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12/13/2021

Druck raus, Start-up-Hub rein

Nordwestlich von Zürich hat sich ein aufstrebender Standort für die innovative Wirtschaftsszene etabliert. Dort gestaltete das Architekturbüro Evolution Design die ehemalige Druckerei der „Neuen Zürcher Zeitung“ zu einem pulsierenden Office- und Event-Center unter dem Titel „JED“ um.

Manche Menschen interessiert es gar nicht, wofür eine Abkürzung steht – Hauptsache: klingt knackig. Für andere ist es das Nonplusultra, so viele hochgestochene Abbreviaturen wie möglich zu ihrem Wissensschatz zu zählen. Und für wieder andere ist es schier unerklärlich, wie man ein Akronym in einem Text einfach stehenlassen und nicht auflösen kann.

Mitmachen, Ausprobieren, Mutig sein

Um besonders letztere Gruppe nicht in verzweifelte Such- oder Analyse-Orgien stürzen zu lassen, wollen wir als Erstes das Geheimnis um die Abkürzung JED lüften. Diese steht für „Join, Explore, Dare“. Zu Deutsch: „Mitmachen, Ausprobieren, Mutig sein.“ Und genau darum geht es bei diesem fast 40.000 Quadratmeter großen Projekt, das zwei ehemalige industrielle Objekte in der kleinen Stadt Schlieren an der Grenze zu Zürich umfasst.

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Wo einst die tägliche Ausgabe der über die Schweiz hinaus renommierten Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) in papierene Form gegossen wurde, erstreckt sich heute eine top-moderne und hoch-funktionale Büro- und Dienstleistungslandschaft. Im Auftrag der Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site (SPS) transformierte das Zürcher Architekturbüro Evolution Design die ehemalige Druckhalle zu einem Ort der Innovation, Begegnung und Zusammenarbeit.

Eine deutschsprachige Medien-Institution

Die 15.000-Einwohner-Stadt Schlieren gehört zu den absoluten Blue Chips unter den Start-up-Zentren der Schweiz. Seit rund 20 Jahren hat sich vor den Toren Zürichs ein progressives Business-Ökosystem entwickelt, zu dem rund 200 Jungunternehmen aus den Branchen Biotech, Medtech, IT, Robotik sowie generell Innovation und Technologie gehören. Mit dem JED hat sich nun ein neuer Hub in diese vibrierende Umgebung gesellt.

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Die Ansprüche an die Umgestaltung des einstigen NZZ-Druckzentrums beschreibt Gianfranco Basso, Projektleiter von SPS, folgendermaßen: „Unsere Vision war, ein neues Zentrum für Wissenstransfer, Innovation und Unternehmertum zu kreieren. Es führt mittlere und große Firmen aus verschiedenen Branchen zu einem Think- und Work-Tank für Business, Industrie und Gewerbe zusammen und kombiniert einzigartige Industriearchitektur mit modernen Arbeits- und Aufenthaltsplätzen.“

Think-Tanks statt Druckerpressen

Verantwortlich für die Planung, Gestaltung und Umsetzung dieses Megaprojekts war das europaweit angesehene Architekturbüro Evolution Design. „Uns schwebte ein offenes Konzept vor. Wir wollten den eingemieteten Unternehmen eine große Raum- und Nutzungsvielfalt zum Arbeiten und Sich-Austauschen bieten, aber auch den Bau für die Allgemeinheit öffnen“, erklärt Stefan Camenzind, Executive Director von Evolution Design.

Unser Ansatz war, die Großzügigkeit des ehemaligen Druckzentrums nicht nur in den Mietflächen, sondern auch in den öffentlichen Bereichen erlebbar zu machen.

Gianfranco Basso, SPS-Projektleiter

Noch 2015 lief in diesen Räumlichkeiten eine imposante Druckmaschine und produzierte neben der Tageszeitung zahlreiche zusätzliche Printprodukte. Heute beherbergt das JED-Areal neben den Office-Bereichen eine Eventhalle und öffentliche Zonen für Menschen aus der näheren Umgebung.

