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11/24/2021

Ein Stadtteil wird neu geboren

„Downsview“ im Norden von Toronto steht vor einer beeindruckenden Verwandlung: Noch wird das Viertel von Verkehrsadern und einem ehemaligen Flughafen zerteilt. Doch es soll bald zum einladenden, grünen Stadtteil werden.

Was in der kanadischen Metropole Toronto seiner Realisierung entgegengeht, ist ein wahrhaft ehrgeiziges Großprojekt. Es trägt den Namen jenes Stadtteils, den es fit für die Zukunft machen soll: „Downsview“. Derzeit leben mehr als35.000 Menschen in diesem Viertel. Und noch wird es von Straßen, Bahnlinien und dem ehemaligen Flughafen Downsview / Bombardier Airbase zerteilt. Der Masterplan des dänischen Büros Henning Larsen sieht vor, es zum grünen, vernetzten und lebenswerten Teil der rasant wachsenden Stadt zu machen.

So groß wie Torontos City

Das betreffende Gelände ist mit rund 210 Hektar in etwa so groß wie die Innenstadt von Toronto. Und weil die Airbase sich darauf vorbereitet, 2023 ihren Betrieb endgültig einzustellen, tun sich dort nun enorme Möglichkeiten auf. Entwickelt wird das Projekt Downsview von Northcrest Developments und Canada Lands Company.

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Henning Larsen und die Projektpartner SLA Landschaftsarchitektur, KPMB und Urban Strategies Inc. haben Großes vor: Sie wollen vor Ort „eine blühende Gemeinschaft für kommende Generationen“ schaffen. Ein Viertel, das den Wünschen der Bewohner entspricht.

Die nötigen Erkenntnisse wurden in einem einjährigen Prozess der Bürgerbeteiligung gesammelt. Dieser musste 2020 pandemiebedingt digital ablaufen. Unterstützt wurde dieses Verfahren von Swerhun Inc. und Department of Words and Deeds.

Nachhaltige Stadtentwicklung

„Der Standort bietet die Chance, auf den vorhandenen Qualitäten des Geländes aufzubauen. So zum Beispiel durch Revitalisierung denkmalgeschützter Industriegebäude, die dadurch zu aktiven öffentlichen Räumen werden“, schildert Henning Larsen Partner Michael Sørensen.

Und der Leiter des New Yorker Büros des renommierten Architekturstudios fügt hinzu: „Wir sehen ein großes Potenzial für die Entwicklung eines neuen Stadtteils, der auf der Artenvielfalt und den Schluchten Torontos basiert. Als Grundlage für nachhaltiges städtisches Wachstum, das die lokale Gemeinschaft zusammenbringt.“

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Ziele, die vor Ort offenbar sehr gut ankommen. So ist etwa Architektur-Kritiker Alex Bozikovic im „Toronto Globe and Mail“ voll des Lobes: Er bezeichnet die Vision für Downsview als „enorm ehrgeizig, höchst innovativ und ebenso aufregend“. Auf dem Plan stehen unter anderem 50.000 Wohneinheiten für 80.000 Menschen. Die meist mittelhohen Gebäude bekommen höchstens 14 Stockwerke. Sie sind darauf ausgerichtet, erschwinglichen Wohnraum zu schaffen.Sogar über die üblichen, entsprechenden Vorgaben hinaus.

Job-Motor Downsview

Zudem seien die Gebäude, wie Bozikovic urteilt, klug angeordnet. Nämlich so, dass lebendige Orte entstehen. Laut Plan wird das neue Downsview beste Möglichkeiten für Wohnen und Freizeit bieten. Und es soll als Job-Motor wirken: Bis 2051 sollen hier 41.500 Arbeitsplätze geschaffen werden. Unter anderem durch ein Filmproduktionsstudio, das in den nächsten Jahren eröffnet werden soll.

Gemeinden gedeihen, wenn sie Orte haben, an denen Menschen zusammenkommen können.

Michael Sørensen, Henning Larsen Partner

Die Beiträge der lokalen Bevölkerung wurden ins Programm der nächsten Entwicklungsphasen integriert. Und zwar von der Gestaltung bis zu wirtschaftlichen Aspekten. Sørensen, der auch als Henning Larsen Design Director für Nordamerika fungiert: „Gemeinden gedeihen, wenn sie Orte haben, an denen sie zusammenkommen können“.

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Das vergangene Jahr habe den Bedarf an öffentlichen Freiflächen besonders deutlich gemacht, betont der Architekt: „Was wir bei den Treffen zur Einbindung der Bürger gehört haben, war eindeutig: Ein eigener, durchdacht gestalteter Raum, um sich zu treffen, zu versammeln und gemeinsam zu feiern, ist eine Notwendigkeit.“

Naturnahes Grün

Der bestehende Downsview Park konzentriert dieses öffentliche Programm in einem Bereich. Der Masterplan indes geht nun neue Wege: Naturareale werden quasi über das Gelände verstreut. Verbunden werden sie entlang der ehemaligen Start- und Landebahn. Diese wird als Fußgängerzone und Rückgrat der gesamten Entwicklung wiedergeboren.

