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09/21/2021

Hamburg setzt neue Benchmark

Die HafenCity Hamburg ist ein zukunftstaugliches Stadtviertel. Ökologisch gekrönt wird es nun durch das Null-Emissionshaus, das völlig CO₂-neutral ist – und zerlegbar wie ein Lego-Haus.

Das Startsignal ertönte vor 20 Jahren. Passend für die Lage am Wasser läutete der damalige Wirtschaftssenator eine alte Schiffsglocke. Es war der Beginn von Europas größtem städtebaulichen Projekt, der Hamburger HafenCity. Mit dem ersten Bauwerk, der Kibbelstegbrücke, wurde das neue Viertel für Fußgänger erschlossen. Sie konnten fortan von der Hamburger Altstadt zur historischen Speicherstadt flanieren. Jetzt wird mit dem Bau des Null-Emissionshauses die letzte städtebauliche Lücke in der westlichen HafenCity geschlossen. Es wird der künftige Unternehmenssitz der HafenCity Hamburg GmbH und ein Leuchtturmprojekt für CO₂-neutrales Bauen.

Vorzeige-Viertel für ökologisches Bauen

In den letzten 20 Jahren hat sich sehr viel getan in Hamburgs neuem Stadtteil. Mittlerweile leben hier mehr als 5.000 Menschen, und an die 15.000 haben hier ihren Arbeitsplatz. Die Atmosphäre ist geprägt von historischen Schiffen und Hafenkränen, die von den Wohnblocks und den Ufer-Cafés aus besonders gut zu sehen sind. Mit der Eröffnung der Elbphilharmonie im Jahr 2017 bekam Hamburg ein hochmodernes Konzerthaus und eine weithin sichtbare Architekturikone.

In der östlichen HafenCity, wo seit 2017 nur nach dem Umweltzeichen in Platin gebaut wird, entsteht derzeit Deutschlands höchstes Holz-Hochaus. Das Wohnprojekt Roots vom Architekturbüro Störmer Murphy and Partners soll ein ökologisches Vorzeigeprojekt werden. Getoppt wird es nur noch vom Null-Emissionshaus, mit dem die Stadt Hamburg alle Möglichkeiten der CO₂-Einsparung voll ausschöpfen will. Ein komplett CO₂-neutrales Gebäude, „von der Errichtung über den Betrieb bis zu Rückbau und Entsorgung“, wie der kommunale Bauherr verspricht. Mit diesem Anspruch soll das Bürohaus eine neue Benchmark werden, an der sich künftige Bauprojekte in der Stadt orientieren.

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CO₂-neutral in jeder Hinsicht

Um dieses ambitionierte Ziel bestmöglich umzusetzen, schrieb die HafenCity einen architektonischen Wettbewerb aus. Das Berliner Architekturbüro Heinle Wischer und Partner konnte sich mit seinem innovativen Entwurf durchsetzen. „Unser Team entwickelt hier eine Blaupause für nachhaltige Bauten, wir betrachten die Planung, den Gebäudebetrieb und den Rückbau unter den Aspekten der CO₂-Neutralität. Wir haben uns bürointern das Ziel gesteckt, dieses Level bis 2030 für alle Planungsaufgaben zu entwickeln“, erklärt Christian Pelzeter von Heinle, Wischer und Partner.

Wir betrachten die Planung, den Gebäudebetrieb und den Rückbau unter den Aspekten der CO2-Neutralität.

Heinle Wischer und Partner, Architekten

Anfang nächsten Jahres sollen die Bauarbeiten zum Null-Emissionshaus beginnen, bis 2024 rechnen die Planer mit seiner Fertigstellung. Das fünfstöckige Holzhaus wird in modularer Holzbauweise errichtet. Ein erneuerbarer Baustoff, der an Nachhaltigkeit kaum zu überbieten ist. „Holz bietet den Vorteil, dass es die Anforderungen an Kreislaufwirtschaft und Emissionsneutralität besonders gut erfüllt“, so der städtische Projektentwickler. Für Keller und Erdgeschoss wird ein spezieller Leichtbeton verwendet, der Stahl dafür stammt aus Recycling-Schrott. Die Fassade wollen die Architekten intensiv begrünen, um zu einer Verbesserung des städtischen Mikroklimas beizutragen.

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Zerlegbar wie ein Lego-Haus

Wenn man schon bei der Planung eines Gebäudes dessen umweltverträgliches Ableben mitbedenkt, dann spricht man von dem ökologischen Prinzip Cradle-to-Cradle. Die weltweiten Ressourcen zum Bauen werden knapp, und sollen laut der neuen Denkschule in biologischen und technischen Kreisläufen gehalten werden. Konkret heißt das, dass ein Gebäude von Anfang an so gebaut werden muss, dass es später sortenrein in seine Einzelteile zerlegt und wiederverwertet werden kann.

Das Null-Emissionshaus verfügt über einen sogenannten Material-Pass, der alle eingesetzten Baumaterialien und Verbindungen detailliert auflistet. Damit können die Einzelteile bei einem möglichen Abriss in 60 Jahren wie bei einem Lego-Haus wieder in die Baukiste. Das gesamte Holz, das im Bürohaus verbaut wird, soll deshalb nicht verleimt, sondern verzapft werden.

Der neue Sitz der HafenCity GmbH füllt auch eine städtebauliche Lücke, die seit den 1990er-Jahren neben dem Heizkraftwerk klafft, das bis heute zur nachhaltigen Wärmeversorgung des Viertels beiträgt. Das CO₂-freie Haus will sich zu seiner Umgebung hin öffnen. Zum einen durch die vielen Terrassen und Balkone, zum anderen durch das Erdgeschoss, das öffentlich genutzt wird.

Text: Gertraud Gerst Visualisierungen: Heinle Wischer und Partner Foto: Getty Images

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