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12/30/2021

Das Hochhaus mit dem „O“

In Mannheim wird derzeit buchstäblich Geschichte geschrieben, besser gesagt: Gebaut. Zum Beispiel mit dem spektakulären, von MVRDV designten Hochhaus „O“. Gemeinsam mit drei weiteren Neubauten setzt es das Wort „HOME“ ins neue Viertel Franklin Mitte.

Buchstaben aus bunten Bausteinen zu basteln, macht den meisten Kindern mächtig Spaß. Dass auch Top-Architekten ihre Freude daran haben, in großen Lettern zu bauen, mag überraschend sein. Allerdings: Die Idee hat absolut ihren Reiz, wie sich derzeit in Mannheim zeigt. Im Stadtteil Franklin, wo einstige US-Kasernenbauten Neuem weichen, entsteht unter anderem das Quartier Franklin Mitte. Und dort werden vier Neubauten gemeinsam das Wort „HOME“ ins neu gestaltete Viertel schreiben. Renderings zum Hochhaus „O“ kann man bereits bestaunen. Und dieser, vom niederländischen Büro MVRDV designte Wohnturm mit dem „Loch im Bauch“ erinnert erfrischend ans Spielzeug, das Junioren so viel Freude macht.

Wohnen im verspielten Wahrzeichen

Künftigen Nutzern scheint das „O“ sehr zu gefallen: Die ersten der 120 Wohnungen, die das 15-geschossige Gebäude bieten wird, waren bereits nach der Enthüllung des Designs verkauft. Dies wohl nicht nur, weil MVRDVs verspieltes Hochhaus zum lokalen Wahrzeichen des gesamten Viertels werden soll. Sondern weil das Programm des „O“ Extras enthält, die den Bewohnern beste Lebensqualität versprechen.

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Das „O“ liegt in unmittelbarer Nähe des begehbaren „Grünen Hügels“, der einen Aussichtspunkt im Herzen des Viertels schafft. Die Siedlung besteht aus dem Hochhaus selbst und angrenzenden Flachbauten. Als eines der höchsten Gebäude der Nachbarschaft hebt sich das „O“ von seiner Umgebung ab. MVRDV hat beim Entwurf sowohl auf Optik, als auch auf Annehmlichkeiten für die Bewohner Wert gelegt: Die blaue Ziegelfassade und die, mit bunten Glasbalustraden versehenen Balkone machen den Wohnturm zum fröhlichen Blickfang. Und fast alle Wohnungen verfügen über direkten Zugang zum Außenbereich.

Das „O“ ist ein spannendes und freundliches Gebäude im Herzen von Franklin Mitte. Zusammen mit den Gebäuden H, M und E wird es dem Quartier eine starke, einzigartige Identität verleihen.

Winy Maas, Architekt und MVRDV-Gründungspartner

Im Zentrum des „O“ befindet sich eine öffentliche Terrasse, die über eine ebenso öffentliche Treppe zugänglich ist. Sie fungiert als „Wohnzimmer“ des Viertels, bietet Ausblick über die Nachbarschaft und Zugang zur Bar im vierten Stock des Wohnturms. Zusammen mit dem „Grünen Hügel“ soll sie eine ideale Event-Location werden: Zuschauer haben dann die Möglichkeit, von dort aus Shows zu verfolgen, die auf dem Hügel stattfinden.

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Zu ebener Erde ist das „O“ an allen vier Seiten von Plätzen umgeben. Damit folgt das Hochhaus den Vorgaben der deutschen Abstandsflächenverordnung. Als spielerische Antwort auf diese Vorschriften wendet MVRDV diese so wörtlich wie möglich an, indem an jeder Seite eine Projektion der Gebäudeansichten geschaffen wird. Die O-Form und die gerasterte Fassade, die in der Anordnung der Plätze sichtbar sind, sollen dazu anregen, über die Gesetze nachzudenken, die der Stadt ihre Form geben.

Kasernenblöcke, neu gedacht

Die niedrigen Gebäude neben dem „O“ basieren auf den langgestreckten, vierstöckigen Wohngebäuden der US-Kaserne, die sich vor der Neugestaltung übers Gelände erstreckte. Der Entwurf von MVRDV baut diese Blöcke wieder auf und „schneidet“ ihre vertrauten Formen fürs neue Konzept um.

