Case“ und „Moderate“ bis zum besten Fall. Das grüne Design des Möbelhauses schaffte klar bessere Werte als der frühere Bestand. Und dies in allen fünf Schlüsselkategorien: Thermischer Abluftstrom, Komfort und Speicherfähigkeit, Abflussbeiwert und CO2-Speicherung.

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Die Ergebnisse derZertifikation beruhen auf Simulationen mittels ENVI-met. Und sie zeigen, dass das Projekt die Lufttemperatur vor Ort an Hitze-Tagen tatsächlich um bis zu eineinhalb Grad Celsius kühlt.

Klimaschutz, „live“ spürbar

Klimaschutz ist zwar in aller Munde. Doch dass Maßnahmen gegen den Klimawandel und seine Folgen wirksam sind, ist für den Einzelnen im Alltag selten „live“ wahrnehmbar. Im Fall des neuen City-Store könnte das nun anders sein. Zumindest für Besucher, die dort im Hochsommer Möbel shoppen oder Wiens neues Grün genießen wollen. Denn die gefühlte Temperatur auf der Dachterrasse wird an heißen Tagen, wie man bei GREENPASS versichert, um mehr als 12 Grad Celsius kühler wahrgenommen werden.

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Die Analysen zeigen außerdem, dass der neue City-Store wirklich etwas in Sachen Klimaschutz zuwege bringt: Die Vegetation und ihr Substratkörper speichern demnach mehr als sechs Kilogramm CO2 pro Hitze-Tag. Und damit dreimal mehr als der vorherige Bestand. Die thermische Speicherfähigkeit – ein Maß für die Überhitzung eines Stadtteils – wird verbessert. Ebenso, wie die erforderlichen Kühlgradstunden und der durchschnittliche Abflussbeiwert (von 0.9 auf 0.79).

Zwei Hektar „Treibgas-Fresser“

Durch das innovative Möbelhaus werden zirka 2.700 Quadratmeter Grünfläche und 160 Bäume gewonnen. In Summe kommen damit mehr als zwei Hektar Blattfläche zusammen, die Treibhausgas „fressen“ und so Klimaschutz betreiben.

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Darüber hinaus gewinnt das Projekt 15 von 20 Bonuspunkten in den qualitativ bewerteten Bonusfeldern Biodiversität, Ressourcen und Soziales. Vor allem die Förderung der Artenvielfalt war ein wichtiger Punkt bei der Entwicklung des Möbelhauses. Auf Pflanzenauswahl, Vegetations- und Habitat-Strukturen, artenreiche Krautschicht, Bienen- und Vogelweiden sowie Nist- und Brutplätze wurde besonders geachtet.

Brennpunkt Nachhaltigkeit

Die Verwendung von Recyclingmaterial im Landschaftsbau und der Einsatz von smarten Beleuchtungs- und Bewässerungssystemen im Bonusfeld Ressourcen ergänzen die Liste.

Bonuspunkte for „Soziales“

Außerdem trägt das auf Klimaschutz ausgerichtete Bauprojekt am Westbahnhof zum „Bonusfeld Soziales“ bei. Schließlich schafft der neue City-Store auch privaten Freiraum und Gemeinschaftsbereiche. All dies barrierefrei und auf Wünsche von Anrainern und Nutzern zugeschnitten. Florian Kraus, Geschäftsführer des Wiener Start-UpsGREENPASS, hofft, dass der grüne IKEA mitten in Wien zum Vorbild wird, das Mut macht. Zu einem guten Beispiel, das „Skeptiker überzeugen wird, diesen Weg der Transformation urbaner Räume hin zu Lebensqualität und Klimaresilienz mitzugehen“.

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Die Tatsache, dass vertikale Vegetation vor allem Städten sehr zugute kommt, beflügelt den Trend zu mehr Grün. Obwohl lange Zeit eher Randphänomen, nimmt die Zahl moderner Bauten mit grünen Fassaden und Dächern deutlich zu. Spektakuläre Projekte wie Teil zwei des Düsseldorfer Kö-Bogens, das Londoner Citicape House oder „1.000 Trees“ in Shanghai stoßen weltweit auf begeistertes Interesse.

Auch in Österreich machen üppig bepflanzte Gebäude – wie etwa jenes der MA 48 am Wiener Gürtel – Furore. Und Profis in Sachen Baubegrünung bieten immer pflegeleichtere und günstigere Systeme, die nicht nur urbaner Lebensqualität, sondern auch dem Klimaschutz ganz klar von Nutzen sind.

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Mit dem neuen City-Store bekommt Wien ein Bauwerk, das ganz im Zeichen von Umwelt- und Menschenfreundlichkeit steht. Das Möbelhaus mit Hostel soll einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Anpassung des städtischen Raums an den Klimawandel liefern. Es zeigt, wie Klimaschutz und Stadt zusammenpassen. Trotz intensiver Nutzung. Und dank vieler Synergien zum allgemeinen Vorteil.

Ob auch „Schwedenmöbel“-Fans, die gern spontan gewählte Wohnaccessoires in ihre Autos laden, den autofreien IKEA lieben werden, bleibt abzuwarten. Das Ziel, mit einem innovativen Konzept aktiv zum so wichtigen Klimaschutz beizutragen, verdient in jedem Fall Beachtung.

Text: Elisabeth Schneyder Bilder: GREENPASS, ZOOM visual projects, Jakel

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