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06/04/2021

Direkt aus der Baumschule

In einem Naturpark bei Barcelona errichteten Experten ein Holzhaus, das jede Pandemie aussperren kann. Wirklich besonders war bei dem Bau allerdings die Art der Beschaffung des notwendigen Materials …

Schon vor der Pandemie war abzusehen, was die Corona-Zeit schlussendlich beschleunigt hat. Der nachhaltigste aller Baustoffe steht hoch im Kurs! Aktuell treibt dieser eigentlich schöne Umstand jedoch in der ganzen westlichen Welt wenig schöne Blüten. Die Holzpreise steigen ob der großen Nachfrage im Baugewerbe täglich immer weiter. Und das bedeutet: die Kalkulationen mancher Häuser werden gehörig über den Haufen geworfen.

The Voxel kennt keinen Holzpreis

Ein Problem, das die Erbauer der Pandemie-Bleibe namens The Voxel jedenfalls ob ihrer ungewöhnlichen Art der Holzbeschaffung von vornherein ausgeschlossen haben. Wenn auch keineswegs aus monetären Motiven. The Voxel ist das Projekt einer Gruppe von Studenten und Fachleuten des Masterstudiengangs Advanced Ecological Buildings and Biocities (MAEBB) des Institute of Advanced Architecture of Catalonia (IAAC) Valldaura Labs. In Kurzfassung: Es handelt sich um ein besonders spektakuläres Uni-Projekt im Naturpark Serra de Collserola. Dieser liegt in der Umgebung von Barcelona und bot dem Projektteam alles, was es brauchte.

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Und das war: völlige Abgeschiedenheit inmitten einer natürlichen und vom Menschen unberührten Umgebung. Schließlich wollte man binnen fünf Monaten ein Haus bauen, dessen Baustoff Holz ausschließlich in der nächsten Umgebung bezogen wird.

Zufluchtsort in der nächsten Pandemie

The Voxel sollte ein Zufluchtsort werden, den man während einer Pandemie errichten könnte, um dann darin diese zu überstehen. Das Ergebnis: ein zwölf Quadratmeter großer Holzwürfel. Dieser sichert einer Person 14 Tage lang das Überleben. Errichtet wurde er aus so genanntem „Null Kilometer Material“.

Tatsächlich entstammt die gesamte Brettsperrholzstruktur aus Aleppokiefern. Diese fällten die Studenten selbst allesamt vor Ort in Valldaura. Ebenfalls am Bauplatz wurde es dann gefräst, getrocknet und verarbeitet. „Das gesamte für das Projekt verwendete Holz haben wir in einem Umkreis von weniger als einem Kilometer von der Baustelle geschlägert“, sind die Erbauer stolz.

Jedes Holzteil wird codiert

Die Details: 40 Kiefernbäume wurden vor Ort gefällt, in drei Zentimeter dicke Bretter geschnitten und drei Monate lang zum Trocknen gestapelt. Nachdem sie den richtigen Feuchtigkeitsgrad erreicht hatten, wurde jedes Brett in die nahe Zimmerei von Valldaura Labs gebracht. Hier verarbeiteten die Architekten in spe die Bretter in Hunderte Kiefernlamellen. Dabei wichtig: Jede Lamelle musste codiert werden, ehe sie zu einem der benötigten 30 Paneele weiterverarbeitet wurde. Somit ist jedes Schnitzel Holz jederzeit bis zum Stumpf des dafür gefällten Baums zurückverfolgbar.

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Dass im Anschluss sämtliche Paneele mit metallfreien Verbindungselementen und Holzdübeln miteinander verbunden wurden, liegt auf der Hand. Nach der Montage wurde die Struktur schließlich mit einer Korkschicht umhüllt. Auch kamen Regenschutz-Schindeln zum Einsatz, die allesamt aus Abfallmaterial hergestellt wurden. Und zwar aus jenem, das beim Zuschnitt der Holzbretter anfiel.

Zurück zum Anfang, bitte!

Spulen wir kurz zurück an jenen Moment, als die Kiefernbretter aus dem Wald in das Sägewerk geliefert wurden. Um perfekte rechteckige Lamellen zu erhalten, entfernt man in der Regel bei der Verarbeitung den organischen Rand. Also die Rinde und das weiche Holzmaterial darunter. Was normalerweise im Mülleimer landet, wurde hierbei achtsam gesammelt. Und zu einem Dämm- und Schutzmaterial weiterverarbeitet.

Stimmiger Zusatzeffekt: Durch das Aufbringen dieses Materials erhielt The Voxel seinen unregelmäßigen Look. Dass dieser an die Oberfläche von Bäumen erinnert, ist ein charmanter Clou der Planer von The Voxel.

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Dennoch mussten am Ende einige Bausteine doch zugekauft werden. Die drei Solarpaneele etwa, mit denen The Voxel autark Strom generieren kann. Hinzu kommt ein Batteriespeicher und das hochentwickelte Wassersystem. Dieses sammelt nicht nur Regenwasser. Hiermit kann der Bewohner sowohl Grau- als auch Schwarzwasser aufbereiten. Zudem erzeugt ein Biogassystem als Nebenprodukt zu nutzbarem Brennstoff auch natürlichen Dünger.

Turbo durch Dünger

Eine gute Sache, wenn man während der nächsten Pandemie an einen Zubau denken sollte. Dank Dünger kann man die Bauzeit desselben sicher um ein paar Monate verkürzen. Einfach die umliegenden Kiefern damit beglücken. Dann wachsen sie schneller und liefern eher das nötige Bauholz ... ;-)

Text: Johannes Stühlinger Bilder: Adrià Goula

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