Der menschliche Maßstab

Zwei große Nord-Süd-Straßenverlaufen parallel zur zentralen Achse. Sie bieten bequemen Zugang zu den wichtigsten Teilen der Siedlung. Die Hauptachse selbst bleibt dabei auf den menschlichen Maßstab ausgerichtet. Diesen beizubehalten ist ein essenzieller Grundsatz des Downsview Projekts. Deshalb liegt der Schwerpunkt auch auf den erwähnten, mittelhohen Gebäuden.

Verkehrsknotenpunkte und wichtige Kreuzungen werden als Verdichtungsanker dienen. Sie sollen die Bewegungsfreiheit sowohl innerhalb des Downsview-Geländes, als auch im gesamten Großraum Toronto fördern.

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Der Plan des Großprojektsbasiert auf dem „City Nature“ Konzept. Dabei handelt es sich um eine Sowohl-als-auch-Strategie für den Städtebau, die Landschaft und Natur mit der Architektur verwebt. Sie prägt etwa auch Henning Larsens Design eines preisgekrönten Projekts in Kopenhagen: Fælledby im Vejlands Quarter, das ein ehemaliges Deponiegelände in ein nachhaltiges Holz-Dorf verwandelt.

Neue Form urbanen Grüns

Stig L. Andersson, Gründer und Kreativdirektor des dänischen Landschaftsarchitekturstudios SLA, erklärt: „City Nature ist nicht einfach nur eine Modeerscheinung. Eine völlig neue Form von Natur in der Stadt ist das, was am besten, billigsten und schnellsten den Schlamassel beseitigen kann, den wir mit unserer gebauten Ordnung auf unserem Planeten angerichtet haben“.

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Bisher sei Grün in Städten strikt nach der Bebauung orientiert und nach ihrem Aussehen geplant worden. Das Ergebnis: Abgegrenzte Parks, gemähte Rasenflächen und gerade Baumreihen.

Ein Fehler, ist Andersson überzeugt: „Mit den Klimaveränderungen unseres Zeitalters und der neuen natürlichen Realität stellt sich nun heraus, dass diese gebaute Ordnung nicht mehr funktioniert“. Denn Städte laborierten an dem, was wir als „Naturkatastrophen“ bezeichnen. Dabei liege die Ursache in der Organisation der Ballungszentren. Und Stress, Zivilisationskrankheiten, Einsamkeit und Umweltverschmutzung seien Probleme, die fast ausschließlich in der Stadt auftreten.

Natur, die Lebensqualität schafft

Die Lösung besteht laut Andersson also nicht darin, mehr von der alten „gebauten Natur“ zu schaffen. Auch einfach ein imaginäres Bild der bestehenden Natur in die Städte zu verlegen, sei keine Lösung: „Wir müssen eine ganz neue Art von Natur in der Stadt erfinden, die wir noch nie erlebt haben. Eine, die zu 100 Prozent von Menschenhand gemacht ist und aktiv die gegebenen Eigenschaften und Qualitäten der Natur nutzt. Das sind Ökosystemleistungen, Metabolismus, Photosynthese und mehr. Sie sind sowohl rational als auch ästhetisch und schaffen Lebensqualität“.

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Ganz unumstritten ist dieser Ansatz allerdings nicht. Gegner führen ins Treffen, dass man mit „mehr Gras und Bäumen“ die Welt nicht retten könne. Auch der „ungepflegte“ Look wild gedeihender Grünanlagen, die dem „City Nature“-Konzept entsprechen, erntet Kritik. Und dies mitunter sogar von namhaften Architekten, die sich ihrerseits nachhaltigen Strategien verschrieben haben.

Nachhaltige Vision

Für die Downsview-Planer indes steht außer Frage, dass „City Nature“ für Ortsgefühl und individuelle Identität auf dem weitläufigen Gelände entscheidend ist. Henning Larsen Architekt Sørensen: „Der Ansatz, der hier sowohl vom Planungsteam als auch von den Teilnehmern der Gemeinde definiert wurde, ist eine nachhaltige und langfristige Antwort auf diese Notwendigkeit, die für Downsview maßgeschneidert ist“.

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Downsview ist nicht das einzige Großvorhaben, mit dem das vielfach prämierte Büro Henning Larsen aktuell Kanadas Metropole Toronto prägt. Das Team hat auch den Masterplan für den East Harbour maßgeblich mitentwickelt. Dieser schafft rund 930.000 Quadratmeter neuer Gewerbe-, Einzelhandels-, Kultur- und öffentlicher Flächen im Stadtgefüge.

Und mit demEtobicoke Civic Center westlich des Downsview Geländes entsteht statt eines klassischen Rathauses ein flexibler, vielfältiger Mix aus Außenbereichen und Bauten.

Von Downsview bis Danzig

Die erfolgreichen Skandinavier machen weltweit mit ihren zukunftsorientierten Lösungen zur Stadterneuerung Furore. Etwa auch mit der Verwandlung der Kaiserlichen Werft in Danzig in ein neues und lebendiges Viertel. Immer im Fokus: Nachhaltigkeit und Lebensqualität. So, wie in Downsview. Dem Stadtteil, dessen „Neugeburt“ Mensch und Natur wieder zusammenführen und gemeinsam gedeihen lassen soll.

Text: Elisabeth Schneyder Bilder: Aesthetica / Henning Larsen

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