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09/17/2020

Das grüne „UFO“ vom Ettlinger Tor

Ein verspiegelter „Floating Garden“ ist das Highlight eines Masterplans zur Neugestaltung des Areals am Ettlinger Tor. Designt vom Büro MVRDV, soll das faszinierende Bauwerk bald über Karlsruhe „schweben“ und die unterschiedlichen Seiten der Stadt einladend miteinander verbinden.

Es ist nicht die erste glänzende „Schüssel“, mit der das erfolgreiche niederländische Büro MVRDV Furore macht. Auch sein Design des neuen Kunst-Depots des Boijmans von Beuningen Museums gleicht einem außerirdischen Flugobjekt. Und genau wie das fast fertige Projekt in Rotterdam, ist auch der Entwurf eines schwebenden Gartens für das Areal am Ettlinger Tor futuristisch und außergewöhnlich. Rundum verspiegelt und dicht bepflanzt, soll der „Floating Garden“ das dicht bebaute Zentrum von Karlsruhe und die grünen Bereiche nördlich des barocken Schlosses enger zusammenführen.

Zwei Sieger, spannendes Finale

Was genau künftig rund um die Kreuzung von Via Triumphalis und Kriegsstraße entstehen wird, bleibt vorerst allerdings spannend. Denn MVRDV teilt Platz eins im Wettbewerb um die Neugestaltung des Areals mit Max Dudler Architekten, deren Entwurf zwei Torhäuser an die genannte Kreuzung setzt. Weil beide Büros in mehreren Aspekten ähnliche Ansätze verfolgen, sollen die beiden Masterpläne „überlagert“ werden. Dadurch will man den städtebaulichen Rahmenplan für Architekturwettbewerbe schaffen.

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Die Entscheidung, welches Szenario am Ettlinger Tor realisiert werden wird, soll bis zum Jahresende fallen. Ziel des von der Stadt Karlsruhe ausgelobten Werkstattverfahrens war eine optimale Lösung für den Platz, auf dem sich der in den 1960er Jahren errichtete, denkmalgeschützte Komplex des Landratsamts befindet.

Diskussion über historische Substanz

Das Landratsamt will einen Neubau auf sein 11.000 Quadratmeter Fläche umfassendes Grundstück setzen. Die dazu nötigen Anträge wurden bereits gestellt. Die Stadt Karlsruhe plant vor Ort indes auf einem anderen, kleineren Grundstück ein neues Mixed-Use-Gebäude. Ob das bestehende Landratsamt erhalten oder abgerissen werden soll und wie die beste Lösung aussehen könnte, wurde im Werkstattverfahren mit Experten und Bürgern diskutiert.

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In Max Dudlers Konzept rahmen Bildungs- und Kulturhäuser das neue „Tor“, das durch 70 Meter hohe Türme gekennzeichnet wird. Außerdem sind darin Säulengänge, pergola-ähnliche Fassaden und begrünte Dächer vorgesehen. Eine Strategie, die sich vor allem in einem Punkt mit dem Konzept von MVRDV trifft: Die wichtige Kreuzung soll wieder zu einem „Tor“ werden. Von Anfang des 19.Jahrhunderts bis zu seinem Abbruch 1872 stand hier das „echte“ Ettlinger Tor. Bald sollen vor Ort neue, markante Bauten thronen.

Mehr Grün durchs neue Ettlinger Tor

MVRDVs Masterplan nimmt die historische Struktur der Stadt als Ausgangspunkt. Er sieht vor, die vom Karlsruher Schloss ausgehende, breite Via Triumphalis über die Kriegstrasse hinaus zu verlängern. Damit soll dieser Teil der Stadt intimer und grüner gestaltet werden.

Die gesamte Planungsfläche umfasst 106.000 Quadratmeter. Kernstück ist der beeindruckende „Floating Garden“: Ein schwebender Garten, der sich wie ein üppig bewachsenes UFO über den Ettlinger Tor Platz erhebt. Prägnant und öffentlich zugänglich, soll er den ehemaligen Standort des Stadttores zum verbindenden Element machen.

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Karlsruhe ist eine der wenigen Städte, die noch weitgehend nach dem aufklärerischen Konzept der „idealen Stadt“ organisiert sind. Sie wuchs fächerförmig um das Karlsruher Schloss, was zu einer Zweiteilung führte: Das dicht bebaute Zentrum liegt südlich des Schlosses, der „grüne Bereich“ mit Parks und Wäldern im Norden. MVRDVs Entwurf verwischt diese Unterteilung. Er füllt eine Lücke und bringt zugleich mehr Grün ins Häusermeer der südlichen Hälfte.

