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05/09/2022

Historischer Holzbau wird klimafit

Dass Holzgebäude extrem langlebig sind, beweist der frisch sanierte Office-Komplex Butler Square in Minneapolis – ein Bau aus dem Jahr 1906. Zum ersten Mal hat ein Gebäude aus dieser Epoche den LEED-Standard erreicht.

Betritt man den heutigen Bürokomplex Butler Square, so hat man nicht den Eindruck, man befindet sich in einem historischen Gebäude. Die Lounge im hellen Atrium und die konstruktiven Holzelemente vermitteln einen sehr zeitgemäßen Industrial Chic. Den findet man auch in der neueren Büro-Architektur, wie etwa der Entwurf für das i8 im Münchener Werksviertel zeigt. Nur die etwas dunklere Verfärbung des Holzes liefert einen Hinweis auf den älteren Jahrgang des Haues. Die massiven Holzträger aus Douglasie wurden bei Aitken, Minnesota, vor gut 117 Jahren gefällt. Damals war die Pionierzeit des mehrstöckigen Holzbaus in den USA und Kanada.

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Das Bauwesen in Nordamerika hat sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts grundlegend anders entwickelt als in Europa. Während man sich hier dem Massivbau verschrieb, industrialisierte Nordamerika seine Holzwirtschaft. Man begann damit, die unterschiedlichen Holzbaustoffe zu standardisieren und konnte so den Bauprozess effizienter und planbarer gestalten.

Nordamerikanische Holzbauweisen

In Nordamerika entwickelten sich in der Folge auch eigene Konstruktionsarten. Als Balloon Framing bezeichnete man jene Holzrahmenbauweise, die seit dem frühen 19. Jahrhundert in den USA und Kanada verbreitet war. Dabei führten durchgehende Wandpfosten über mehrer Etagen, ähnlich wie bei der mittelalterlichen Ständebauweise.

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Als Weiterentwicklung gilt das Platform Framing, das etwa seit Ende des Zweiten Weltkriegs die vorherrschende Konstruktionsart ist. Sie ist mit der spätmittelalterlichen Rähmbauweise vergleichbar. Dabei wird der Rohbau etagenweise errichtet und jeweils mit einer Plattform abgeschlossen, auf der dann das nächste Stockwerk errichtet wird. Man spricht in diesem Zusammenhang daher auch von der Stockwerkbauweise.

Eine Architektur-Ikone

Aus dieser Pionierzeit des konstruktiven Holzbaus stammt der Komplex Butler Square, der heute zu den historischen Attraktionen des Warehouse District in Minneapolis zählt. Das neunstöckige Gebäude mit der Backsteinfassade wurde 1906 nach den Plänen des Architekten Harry Wild Jones errichtet. Es gilt als Paradebeispiel der Chicagoer Schule, eines Architekturstils, der die ersten Hochhäuser hervorgebracht hat.

Viele Jahrzehnte diente das Gebäude als Warenlager der Butler Brothers Company, eines der ersten Versandhäuser der USA. Zu Beginn setzte das Unternehmen noch Pferde für den Transport ein, weshalb sich im Untergeschoss entsprechende Stallungen befanden. Drei große, kohlebetriebene Kessel im Keller sorgten für die Beheizung der rund 46.500 Quadratmeter Nutzfläche.

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Entwicklung zum nachhaltigen Office Space

Mit dem Ausbau des Fernlastverkehrs verlor der innerstädtische Standort als Lagerhaus an Bedeutung. Seit der Aufnahme ins National Register of Historic Places im Jahr 1971 steht der Bau unter Denkmalschutz. In den 1970er-Jahren folgte ein entscheidender Umbau. Ein zentrales Atrium brachte Tageslicht ins Innere des Gebäudes und sorgte so dafür, dass die Immobilie als Bürostandort nutzbar wurde.

Die Renovierung dieses neunstöckigen Lagerhauses im Jahr 1974 spielte eine entscheidende Rolle bei der Revitalisierung des Warehouse District in Minneapolis.

Vermieter, Butler Square

„Die Renovierung dieses neunstöckigen Lagerhauses im Jahr 1974 spielte eine entscheidende Rolle bei der Revitalisierung des Warehouse District in Minneapolis“, heißt es von Seiten des Vermieters. Es folgten weitere Sanierungen, die die Immobilie zudem klimafit machten. 2009 wurde Butler Square mit LEED O&M, 2015 mit dem LEED-Standard in Silber zertifiziert. Damit war es das älteste kommerzielle Gebäude der USA, das diesen Standard für ökologisches Bauen erhielt. Dass der Office Space auch ein gesunder Arbeitsplatz ist, wird durch die WELL-Zertifizierung bescheinigt.

Nicht zuletzt kann das beispielhafte Immobilienprojekt andere Entwickler dazu anstoßen, sich vermehrt um den Altbestand zu kümmern. So können vorhandene Ressourcen genützt und die Energieeffizienz von älteren Gebäuden optimiert werden.

Text: Gertraud Gerst Fotos: Butler Square (www.butlersquare.com), McGhiever

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