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09/14/2020

China und das Glasbrücken-Spiel

Mit 526 Meter Länge überspannt die nunmehr größte Glasbrücke der Welt drei Schluchten in China. Damit hat die Volksrepublik zum wiederholten Mal ihren eigenen Rekord gebrochen.

Warum Chinesen so auf Glasbrücken stehen, lässt sich aus europäischer Sicht nur erahnen. Aber es geht ganz offenbar um ein Spiel mit der Höhenangst des Menschen. Das legt jedenfalls folgende Geschichte nahe: Als 2017 die zu diesem Zeitpunkt weltweit längste und höchste Glasbrücke der Welt in der südchinesischen Hunan-Provinz eröffnet wurde, integrierten die Konstrukteure einen wahrlich makabren Special-Effekt: Auf 200 Meter Höhe wird durch drucksensible Platten ein täuschend echter Glasbruch vorgegaukelt, der auch noch von klirrenden Soundeffekten begleitet wird!

Irritierendes Glasbrücken-Video

Ein Video, das die erste Touristengruppe an jenem künstlichen Bruchpunkt zeigt, ging damals viral und die Brücke wird seither von Touristenmassen gestürmt.

In der Tat ist der Bau von Glasbrücken in China inzwischen offenbar zum Tourismusgaranten geworden. Im Jahr 2019 schätzte die BBC, dass es im Land 2.300 Glasbrücken gibt. Man kann fast sagen, was für Dubai die höchsten Gebäude der Welt sind, sind für China die längsten Glasbrücken. Nun wurde mit der neuen Huangchuan Three Gorges Scenic Area-Struktur die jüngste in einer Reihe von Brücken mit Glasboden eröffnet.

Glasbrücke über drei Schluchten

Das chinesische Studio Architectural Design & Research Institute der Zhejiang Universität hat die 526 Meter lange Brücke im landschaftlich reizvollen Drei-Schluchten-Gebiet Huangchuan in Südchina fertiggestellt. Nun wurde das gefeiert und dabei auch der Eintrag durch Guinness World Records bekannt gegeben.

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Das so genannte „Deck“ der auf roten Stahlstehern montierten Brücke liegt 201 Meter über Grund und wurde freilich aus besonders robusten Glaspanelen zusammengesetzt. Die Bauherrn versicherten schon vor der Eröffnung, dass ohne Probleme 500 Personen gleichzeitig die Brücke bevölkern könnten, ohne sie zu überlasten. Um das eindrucksvoll zu demonstrieren, wurde im Vorfeld sogar ein vier Tonnen schwerer Geländewagen über die Brücke geschickt.

Besonders klares Spezialglas

Möglich wird diese enorme Belastbarkeit durch die Art, wie das Spezialglas verbaut wurde. Konkret besteht es aus drei Schichten von jeweils 4,5 Zentimeter dickem, gehärtetem Verbundglas. Dieses wurde zudem mit speziellen Methoden so weiterentwickelt, dass es besonders klar erscheint. So soll das Gefühl, über den Schluchten zu schweben, intensiviert werden.

Glasbrücke soll mit Natur verschmelzen

Das Design-Studio in seiner offizielle Aussendung dazu: "Die Verglasung verleiht dem Brückendeck einen kristallartigen Glanz, hohe Transparenz und einen hohen Brechungsindex."

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Damit will man aber nicht nur den Besuchern ein besonders spektakuläres Erlebnis bieten, sondern auch aus architektonisches Sicht einen Akzent setzen, wie die Planer deutlichen machen: "So soll sich das Bauwerk möglichst in die natürliche Umgebung einfügen. Eine nahtlose Integration von Künstlichem in der Natur war unser Ziel."

Nur für Touristen konzipiert

Aber kommen wir zurück zur Brücke, die ganz offensichtlich aus infrastruktureller Sicht keinen für das Land relevanten Nutzen bietet. Die Brücke dient einfach nicht dazu, sich von einem Gebiet zum anderen zu bewegen. Vielmehr wurde sie extra so gestaltet, dass sich Touristen möglichst reibungslos darauf bewegen können, um den Ausblick zu genießen. Und möglichst ungestört Fotos machen zu können.

Eigenartiges Parade-Beispiel

Vier fast neun Meter breite "Selfie-Bereiche" wurden dafür eingerichtet. Außerdem sind spektakuläre Bungee-Jumping-Aktivitäten geplant aber auch Kunstausstellungen sollen auf der nun größten Glasbrücke der Welt stattfinden. Und imposante Paraden.

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Schließlich möchte China stets der Welt vor Augen führen, wie fortschrittlich das Land nicht ist. Dafür sind spektakuläre Paraden das Mittel der Wahl, wie wir wissen. Also kommt seitens der chinesischen Regierung auch schon der dazugehörige Subtext:

Von Glasbrücken und Gräben

„China beweist mit dieser Art der Konstruktion einmal mehr seine wirtschaftliche Macht und lehrt, dass der Mensch jede natürliche Barriere überwinden kann. Trotz der angeblichen Zerbrechlichkeit dieser Art von Brücken sind sie noch widerstandsfähiger als andere aus Beton.“

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Eine Botschaft, so glasklar wie die 2300 Glasbrücken im Land zusammengerechnet. Wir dürfen also wetten, wann denn wohl die nächste „größte Glasbrücke der Welt“ ein chinesisches Tal überspannt. Um im Gegenzug garantiert eher politische Gräben zu schaffen, als zu einen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Text: Johannes Stühlinger Bilder: Architectural Design & Research Institute der Zhejiang Universität

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