Zur Transparenz „geschnitten“

Ein Block wird durch die Treppe zur Terrasse im vierten Stock und die Abstandsflächenregelung in drei Teile zerschnitten. Der zweite, etwas entferntere Block indes wird durch die Europa-Achse des Masterplans zweigeteilt. Wo die Gebäude „geschnitten“ wurden, weichen Stuckfassaden transparenten Glaswänden. Dadurch geben die Überschneidungen den Blick ins Innere der Gebäude frei, die unter anderem eine Bibliothek und Geschäfte beherbergen.

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Für natürliche Belüftung und Freiflächen der Wohnungen im Wohnturm „O“ garantieren die bunt verzierten Balkone. Die Fenster hingegen sind tief in die Fassade eingelassen sind, um übermäßige Aufheizung durch Sonneneinstrahlung zu vermeiden.

Grüne Oase

Entlang des zweiten ehemaligen Kasernenblocks kontrastiert ein „Waldplatz“ den urbanen Charakter der anderen, rund ums Hochhaus liegenden Plätze. Seine Vegetation fügt dem Viertel eine grüne Oase hinzu, die die Biodiversität im Umfeld fördert.

Neues Leben mit dem „O“

„Das ,O‘ ist an sich schon ein spannendes und freundliches Gebäude im Herzen von Franklin Mitte. Eines mit Terrassen und Plätzen, die die Lebendigkeit, die in dieses Viertel kommt, aufnehmen“, schildert MVRDV-Gründungspartner Winy Maas. Noch spannender sei allerdings, „wie es ein Teil der Stadt wird“, freut sich der renommierte Architekt: „Zusammen mit den Gebäuden H, M und E wird es Franklin Mitte eine starke, einzigartige Identität verleihen: Willkommen!“

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Mannheims Franklin Mitte ist eines mehrerer Quartiere, die auf dem Gelände der ehemaligen US-Kaserne Benjamin Franklin entstehen. Die Fläche beträgt 41 Hektar. Der Gesamtplan sieht einen attraktiven Mix von Gebäudetypen und Nutzungen vor. Und er greift viele Elemente des Masterplans auf, den MVRDV für die Zone vorgeschlagen hatte.

Ideen-Geber MVRDV

Dazu zählt etwa die „Europa-Achse“, die sich geradlinig durch das Viertel zieht. Auch der begehbare „Grüne Hügel“, der neben einem Aussichtspunkt einen Supermarkt, eine Arztpraxis und eine Apotheke beherbergt, entstammt diesem Konzept. Ebenso, wie die vier Hochhäuser in Form von Großbuchstaben, die das Wort „HOME“ baulich und weithin sichtbar ins neu gestaltete Viertel schreiben.

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Das „O“ wurde von MVRDV für RVI entworfen. Das mehrfach ausgezeichnete Büro wird für diesen Bauträger auch noch zwei weitere Projekte in Franklin Mitte konzipieren: Die „Timber Houses“ und das „M“. Und die Niederländer arbeiten für GBG Mannheim am „Grünen Hügel“.

Die auch von GBG Mannheim entwickelten Gebäude „H“ und „E“ werden vonhaascookzemmrich STUDIO2050 und Albert Speer & Partner entworfen. Der Masterplan für Franklin Mitte wurde von MWSP und ihrem Q-Team designt, in dem auch MVRDV-Gründer Winy Maas von Projekt-Beginn an mitwirkte.

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Für MVRDV sind „O“ und „M“ längst nicht die einzigen aktuellen und außergewöhnlichen Projekte auf deutschem Boden. Das erfolgreiche Team steht auch hinter der schönen Anlage „Traumhaus Funari“, die ebenfalls auf einstigem US-Kasernengelände in Mannheim entsteht.

Vom „AAHHH!“ zum „O“

Außerdem verwandeln die innovativen Architekten historische Gebäude der legendärenBerliner Union-Film Ateliersin einen modernen Kreativ-Hotspot. Und dass sie gern mit Buchstaben „spielen“, zeigt schon ihr mit dem begehrten DAM Preis prämiertes „WERK 12“ in München. Gut möglich, dass das große „AAHHH!“, das dort an der Fassade prangt, bald Betrachtern des neuen „O“ entfährt. Denn der Anblick des bunt-verspielten Hochhauses mit „Loch im Bauch“ hat absolut das Zeug, Passanten unversehens erstaunte Ausrufe zu entlocken.

Text: Elisabeth Schneyder Bilder: MVRDV

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