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11/22/2021

Ein Büro, so schnittig wie ein Rennwagen

Maserati eröffnet in Shanghai ein neues Büro, das den Besucher sofort in die Welt der Luxusautos befördert. Die philosophische Grundlage des zeitlos schönen Designs stammt von einem Wiener Architekten aus dem späten 19. Jahrhundert.

An der potenziellen Zielgruppe für Luxusautos mangelt es nicht in der wichtigsten Industriestadt Chinas. Unterschiedliche Quellen und Zählweisen verorten Shanghai mit 23 bis 25 Millionen Einwohnern in den Top 3 der drei bevölkerungsreichsten Städte der Welt; allein in der Innenstadt leben rund 15 Millionen Menschen. Mit geschätzt 117.600 Millionären liegt Shanghai auf einer Liste der Städte mit den meisten Millionären auf Rang zwölf.

Maserati – Mit Highspeed nach China

Hier eröffnete nun Maserati nach Plänen von BYLU DESIGN auf einer Gesamtfläche von rund 2.000 Quadratmetern ein neues Office, in das die eigenen Nachwuchskräfte-Academy inkludiert wurde. Das Ziel: Eindruck der Automobil-Industrie auf sich ziehen – und zwar nicht nur im riesigen Zukunftsmarkt China.

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Seit Anfang 2021 gehört Maserati – wie unter anderem Opel, Chrysler und Peugeot – zum niederländischen Stellantis-Konzern. Gegründet wurde die legendäre Marke aber 1914 in Bologna vom italienischen Rennfahrer Alfieri Maserati. Maserati produzierte in den ersten 32 Jahren ausschließlich Rennautos. Der Argentinier Juan Manuel Fangio gewann 1957 den letzten seiner fünf Weltmeister-Titel in der Formel 1 in einem 250F Tipo 2 (nachdem er am Weg zu Titel Nummer 2 im Jahr 1954 schon die ersten beiden Siege auf Maserati feierte, ehe er in den Mercedes-Silberpfeil umgestiegen war).

Großraum – und mehr

Den meisten Raum im neuen Maserati-Office nimmt die offene, 370 Quadratmeter große Workstation-Area ein. Doch Maserati setzt nicht allein auf das Konzept Großraumbüro: Die Fläche ist funktional gegliedert, unterschiedlich große Büros und Besprechungsräume sollen – den Bedürfnissen der Mitarbeiter entsprechend – notwendige Privatsphäre bieten.

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Das Konzept ist geprägt von weichen Linien. Eine wichtige Aufgabe kommt dem einladenden Café zu, das zwischen dem Maserati Office und der Maserati Academy liegt. Es soll ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen – und zwar nicht nur unter den Mitarbeitern selbst, sondern auch mit Kunden. Ein Bereich mit großem rundem Tisch kann mittels Schiebevorhang abgetrennt und in einen informellen Besprechungsraum verwandelt oder für kleinere Veranstaltungen genutzt werden.

Sonnenlicht fördert Wohlbefinden

Die Räumlichkeiten finden sich im 33. Stockwerk eines Bürogebäudes im Stadtteil Pudong (was übersetzt „östlich des Huangpu-Flusses“ heißt). Tageslicht flutet vor allem die offenen Arbeitsbereiche in der bereits erwähnten Workstation-Area. Das natürliche Licht, so die Vorstellung des für die Pläne verantwortlichen Architekten, soll das Wohlbefinden der Mitarbeiter fördern.

Unsere Devise lautet: ‚Entwerfen und Spaß haben!‘

BYLU DESIGN

Das in Shanghai ansässige Architekturbüro BYLU DESIGN wird – optimal passend für Maserati – von drei Italienern betrieben. Gründer Luigi Arcadu stammt aus Mailand, sein Architektur-Partner Stefano Bai aus Genua und Business Developer Stefano Schietti aus Rom. Sie kombinieren Innovation und Kreativität, um Räume zu entwerfen, die dem Leben ihrer Nutzer einen Mehrwert verleihen sollen.