Bäume sollen bleiben dürfen

MVRDV’s Entwurf ist das Resultat einer Phase intensiver Bürgerbeteiligung. Beim ersten Schritt galt es, sich das Gebiet mit vierstöckigen Blöcken vorzustellen, die den Höhen der nördlich gelegenen entsprechen. Davon ausgehend werden diese Blöcke „geschnitten“, um die gewünschten Bereiche zu schaffen: Einen Platz, der Zugang zum Badischen Staatstheater bietet. Bauten, die sich den bestehenden Bäumen anpassen, damit diese erhalten werden können. Zwei neue, diagonale Straßen, die die neue Zone besser erreichbar machen. Und Innenhöfe, die je nach Bedarf für Freiraum in den neuen Blöcken sorgen.

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Der extravagante, schüsselförmige „Floating Garden“ überm Ettlinger Tor Platz ist als Gegenstück zum Karlsruher Schloss gedacht. Er soll grandiosen Ausblick bieten – in Anlehnung an die privilegierte Aussicht des Schlosses auf die Stadt. Durch die Umgestaltung und den aufsehenerregenden Neubau sollen künftig auch alle Bürger und Besucher dieses royale Panorama genießen können.

Karlsruhe ist eine Stadt mit absolut einzigartigem Charakter. Unser Masterplan ist sowohl eine Fortsetzung als auch eine Huldigung der Elemente, die sie so besonders machen

MVRDV-Gründungspartner Winy Maas

Unter dem „Floating Garden“, im Inneren des Neubaus, planen die Architekten ein öffentliches Gemeinschaftsforum und ein Hotel. Die gewölbte Fassade der Unterseite des schwebenden Grüns besteht aus Spiegelpaneelen, die die umliegende Stadt reflektieren. Der kreisförmige Dachgarten selbst ist als konzeptioneller Plan von Karlsruhe gestaltet. Seine Wege und Pflanzen sollen die 32 radialen Straßen der Stadt nachbilden.

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„Karlsruhe ist eine Stadt mit absolut einzigartigem Charakter. Unser Masterplan ist sowohl eine Fortsetzung als auch eine Huldigung der Elemente, die sie so besonders machen“, erläutert MVRDV-Gründungspartner Winy Maas. Und er führt aus: „Mit dem verspiegelten Unterbau und dem Dachgarten, der eine Miniatur der ,Fächerstadt‘ bildet, wird der Mittelpunkt unseres Masterplans zum Denkmal für die Stadt, die umliegenden Gebäude und die Menschen, die dort leben“.

Von Dachgärten zum Stadtwald

Die Fassaden der viergeschossigen Blöcke sollen unterschiedlich gestaltet werden. So, dass Bauherren und Beteiligte ihren eigenen Stil einbringen können. Für die Dächer dieser neuen Gebäude ist dichte Begrünung vorgesehen, die einen Stadtwald bildet. Durch Treppen und Brücken verbunden, sollen die Teilstücke zu einem zugänglichen urbanen Park werden, der die Bildung von Wärmeinseln verhindert.

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Auch die noch offene Zukunft des Landratsamtes wurde im Design berücksichtigt. Derzeit hat es seinen Sitz im alten, modernistischen Badenwerk Hochhaus im Westen des Masterplangebiets nahe beim Ettlinger Tor. Das Konzept des MVRDV-Teams erlaubt den schrittweisen Umzug in ein neues, um den Turm angeordnetes und niedrigeres Gebäude. Danach könnte der Turm entweder zu Wohnungen umgebaut oder abgerissen und ersetzt werden.

Alternativen fürs Amt am Ettlinger Tor

Ein Alternativ-Szenario würde den denkmalgeschützten Komplex erhalten, dafür aber den Kern der Neugestaltung – den „Floating Garden“ – opfern. Denn dabei zöge das Landratsamt in einen über dem Ettlinger Tor Platz schwebenden Neubau, der den spektakulären UFO-Garten ersetzt. Bei dieser Variante könnte das Badenwerk-Hochhaus entweder modernisiert oder seinerseits von einem Neubau abgelöst werden.

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Auch andere Standorte innerhalb der Planungszone eignen sich für die Errichtung neuer Wohntürme, die die Innenstadt durch besseren Nutzungs-Mix beleben würden. Was MVRDVs Konzept in jedem Fall zu bieten hat, ist mehr heiß begehrtes Grün für Karlsruhes eng verbaute Teile. Außerdem folgt der Plan der historischen Fächerform der Stadt auf elegant moderne Art.

Warten auf die „UFO-Landung“

Mit dem „Floating Garden“ würde das Ettlinger Tor wohl einen Hingucker gewinnen, der es zum besonderen Hotspot macht. Natürlich hat auch der Entwurf des zweiten Wettbewerbssiegers Max Dudler absolut seinen Reiz. Grund genug also, dem finalen Ergebnis der „Überlagerung“ beider Vorschläge mit Spannung entgegenzublicken.

Text: Elisabeth Schneyder Bilder: MVRDV

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