JED – Querdurch statt rundherum

Genau dieser Zugang gefällt SPS-Projektleiter Gianfranco Basso besonders: „Unser Ansatz war, die Großzügigkeit des ehemaligen Druckzentrums nicht nur in den Mietflächen, sondern auch in den öffentlichen Bereichen erlebbar zu machen.“ Deshalb wurde das Gebäude von verschiedenen Seiten neu erschlossen. Mussten Passanten früher um das Areal herumgehen, können sie nun das Zentrum diagonal durchqueren.

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Daher wurde bei den Portalen im Westen und Süden des Hallenbaus ein eigener Zugang ins JED-Foyer geschaffen. Diese Portale fungieren zusätzlich als Wegleitsystem zwischen den verschiedenen öffentlichen Plätzen, wo sich diverse Sitzgelegenheiten neben Wasserflächen und Baumanlagen befinden.

Arbeiten in der Heizung

Ein großes Anliegen der Architekten war es, dass sie den Hallenbau in seiner Form und Struktur erhalten. Gleichzeitig wollten sie die neu gestalteten Mietflächen in jeder Hinsicht optimieren. Daher haben sie ein additives Konzept entwickelt, mit dem sie den Bestand erweitern und somit das Alte und das Neue ineinander verweben konnten.

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Auf diese Weise entstanden in den ehemaligen Druckhallen sowie in den Räumen für die Heizungs- und Lüftungsanlagen völlig neue Arbeitswelten, die durch eine Aufstockung und großflächig eingefügte Dachoberlichten von Tageslicht durchflutet werden. In diesen Bereichen haben sowohl der Innovationsdienstleister Zühlke wie auch Halter, ein Unternehmen für Bau- und Immobilienleistungen, ihre neuen Hauptsitze bezogen.

Work hard, eat good

Neben großräumigen Büro-Mietflächen bietet JED multifunktionale öffentliche Bereiche wie Worklounges, mehrere Event-Locations sowie Gastro- und Freizeitbereiche. Das dient nicht nur den kulinarischen Genüssen, sondern auch der Förderung von Synergien und dem Austausch zwischen den einzelnen Abteilungen und Unternehmen.

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Das State-of-the-art-Restaurant „Eve’s Kitchen“ mit allerlei Köstlichkeiten befindet sich in den ehemaligen Werkstätten des Gebäudes. Zudem gibt es im weitläufigen Foyer eine Café-Bar, eine Loungezone und ein Bistroteil. Hier können Mieter und externe Gäste gemütlich verweilen.

Ein L wie Lächeln

Die Empfangshalle mit ihrer einladenden L-förmigen Struktur zählt sowieso zu den Highlights des Objekts. Von dort leiten zwei spektakuläre Aufgänge die Besucher über eine neu integrierte Stahlgalerie zur Lounge und Bridge im ersten Geschoss und weiter zur Eventhalle. Dort multipliziert sich das weitläufige Raumgefühl noch einmal massiv, denn die große historische Druckhalle aus rohem Beton strotzt mit einer imposanten Höhe von 11,5 Metern und einer Länge von knapp 60 Metern nur so vor Kraft.

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Architekt Stefan Camenzind konnte sich mit dem JED-Areal ganz im Sinne des Auftraggebers in jeder Hinsicht verwirklichen, wie er betont: „Unsere Vision vom Hub ist Realität geworden. Wir konnten damit beweisen, wie ein altes Industrie-Areal in moderne Arbeitswelten und einen Ort der Begegnung umgewandelt werden kann.“

Sagen Sie nicht NZZ

Um noch einmal schnell auf das Thema Abkürzungen zurückzukommen: Selbst viele Nicht-Schweizer wissen, dass sich hinter dem Kürzel NZZ das traditionelle Zeitungshaus aus Zürich verbirgt. Dabei sagen die Locals doch viel lieber Zürizytig zu ihrem Printprodukt.

So putzige Ausdrücke kennen Deutsche und Österreicher leider eher nicht für ihren täglichen Medienkonsum. Und auch das JED-Projekt scheint vorerst etwas Einzigartiges im deutschsprachigen Raum zu sein. Dann hoffen wir auf möglichst viele übernationale Folgebeispiele.

Text: Martin Obermayr

Fotos: Peter Wuermli

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