Dolce Vita in Shanghai

Ihr Motto könnte direkt dem Dolce Vita, dem süßen Leben aus Federico Fellinis Italien entsprungen sein: „Unsere Devise lautet: ‚Entwerfen und Spaß haben!‘ Wie bei allem im Leben glauben wir, dass es sich nicht lohnt, etwas zu tun, wenn man es nicht genießt. Jedes unserer Projekte ist wie ein Gericht: hergestellt durch harte Arbeit und mit der richtigen Mischung aus Fantasie, unkonventionellem Denken und Kompetenz. Das Ganze gewürzt mit Charme, Erfahrung und einem Lächeln.“

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Bei der Zusammenarbeit mit Maserati ging es darum, sagt Senior Designer Stefano Bai auf Nachfrage des UBM Magazins, „ein Büro zu entwerfen, das nicht nur ein Arbeitsraum ist, sondern auch das Image der Marke repräsentiert: Luxus, Technologie, Eleganz und italienischen Stil.“ Gleichzeitig bot sich durch dieses Projekt, die Gelegenheit, „durch unser Design eine berühmte italienische Marke in China zu fördern. Hier werden der italienische Stil und vor allem das italienische Design sehr hochgeschätzt.“

Italianitá

Der angesprochene „italienische Stil“ ist übrigens ein Begriff, der sich nur unzureichend aus dem italienischen Wort „Italianitá“, wörtlich „Italienisch sein“, ableiten lässt, erklärt der Architekt, der 2013 nach Shanghai übersiedelt ist und seit 2017 für BYLU DESIGN arbeitet: „Es ist ein Wort, das unsere Kultur und Geschichte zusammenfasst, und im Grunde beschreibt, wer wir sind. Es erinnert an unsere Mode, mediterrane Farben, Freundlichkeit, gutes Essen, warmes Wetter und vieles mehr.“

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Auf das Design ihrer Arbeiten angewandt bedeutet es Schönheit, Farben und Komfort. „Es ist die Übersetzung dessen, was wir als Land repräsentieren, sowohl gesellschaftlich als auch historisch und geografisch: ein Schmelztiegel des Geschmacks, der Kunst, der Farben. Der italienische Stil ist einzigartig“.

Kunst vom Künstler geschaffen

Grundlegend orientiert sich Stefano Bai in seiner Arbeit an seinem Wiener Kollegen Adolf Loos (1870 – 1933), der als einer der Gründerväter der modernen Architektur angesehen wird. In dessen Buch „Ins Leere gesprochen“, einer Sammlung von Aufsätzen und Kritiken aus den Jahren 1897 bis 1900, findet Bai eine Definition des Unterschieds zwischen Kunst und Design: „Loos sagt, dass Kunst vom Künstler geschaffen wird, ohne dass es dafür ein Bedürfnis gibt. Das Haus hingegen wird entworfen, um ein Bedürfnis zu befriedigen. Vielleicht sollten wir unser Denken von diesem Punkt aus neu beginnen.“

Die Funktion muss immer der Protagonist des Raumes sein.

BYLU Design

Schließlich leben wir in einer sich immer schnellen drehenden Welt: „In unserer hyperaktiven und hypervernetzten Gesellschaft bewegen wir uns mit Lichtgeschwindigkeit vorwärts. Vielleicht ist es an der Zeit, das Tempo zu drosseln und unsere Rolle als Designer neu zu überdenken.“

Einfache Linien

Nicht zuletzt deshalb setzen BYLU Design gerne auf einfache Linien, wodurch sie ein überzeugendes, zeitloses und modernes Design erreichen wollen: „Wir wollen komfortable Räume schaffen, in denen die Dekoration niemals die Funktion übertrifft. Die Funktion muss immer der Protagonist des Raumes sein.“

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Trotzdem ging es bei einem Kernelement der neuen Maserati-Büros, nämlich dem Empfangs- und Wartebereich, darum, Gäste sofort in die schöne Welt der Luxusmarke einzuführen: „Wir wollten einen Raum schaffen, der den Besucher mit den Materialien eines Maseratis umhüllt. Für das Innere haben wir Materialien aus dem Fahrzeuginnenraum verwendet, für das Äußere von der Karosserie des Fahrzeugs. Selbst die glatten und weichen Linien erinnern an die Kurven eines Autos.“ Eines eleganten Luxus-Wagens mit Renn-DNA.

Text: Hannes Kropik Maserati Project Photos: Sven Zhang Maserati Project Drawings: Bylu Design

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