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09/11/2020

Ein Turm für Düsseldorfs Tuchtinsel

Der deutsche Projektentwickler CENTRUM hat ein neues, hohes Ziel: Ein eleganter Turm soll Düsseldorfs Tuchtinsel bereichern. Designt von Star-Architekt Santiago Calatrava, soll das Hochhaus unweit des grünen „Kö-Bogen 2“ ein weiteres städtebauliches Highlight setzen.

Schon das von ingenhoven architects konzipierte Projekt „Kö Bogen 2“ in Düsseldorfs Zentrum geriet zum großen Wurf: 30.000 auf acht Kilometern Länge aufs Gebäude gepflanzten Hainbuchen trugen dem Geschäfts- und Büro-Ensemble den Titel „größte Grünfassade Europas“ ein. Jetzt planen die Entwickler des spektakulären Neubaus, die deutsche CENTRUM Gruppe, gleich nebenan ein weiteres Highlight. Eines, das – wie der „Kö Bogen 2“ – die so genannte Tuchtinsel bereichern soll: Ein über 100 Meter hoher Turm soll eine städtebauliche Lücke füllen. Und fürs Design des Hochhauses holte man sich keinen Geringeren als den spanisch-schweizerischen Star-Architekten Santiago Calatrava.

Hoch hinaus mit Spitzen-Architektur

Was der, etwa durch seinen „Turning Torso“ in Malmö oder Barcelonas Brücke „Bac de Roda“ bekannte Calatrava für die Tuchtinsel plant, sieht durchaus spannend aus. Der elegante Turm soll über rund 40.000 Quadratmeter Fläche verfügen. Natürlich soll das Werk auch dem Dreischeibenhaus am Gustav-Gründgens-Platz Respekt zollen. Schließlich zählt dieses, ehemals vom Thyssen-Konzern genutzte, 95 Meter hohe Büro- und Verwaltungsgebäude zu den bedeutendsten Beispielen der Nachkriegsmoderne im internationalen Stil. Um mehrere Meter überragen würde Calatravas Turm das denkmalgeschützte Symbol des Wirtschaftswunders allerdings auf alle Fälle.

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Im Erdgeschoss und ersten Stock soll der schlanke Neubau Einzelhandelsflächen beherbergen. Mit dem Spatenstich fürs neue Hochhaus der Tuchtinsel sei zwischen 2024 und 2027 zu rechnen, heißt es bei der CENTRUM Gruppe. Santiago Calatrava habe seinen Entwurf bereits in einer präqualifizierenden Sitzung des Hochhausbeirates der Stadt Düsseldorf präsentiert. Alle Projektbeteiligten und die Stadt sind demnach bei der Planung einbezogen. Man arbeite „vertrauensvoll an der Realisierung“ des Projekts.

Von bedeutenden Bauten umringt

„Die Stadt Düsseldorf liegt am Rhein, einer der historisch bedeutendsten Kulturadern Europas“, erklärt Calatrava. Es sei eine Ehre, in dieser pulsierenden Stadt bauen zu dürfen. Immerhin verfüge diese über außergewöhnliche Zeugnisse zeitgenössischer Architektur aus dem 20. und 21. Jahrhundert: „Gemeinsam mit meinem Team werden wir unser Bestes geben, um einen positiven Beitrag zur Baukultur unserer Zeit zu leisten.“

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Auch Uwe Reppegather, seines Zeichens geschäftsführender Gesellschafter der CENTRUM Gruppe, freut sich über die Kooperation mit dem berühmten Architekten: „Wir sind dankbar, dass es gelingen konnte, Santiago Calatrava für die elegante städtebauliche Hochhaus-Skulptur in Düsseldorf zu gewinnen.“

Widerstand gegen Turm auf der Tuchtinsel

Allerdings stößt der Plan des 100-Meter-Turms auf der Tuchtinsel nicht überall auf Begeisterung. Vor allem das Ausmaß der Projekts erntet Kritik, wie die Westdeutsche Zeitung jüngst berichtete. Demnach fordert der Vorsitzende des Planungsausschusses, Hochhausbeiratsmitglied Alexander Fils (CDU), eine Reduktion der Bauhöhe. Auch SPD-Politiker und Planungsexperte Markus Raub will Form und Umfang „näher betrachtet“ sehen. Grünen-Fraktionssprecher Norbert Czerwinski hält den Plan dem Bericht zufolge gar für „furchtbar“.

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Neben Politikern äußern auch Architekten wie „Kö Bogen 2“-Maestro Christoph Ingenhoven herbe Zweifel an den Proportionen des Projekts. Die Höhe des Turms passe nicht zum Umfeld der Tuchtinsel. Und nicht nur Patrick Schwarz-Schütte, der Eigentümer des Dreischeibenhauses, plädiert für einen städtebaulichen Wettbewerb. Den geplanten Tuchtinsel-Turm, der „sein Umfeld bis zum Schauspielhaus in den Schatten stellt“, hält er laut Zeitungsbericht „für völlig überdimensioniert, monströs“.

Hoch gelobt, oft kritisiert

Vorbehalte gegen seine Arbeit und Hürden auf dem Weg zur Realisierung seiner Entwürfe sind für Santiago Calatrava allerdings nichts Neues. Der vielfach preisgekrönte Architekt, Ingenieur, Maler und Bildhauer ist für extravagante Werke berühmt. Doch er wurde auch mehrfach für deftige Kostenüberschreitungen kritisiert. Und Calatrava sah sich etwa 2014 mit einem Gerichtsurteil wegen „mangelhafter Arbeiten“ am Kongresspalast im spanischen Oviedo zu 2,96 Millionen Euro Schadenersatz verurteilt.

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Daran, dass seine Werke ein breites Publikum anziehen, ändert all dies freilich nichts. Obwohl prominente Kollegen wie der österreichische Architekt Boris Podrecca meinen, Calatravas Arbeit sei oft „nicht konstruktiv“, zollt man dem 20-fachen Ehrendoktor weltweit zugleich größten Respekt. Aktuell nähert sich ein von ihm designter multimodaler Bahnhof im Belgischen Mons der Fertigstellung. Und sein gigantischer, mit Spannung erwarteter „Dubai Creek Tower“ soll bald den Burj Khalifa als höchstes Gebäude der Welt ablösen.

Düsseldorfs schöne neue Mitte

Für die renommierte, inhabergeführte CENTRUM Gruppe ist der neue Turm auf der Tuchtinsel ein weiteres Prestige-Projekt in der Liste ihrer Top-Entwicklungen. Mit dem grünen „Kö Bogen 2“ hat das Unternehmen bereits einen bemerkenswerten Beitrag zur Neugestaltung der Düsseldorfer Innenstadt geleistet. Auch daran gab’s im Vorfeld einige – wenn auch weniger massive – Kritik. Bleibt abzuwarten, ob und welche Auswirkungen der aktuell recht raue Gegenwind im Fall des neuen, Aufsehen erregenden Hochhaus-Vorhabens zeitigen wird.

Text: Elisabeth Schneyder Bilder: CENTRUM Gruppe, Santiago Calatrava

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